Richtig Kaufen. Motorradjeansjacken Hit the road, Jacke

Jacke wie Hose müssen sich unserem Test stellen: Nach den Motorradjeans in der letzten Ausgabe von 2Räder schleifen wir nun fünf Jeansjacken für Biker über den Asphalt.

Dieses coole Jeans-outfit ging uns einfach nicht mehr aus dem Kopf. Daher taten wir das Nächstliegende: Jeansjacken besorgen und diese genauso wie die Hosen brutal auf Abrieb, also Sicherheit testen. Brutal sah es allerdings nur aus der Ferne aus, wenn
man glaubte, dass ein Tester aus Fleisch und Blut in der Jacke steckte. Tatsächlich war es eine Puppe. Genau wie beim Hosentest setzten
wir den Dekra-Dummy auf die Spezialkonstruktion des ADAC: einen Autoanhänger mit darauf montiertem Motorrad. Dieses kippten
wir per Seilzug bei 80 Stundenkilometern, und es rollte, kugelte und schlitterte über den Asphalt.Natürlich versprechen die Hersteller höchste Sicherheit. Da wird mit Spezialgewebe geworben, das sowohl abriebfest als auch hitzebeständig sein soll. Inwieweit das Versprechen eingelöst wird, zeigt unser Test. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Alltagstauglichkeit der coolen Klamotte, sonst könnte man ja auch gleich im (zweifelsohne sichereren) Lederdress losreiten. Wie fallen der Schnitt und die Passform aus? Bietet die Jacke Zusatztaschen, ist sie leicht genug für einen Stadtbummel? Weiterhin überprüften wir, für welche Temperaturen die Jacken geeignet sind, und wie sehr Kragen
und Ärmel im Fahrtwind flattern. Die Verarbeitungsqualität interessierte uns ebenso wie der korrekte und bequeme Sitz der CE-Protektoren. Wie schon bei den Jeanshosen fällt das Gesamturteil über-raschend positiv aus, die Kleidungsstücke leisten mehr als wir zu Anfang vermutet hatten. Erfreulich, dass die Hersteller Lindstrands und Vanucci bei ihren Jacken ebenso gut arbeiten wie bei den Hosen: So sehen Testsieger und Kauftipp aus. (co)
Anbieter: IXS, Telefon 0 76 31/1 80 40,
www.ixs.de; Preis: 219,90 Euro*; Farbe: Blau; Größen: S bis 3XL (Damen: DS bis DXL)
Praxis Fahren: Selbst mit einem nur sehr dünn auftragenden zusätzlichen Halswärmer lässt sich
der Kragen nicht mehr gut verschließen, so eng ist er geschnitten. Unter dem Denim-Oberstoff liegt lediglich ein luftiges Netzfutter, dessen Isolation für Temperaturen unter 20 Grad bei Landstraßentempo nicht ausreicht. Die Protektoren sitzen in Fahrhaltung gut. Praxis Gehen: Die klassisch geschnittene Jeansjacke fällt in der Fußgängerzone nicht als Motorradjacke auf, und kleine Nettigkeiten wie eine Handytasche sowie gut zugängliche und sicher verschließbare Taschen (Druckknöpfe und Reißverschlüsse) tragen zum guten Alltagsnutzen bei. Der Tragekomfort ist durchschnittlich. Sicherheit: Bestens positionierte CE-Protektoren, eine Tasche für einen Rückenprotektor sowie Aramidverstärkungen an Sturzzonen bringen neben der guten Crashtest-Bilanz (Gummihaut unversehrt) viele Pluspunkte. Verarbeitung/Ausstattung: Tadellose Ver-
arbeitung und ordentliche Ausstattung kommen
gut, eine zusätzliche Innenjacke wäre bei dem
Preis noch besser.
Summertime-Blue - die vergleichsweise eng sitzende Blaue aus der Schweiz ist bei praller Sonne genial zum lässigen Cruisen. Für die flotte Tour
ist sie jedoch zu einfach gestrickt. Modisch
gesehen alte Schule - sympathisch.
gut
Anbieter: Jofama,
Telefon 05 61/47 08 35,
www.jofama.se; Preis: 219,00 Euro*; Farbe: Blau; Größen: XS bis 3XL
Praxis Fahren: Formidabler Schnitt, körpernah und trotzdem komfortabel. Dazu gesellen sich durchdachte Weitenverstellungen und ein hochsommertaugliches Konzept mit einer separaten, windbrechenden Kapuzenweste. Sie deckt das großflächige, effizient fahrtwinddurchlässige Meshgewebe ab - gut, wenn die Sonne nicht genug einheizt. Etwas nervig: Die Kapuzenbändchen trommeln gegen den Helm. Praxis Gehen: Gute Belüftung, hoher Tragekomfort, auch wenn die Jacke im Vergleich zu den klassischeren Jeansjacken etwas schwer aufträgt. Sinnvoll angeordnete Taschen erhöhen die Praxistauglichkeit. Sicherheit: Ein beinahe 20 Zentimeter langer Riss am Ellenbogen, mehrere Löcher im Denim, den
Cordura-Einsätzen und den verstärkenden Hi-Art-Materialdoppelungen. Der gute Sitz der dickwandigen CE-Protektoren hat nach dem Abwurf die Haut und Knochen des Dummys gerettet. Rückenprotektor nachrüstbar, Jacke koppelbar. Verarbeitung/Ausstattung: Der Material-
und Ausstattungs-Mix ist clever arrangiert und
prima verarbeitet.
Die fesche, moderne Schwedin punktet sich durch ihre Vielseitigkeit nach ganz vorn. Die extremen Belüftungsmöglichkeiten kombiniert mit der
cleveren Innenweste bringen enorme Vorteile im Hochsommer. Ein tolles Gesamtpaket.
sehr gut
Anbieter: Core Industries, Telefon 02 34/79 62 13 81, www.coreindustries.de; Preis: 249,00 Euro*; Farbe: Blau; Größen: S bis XL
Praxis Fahren: Die nur mit Klettstreifen angebrachten Schulterprotektoren verrutschen leicht beim Anziehen, auch beim Fahren sitzen sie nicht ideal.
Der Schnitt ist insgesamt nicht besonders gelungen. In den viel zu weiten Kragen zieht es ab 80 km/h mächtig hinein, in die Ärmel kommt man mit einem dickem Pullover gar nicht erst rein. Der Denimstoff
ist etwas labberig und beginnt bei höherem Land-straßentempo zu flattern. Schwacher Auftritt. Praxis Gehen: Entledigt man sich der Protektoren, sitzt die Jacke locker und lässig für den Stadtbummel. Fünf per Reißverschluss verschließbare, nicht besonders gut zugängliche Taschen und eine untaugliche, weil offene Handytasche sind nur Mittelmaß. Sicherheit: Wegen CE-Protektoren-Vollausstattung (Schultern, Ellenbogen, Rücken) und zumindest etwas Aramid-Verstärkung an den Ellenbogen hat die
Mottowear den Crashtest halbwegs gut überstanden. Allerdings war die Rutschphase eher kurz. Verarbeitung/Ausstattung: Bei diesem Preis
kann man eine bessere Ausstattung und Verarbei-
tung erwarten.
Das teuerste Modell im Test fährt das schlechteste Ergebnis ein. Motorradfahren macht mit der Jeansjacke aus Polen nämlich aufgrund von Mängeln in der Passform und Einbußen beim Tragekomfort keinen Spaß.
Befriedigend
Anbieter: Polo, Telefon 0 21 65/8 44 02 00,
www.polo-motorrad.de; Preis: 109,95 Euro*; Farbe: Schwarz; Größen: M bis XXL
Praxis Fahren: Das Jacken-Pendant zur Nevada-Hose macht seine Sache ordentlich. Die Membran hält den Fahrtwind gut ab und schützt trotz des dünnen Materials einigermaßen vor Auskühlung. Längere Touren sollte man dennoch besser für den Sommer planen. Tragekomfort und Passform sind gut. Praxis Gehen: Bei hochsommerlichen Temperaturen geht der Membran schnell die Puste aus, so dass
man die Jacke lieber über dem Arm trägt, um nicht
zu schwitzen. Unter 20 Grad ist die Nevada aber
eine gute Begleiterin für Exkursionen per pedes -
vor allem, wenn es regnet. Sicherheit: Die Protektoren können an den Schultern leicht verrutschen. Nach dem Abwurf enstanden auf einer kurzen Rutschpartie kleinere Löcher (mit Verschmelzungen von Kunstfasern) an den Ärmeln, und zwei Nähte rissen. Gut: die Nachrüstmöglichkeit für einen Rückenprotektor. Verarbeitung/Ausstattung: Besonders solide wirkt die Jacke nicht, aber die Ausstattung mit
Membran und ordentlichen CE-Protektoren bringt Pluspunkte.
Ein sensationeller Preis. Dafür gibt es eine wirklich ganz anständige Sommerjacke mit passablem Schutz vor Wind und Wetter, die zumindest dank ihrer Protektorenausstattung ein Mindestmaß an Sicherheit bietet.
gut
Anbieter: Louis, Telefon 0 40/73 41 93 60,
www.louis.de; Preis: 159,95 Euro*; Farbe: Blau; Größen: 46 bis 62 (Damen: 34 bis 46)
Praxis Fahren: Der harmonische Schnitt gefällt auf Anhieb, die Protektoren an Schultern und Ellenbogen sitzen gut und bequem. Bei fehlendem Sonnenschein freut man sich über die eingeknüpfte Kapuzenjacke aus dünnem Mikrofleece, die zumindest einigermaßen wärmt. Gute Sommerjacke. Praxis Gehen: Vier große, durch Knöpfe oder Reißverschlüsse verschließbare Außentaschen sowie
zwei Taschen und eine Handytasche in der Innenjacke bieten voll alltagstauglichen Stauraum. Innen- und Außenjacke eignen sich gleichermaßen für den Stadtbummel und den Ausflug ins Nachtleben. Sicherheit: Das Aramid-Mischgewebe als Zusatzschutz wurde nur spärlich eingesetzt (nur unter den Protektoren). Beim Crashtest kleinere Löcher im Denim, den besten Schutz boten die gut sitzenden Protektoren. Verarbeitung/Ausstattung: Die Jeansjacke ist trotz etwas liebloser Nähte akzeptabel verarbeitet, aber an großflächigen Verstärkungen wurde gespart (siehe auch Punkt Sicherheit). Etwas mau.
Die Kombination aus klassischer Jeansjacke, guten Protektoren sowie einer modischen und praktischen Kapuzen-Innenjacke kommt speziell an warmen Tagen gut an. Zu diesem Preis ist das Paket eine Empfehlung wert.
gut

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