Ride now! Bilanz 2005 (Archivversion) ANmache

Von allein findet die Jugend nicht so leicht zum Motorrad. Aber die MOTORRAD-Aktion Ride Now! zeigt, dass das
Motorrad die Jugendlichen
immer noch anmacht. Sie
müssen nur die Möglichkeit
bekommen, es mal auszu-
probieren. Einfach so und
nur zum Spaß.

Das Coole an Rennkombis könnte sein, dass bei denen der Hintern
fast so weit runterhängt wie bei Baggy Pants, diesen Stoffsäcken mit angedeuteter Hosenform. Die allerdings fallen meist weit aus, im wahrsten Sinn des Wortes, was man von Rennkombis nun wahrlich nicht behaupten kann. Übrigens auch nicht, dass deren Träger allesamt einen Buckel hätten. Sie sehen nur so aus.
Das macht nicht jeden an. Jugendliche schon gar nicht. Weil die halt großen Wert aufs Äußere legen und deshalb so manche inneren Werte gar nicht erst kennen lernen. Wie die des Motorradfahrens zum Beispiel. Zumal das mit einem riesigen Aufwand verbunden sein kann. Wo kriegt man eine Maschine her, auf der sich’s üben ließe? Wer zeigt einem, wie man’s richtig macht? Und zwar so cool und relaxed, dass dabei die Lust nicht flöten geht.
MOTORRAD versucht das zumindest, mit freundlicher Unterstützung (siehe Sponsorenleiste unten). Und dass der Versuch als gelungen bezeichnet werden kann,
zeigen die Reaktionen auf die Aktion Ride now! Da können Leute, die noch nie auf
einem Motorrad gesessen haben, mal
ausprobieren, wie das so ist. Für lau. Das haben 2005 zirka 1000 Leute gemacht. Und denen hat’s gefallen, sehr gut gefallen sogar. Meinten zumindest 85 Prozent der Teilnehmer, die einen Fragebogen ausfüllten. Und dieses wohlgefällige Testen, wie man zurechtkommt mit einer Maschine, hatte seine Konsequenzen. So stieg die Anzahl derer, die einen Motorrad-Führerschein machen wollen, von 50 Prozent
vor Ride now! auf 80 Prozent danach. Das Motorrad hat seinen Eindruck hinterlassen. Sogar von den elf Prozent, die eigent-
lich keinen Schein machen wollten, blieb gerade mal noch ein Prozent übrig.
Fast 70 Prozent der Teilnehmer gehören zu der Altersgruppe, die sich als
besonders motorradresistent erwiesen hat, zu den 17- bis 25-Jährigen. Doch natürlich haben an der Aktion, die 2006 wieder läuft, auch ältere Motorradinteressenten ihren Spaß. Die werden nicht ausgeschlossen, die sind willkommen. Und das ist auch richtig so. Denn wer dem Jugendwahn
verfällt, macht sich letztlich lächerlich
und unglaubwürdig. Und die Jugendlichen spüren recht schnell, ob sich da einer
anbiedert oder aufdrängt.
Bei Ride now! scheint das nicht der Fall gewesen zu sein. Was zum einen zeigt, dass die Jugendlichen erreicht werden können, und zum anderen einen Hinweis darauf gibt, wie das prinzipiell funktionieren könnte – mittels Verführung durchs
eigene Tun. Es genügt eben nicht, den
jungen Menschen zu erzählen, wie geil das Motorrad doch sei und wie viel man versäume, wenn man auf dieses Vergnügen verzichte. Und es genügt auch nicht, sich spezielle Werbestrategien auszudenken, um diese Zielgruppe anzusprechen. Man muss sie in ihren Lebenswelten abholen, und das gelingt am besten mit dem Naheliegendsten – dem Motorrad selbst.
Ride now! war auch dieses Jahr wieder auf einem alternativen Rockfestival, da also, wo es eigentlich hingehört. Im Kontext einer Musik, durch die die Jugendlichen sich definieren. Die ihre Eltern nicht hören, die nicht Mainstream ist, was auf das Motorrad bekanntermaßen ja auch mal zutraf, nicht Mainstream zu sein.
Und das in den Lebenswelten der
Jugendlichen in Konkurrenz tritt zu Skateboard, Mountainbike, Surfen oder Freeclimbing. Was sich allein schon daran zeigt, dass diejenigen, die sich fürs Motorrad interessieren, damit zu 80 Prozent »Abenteuer/Freiheit« verbinden und nur zu 36 Prozent »Mobilität«. Dafür gibt es schließlich Auto und öffentlichen Nahverkehr. Dementsprechend suchen sich die Jugendlichen dann auch ihre Maschine aus, wobei auffällt, dass deren Präferenzen kaum von der aktuellen Marktsituation
abweichen. Besonders gefragt sind Motorräder, denen man ansieht, dass sie den Fahrer fordern, dass sie Spaß machen.
Den Spaß, sich mal mit dem Motorrad auseinandersetzen zu dürfen, wollten 2005 an die 4000 Menschen haben. Lediglich
einem Viertel der Interessenten konnte Ride now! die Chance dazu geben. Es gibt also noch viel zu tun.

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