Rickman-Treffen in Bremen (Archivversion) Die Fans von Don und Derek

Vernickeltes Rohrwerk machte aus wackeligen Japanbikes spurstabile Sportmaschinen. Die Liebhaber der 70er Jahre-Technik versammelten sich heuer zum 15. Mal, um die Werke der Brüder Don und Derek Rickman zu feiern.

Ich war so um die 13, als mein Nachbar mit einer knallorangenen CR 750 vorfuhr«, erinnert sich Herbert Streithoff. »Einmal durfte ich ihm beim Schrauben helfen, seitdem habe ich meinen Rickman-Spleen.” Genüsslich beißt der Bremer, Veranstalter des 15. Rickman-Treffens, in sein Kotelett. Welches ihm besonders lecker schmeckt, darf er sich doch in Gesellschaft Geistesverwandter wohl fühlen, dort hinter dem Gasthof »Zum Backsberg” in Bremen-Oyten am ersten Juli-Wochenende.Herbert trifft etwa auf Hubert von Ahn, genannt »Schrauber”, der seinen Enthusiasmus aus frühen Jugendtagen ebenso konserviert hat wie seine seltene Metisse mit Triumph T150 V-Dreizylindermotor. »Ein Schweinegeld, so um die 15 000 Mark, hat mich das Ding gekostet”, erinnert sich der Hamburger, der seine Rickman 1972 noch selbst bei RGM in Luton abgeholt hatte, »So´n Japankrapfen wäre mir damals nie ins Haus gekommen.” Wobei er den Herren Jan, Frank und Carsten, allesamt Anfang 30, aus dem Herzen spricht. Die zwar zu Zeiten der legendären Rickman-Brüder Don und Derek kaum die Windeln abgelegt hatten, offensichtlich aber für die Reize der Rickman-Kawas und -Hondas mit den wunderschön vernickelten Rahmenrohren schon damals empfänglich waren.Oder war es das britische Understatement, welches die Geschöpfe von Don und Derek verströmten? Um wackelige Crosskisten stabiler zu machen, hartverlöteten sie Mitte der fünfziger Jahre anständige Doppelschleifen-Rahmen aus dünnwandigem, nahtlos gezogenem Reynolds-531-Rohr. Später in den 60er Jahren brachten es die Perfektionisten auf veritable 12 000 Wettbewerbsmaschinen mit Bultaco, Montesa- und Zündapp-Zweitaktmotoren, die sie an Geländesportler verkauften.Straßenmaschinen kamen hinzu. Zusammen mit Bremsenhersteller AP Lockheed und Motorenbauer Harry Westlake entwickelten Don und Derek einen kompletten Umrüstkit für Triumph-Zweizylinder. Das Geschäft florierte, bis das alte Triumph-Werk in Meriden zumachte. Mit ihrer Neukonstruktion, dem CR-Rahmen - CR bedeutet Café-Racer - für Honda- und Kawasaki, später auch Suzuki-Mehrzylindermotoren, knüpften die Brüder rasch wieder an ihre Verkaufserfolge an.Der Funke britischer Rahmenbaukunst sprang alsbald auf deutsche Kunden über. Die Firma Henke aus Altenstadt importierte die CR-Fahrwerke - bis in die achtziger Jahre . Zwar fanden nur wenige hundert Kits Käufer, was nicht zuletzt am hohen Preis lag. Doch einigen kam das gerade recht: Ihre Moppeds blieben Raritäten. Was Jan aus Hamburg-Wedel, dessen dunkelrote Honda CR 750 heute wie neu dasteht, sehr zu schätzen weiß. »Die Rickman hatte ich zunächst verkauft, dann konnte ich es doch nicht aushalten«, beschreibt er seinen Verlustschmerz. Und kaufte die CR 750 Jahre später zurück. Jan kümmert es nicht, dass ihm und seinem liebevoll restaurierten Café Racer moderne Bikes locker um die Ohren fahren. Schon gar nicht Horst Bust. Der sonnt sich stattdessen in der Bewunderung der Kollegen, die sich den Kopf zerbrechen, was für ein seltenes Exemplar seine Rickman mit dem Norton-Einzylinder wohl sein mag. Bis der Ostdeutsche mit der Sprache rausrückt: selbstgebaut. Dass »Rickman” draufsteht, wo Bust drin ist, stört niemand. »Ob völlig original oder nicht, darauf kommt`s den Leuten nicht an. Rickman-Bikes wurden andauernd umgebaut. Außerdem gab`s tausend verschiedene Optionen zur Auswahl”, erklärt Streithoff.Nicht nur gucken und fachsimpeln war in Bremen-Oyten angesagt. Sondern fahren, um Pokale. Möglichst langsam und ja nicht fußeln. Das gab Minuspunkte. Leicht fiel das Uwe, dem Bruder des Veranstalters, balancierte er doch eine Micro-Metisse mit Zündappmotor, ein echtes Geländemotorrad, durch den sandigen Boden. Die blitzblanken Straßenmaschinen machten da mehr Mühe, weswegen das Bier, am Klapptresen von den Damen Silke und Jana unermüdlich ausgeschenkt, umso besser mundete. Und das stammte, so puristisch sind die Rickmänner nicht, aus deutschen Braukesseln.

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