Report: Händlergenossenschaft MOCO (Archivversion) Flaschengeister

Mit einer eigenen Handelsmarke, der MOCO-Line, will die Händlergenossenschaft MOCO ihre Marktposition stärken. Doch erst müssen mehr Fachhändler mitmachen.

»Ich kann nicht verstehen, warum viele Motorradfachhändler den Vorteil einer Händlergenossenschaft nicht einsehen wollen«, gibt der Dortmunder Yamaha-Händler Hans Jürgen Weinrich seinem Unmut Ausdruck. Der ehemalige Vorstand der Motorcycle Cooperation, der 1993 gegründeten Händler-Einkaufsgenossenschaft, kennt seine lieben Kollegen allzu genau und weiß, daß sich viele als Einzelkämpfer verstehen. In Zeiten des Motorradbooms der 80er Jahre groß geworden, machen etliche ihr Geschäft liber ohne fremde Hilfe, wollen sich nicht in die Karten gucken lassen. Was Weinrich als Vorsitzendem des Yamaha-Händlerverbands dennoch schwer gegen den Strich geht, ist die Vogel-Strauß-Denke. »Es findet heute ein Verdrängungswettbewerb statt. Mit Motorrädern allein ist kaum mehr Geld zu verdienen. Und bei der Werkstatt kann man froh sein, wenn sie keine roten Zahlen schreibt. Ich schätze, daß bis zu 30 Prozent der Händler heute schon klinisch tot sind. Viele haben es nur noch nicht gemerkt.«Im Bekleidungs- und Zubehörbereich hingegen ist noch gutes Geld zu machen. Wenngleich der einzelne Fachhändler gegen die Konkurrenz der großen Zubehöranbieter vom Schlage eines Hein Gericke, Polo, Motoport und wie sie alle heißen nur schwer ankämpfen kann. Schon gar nicht, wenn man bei zig verschiedenen Anbietern ein Sortiment zusammenklaubt, welches den Bedürfnissen der Kunden nicht gerecht wird. Und vor allem, wenn es zu schlechten Konditionen in winzigen Mengen eingekauft wird, weiß ein anderer MOCO-Genosse zu berichten, der Berliner Zubehörhändler Burkhard Waldherr. Seit einem Jahr sitzt er im Vorstand der Händlergenossenschaft.Fachhändler, die der MOCO beitreten, kommen hingegen in den Genuß günstiger Einkaufsmöglichkeiten. »Der Sinn einer Genossenschaft ist, Einkaufskraft zu bündeln«, wußte schon Waldherrs Vorgänger im MOCO-Vorstand, Harald Löffler, zu argumentieren. Eine eigene Handelsmarke wollte der quirlige Branchenintimus auf alle Fälle vermeiden. Die neuen Vorstände sehen das anders. Zu ihrem Genossenschaftskonzept gehört gerade die Profilierung durch eine eigene Marke. Das führte allerdings bei einigen MOCO-Lieferanten zu gehörigem Frust. Der Hersteller von Motorrad-Kommunikationssystemen Baehr etwa kündigte, als er erfuhr, die MOCO lasse selbst so ein Helmsprechsystem bauen. Auch Batterien-Importeur Reinhard Schüller war das Eigengeschäft ein Dorn im Auge. Er beliefert die Genossen jetzt ebenfalls nicht mehr. Doch die neue MOCO-Line, zu der neben Leder- auch Textilbekleidung, Handschuhe, Kettenspray, Reiniger und eben Batterien und die Gegensprechanlage gehören, bietet zusammen mit den Artikeln von zirka 50 Lieferanten beinahe ein Vollsortiment. Es fehlt allerdings das lukrative technische Zubehör, wie es etwa im Gericke-Sortiment vorhanden ist. »Da haben wir noch nichts Rechtes«, weiß auch Hans Jürgen Weinrich. »Dazu benötigen wir ein großes Zentrallager mit entsprechenden Leuten.« Es fehlt halt noch an Geld, weswegen auch der Außendienst derzeit nur aus einem Mann besteht, während wohl drei Händlerbetreuer nötig wären. Doch immerhin steht die MOCO heute finanziell wieder gesund da und kann sich auf Mitgliedersuche machen. »Deshalb haben wir die EMO, die Einkaufsgenossenschaft des Motorradhandels mbH, gegründet«, erklärt Waldherr. Über die können auch Nicht-Mitglieder MOCO-Ware beziehen und später Mitglied werden, ohne die 5000 Mark Genossenschaftseinlage zu bezahlen. »Wir bräuchten etwa 200 finanziell gesunde Fachhändler«, sagt Vorstand Waldherr. Derzeit sind es 134. Da ist noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten.

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