Report Messe Mailand (Archivversion) Mailänder <br /><br /> Gala

Die Eicma in Mailand hat sich herausgeputzt. Heiße Bikes, schöne Frauen,
jede Menge Action – und das von nun an jährlich. Da muss sich Köln warm anziehen.

Die Italiener, das weiß man, lieben Superlative. Folgerichtig stellten sie vor den Toren Mailands ein nagelneues Messegelände auf die Wiese, das zu den größten der Welt zählt: acht riesige, zum Teil zweistöckige Hallen mit mega-galaktischen 345000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, verbunden durch einen 1,3 Kilo-
meter langen Korridor, dazu 80 Kongresssäle, 14 Restaurants, 50 Bars und 20000 Parkplätze. Gigantisch auch die Baukosten von rund 450 Millionen Euro. Für die Be-
sucher bedeutet die futuristische Anlage allerdings kilometerlange Wege, ähnlich wie am Frankfurter Flughafen – schmerzhafter Blasenbildung beugen die insgesamt 42 Laufbänder kaum vor.
Mit rund 64000 Quadratmetern belegte die Eicma (Esposizione Internazionale del Motociclo) gerade mal ein Fünftel der
verfügbaren Fläche, darf sich trotzdem rühmen, die mit Abstand größte Motorradmesse der Welt zu sein. 1560 Aussteller aus 36 Ländern, rund 33 Prozent mehr als beim letzten Mal, zeigten in Mailand ihre Produkte. Ob solch beeindruckender Zahlen eilte Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, körperlich von kleiner Statur, aber ansonsten gerne groß, höchstper-
sönlich zur Eröffnung herbei – schließlich handelte es sich erst um die zweite Aus-
stellung, die auf dem neuen Messegelände in Rho-Pero über die Bühne ging. Berlusconi bekannte, er habe immer die Vespa geliebt, jedoch aus Geldmangel in seiner Jugend die Lambretta kaufen müssen,
womit sich seine Zweiradkenntnisse denn auch erschöpften.
Egal: Publikumswirksam ließ sich der Medienzar – Berlusconi gehören drei TV-Sender und mehrere Verlage – an den Ständen der italienischen Hersteller ablichten. Angesichts der Rekorde allerorten – in vier Tagen kamen mehr als 500000 Besucher – und der positiven Resonanz wollen es
die Veranstalter nun wissen: Die Eicma, die erstmals als reine Motorradmesse ohne Fahrräder stattfand, soll künftig jedes Jahr ausgerichtet werden. Mailand soll nach dem Willen des italienischen Herstellerverbands Ancma weltweit ein Pflichttermin für die Motorradindustrie werden. Denn schließlich, so meinte Ancma-Präsident Guidalberto Guidi bei der Eröffnung, gebe es in Italien so viele Hersteller wie sonst
in kaum einem anderen Land. Immerhin 110000 Menschen seien in der Zweiradindustrie beschäftigt, und die heimischen Motorräder und Rennfahrer würden in der ganzen Welt bewundert. Dass sich allerdings sogar Ducati, mit knapp 40000 Motorrädern Italiens größter Motorradbauer, neben Honda & Co., wie ein Zwerg ausnimmt, verschwieg Guidi dezent.
Ein scharfer Konkurrenzkampf mit der deutschen Messe »Intermot« in Köln, die nächstes Jahr im Oktober stattfindet, scheint angesichts der terminlichen Nähe jedenfalls programmiert. Und zumindest, was die Attraktivität des Freigeländes angeht, hat Mailand schon in diesem Jahr beträchtlich vorgelegt. Egal, ob Trialakrobatik, Crossparcours oder die Möglichkeit, selbst zu fahren, ob riesige Showbühne oder verzwickter Geschicklichkeitskurs – das Unterhaltungsprogramm konnte sich schon am Pressetag sehen lassen. Wenn dann noch das Wetter mitspielt, dürfte der Andrang der Biker beträchtlich sein.
Der scherzhafte Einwand vom Geschäftsführer des IVM (Industrie-Verband Motorrad), Reiner Brendicke, in den neuen Hallen würde es aber deutlich an Tageslicht mangeln, bekommt angesichts dieser Faktenlage einen ernsten Hintergrund. Die Herausforderung an Köln steht – und sie besteht ganz offensichtlich nicht nur aus wunderschönen Frauen.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote