Rossi, Valentino: Interview (Archivversion) Rossi und die FormeL 1

Valentino Rossi steigt 2007 in einen mit der Startnummer 46 verzierten Formel-1-Monoposto. Für einen Drei-Jahres-Vertrag liegt ihm ein Ferrari-Angebot über 60 Millionen Euro Gage vor. Schon bald unterzieht er sich einem gezielten Training, um für die Fliehkräfte der Formel 1 gerüstet zu sein. 2006 stehen regelmäßige Tests auf dem Programm, um neben dem nötigen Speed auch ein Gefühl für die Abstimmung zu entwickeln – die Schlagzeilen der letzten Wochen.
»Es gibt keinen Grund, warum einer wie Rossi nicht auch in der Formel 1 schnell sein sollte. Es ist leicht, sich auszumalen, welchen Gewinn er für das Image und die kommerzielle Seite unseres Sports bedeuten würde«, bestätigte Ferrari-Technikchef Ross Brawn beim Formel-1-Lauf in Monza. »In diesem Winter und im nächsten Jahr wird Rossi weitere Tests mit uns bestreiten. Das Beste wäre, er könnte einmal pro Monat oder alle sechs Wochen antreten«, fügte er hinzu. Der Tisch war gedeckt für den MotoGP-Weltmeister, fehlte nur noch die Bestätigung von Rossi selbst.
Doch die verkniff sich der umschwärmte Superstar und hielt beim Japan-GP in Motegi sogar ungewöhnlich scharf dagegen. Das, was Brawn über das vermeintliche Testprogramm gesagt habe, sei »bullshit«, meinte er trotzig. »Brawn hat eines vergessen: Ich bin es, der die Entscheidungen über meine Zukunft trifft«, bellte Rossi. »Ich habe mich für ein weiteres Jahr mit Yamaha entschieden und will gewinnen. Wenn ich jeden Monat Testfahrten auf dem Programm hätte, hätte ich gleich in die Formel 1 gehen können. Doch gegenwärtig bin
ich zu 100 Prozent Motorradrennfahrer und brauche dazu meine ganze Kraft und Konzentration.«
Bei jedem anderen würden solche Worte das Ende einer Beziehung bedeuten, die es noch gar nicht richtig gibt, doch für Valentino Rossi gelten andere Gesetze – der rote Teppich bleibt ausgerollt. Ferrari-Sportdirektor Stefano Domenicali antwortete noch während des Motegi-Grand-Prix diplomatisch: »Rossi soll wissen, dass wir ihm in der Box von Maranello alle die Daumen drücken.«
Wenige Tage später meldete sich Brawn vom Formel-1-Lauf in Brasilien zu Wort: »Wir sind an ihm interessiert, eine Verbindung Ferrari-Rossi wäre sehr verführerisch. Es liegt nur an ihm.« Und zum Thema Testprogramm: »Wenn er das Abenteuer Formel 1 ernsthaft in Angriff nehmen will, muss er dem folgen, was ich in Monza gesagt habe.«
Dass Rossi auf vier Rädern nur dann Fuß fassen könne, wenn er sich einem sorgfältigen Aufbauprogramm unterziehe, hatte auch Renault-Teamchef Flavio Briatore verkündet. »Briatore will darauf hinaus, dass es im Gegensatz zum Motorradsport besonderer Kühnheit bedarf, um Formel-1-Fahrer zu werden. Für mich ist die Wahrheit genau umgekehrt«, knurrte Rossi.
Flavio Briatore, ebenfalls nicht auf den Mund gefallen, schoss sofort zurück. »Ich habe Rossi nie kritisiert, sondern nur gesagt, dass er ernsthafte Tests braucht, wenn er sich wirklich in die Formel 1 einmischen will. Wenn er sich für ein Super-Phänomen hält, hm... dann ist es besser, er siegt weiter bei
den Motorrädern, wo er keine Gegner hat. Er ist wie ein Kindergartenkind, das
sich mit Spielzeugen amüsiert. Doch wenn er erwachsen werden will, soll er zu den Großen kommen und zeigen, wozu er wirklich imstande ist.“

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