Saisonbilanz Max Neukirchner (Archivversion) Blitzstart

Max Neukirchner fühlte sich keineswegs an den Rand gedrängt, als
im Januar bei den ersten Testfahrten seines Klaffi-Honda-Teams, das – so wie er selbst – neu in die Superbike-WM einstieg, sich alles um Teamkollege Frankie Chili drehte. »So kann ich wenigstens in Ruhe arbeiten und meine erste Superbike-WM-Saison seriös vorbereiten«, erklärte der 21-jährige Sachse mit einer inneren Ruhe, die im Laufe des Jahres fast zu seinem Markenzeichen werden sollte.
Schon bei der ersten Kontaktaufnahme mit der Fireblade in Cartagena/Spanien war Max kaum langsamer als Evergreen Chili. Und nach einem ebenso stürmischen wie ermutigenden WM-Auftakt in Qatar – bei einem Sturz zwei Gegner abgeräumt, im zweiten Rennen Rang acht – stand der Jüngling beim zweiten WM-Auftritt im australischen Phillip Island bereits verdammt weit oben. Startplatz drei in der ersten Startreihe, unmittelbar vor Troy Corser, seines Zeichens Hausherr in Phillip Island und mit seiner Werks-Suzuki absoluter Titelfavorit – das ließ die Superbike-Welt aufhorchen. Neukirchners Vorstellung in den beiden Rennen stellte die Trainingsleistung sogar noch in den Schatten. Vierter im ersten Lauf und in seinem vierten Superbike-WM-Lauf überhaupt als Dritter auf dem Podest. Machte Rang fünf in der WM-Tabelle. Der Erfolg änderte nichts an der Ruhe des Sachsenpfeils: »Top Ten, und die einigermaßen regelmäßig, müssen weiterhin meine Zielvorgabe bleiben.«
Tatsächlich spürte Max Neukirchner bereits in den folgenden Rennen das
extreme Auf und Ab einer WM-Saison. Ein heftiger Sturz gleich in der ersten Runde im spanischen Valencia, in den zwei andere Superbike-Rookies, Lorenzo Lanzi und Karl Muggeridge, ebenfalls verwickelt waren, warf ihn auch insgesamt ein wenig aus der Bahn. Mit gebrochenem rechtem Daumen erkämpfte er im zweiten Rennen zwar noch Platz zwölf, musste aber bei der anschließenden Veranstaltung in Monza pausieren – eine Parallele mit Ducati-Junior Lanzi, mit dem er ebenso wie mit Karl Muggeridge die ganze Saison um die Ehre des besten Aufsteigers kämpfte.
Bei den nächsten vier Events ging’s heftig hin und her. Im tschechischen Brünn, von seiner sächsischen Heimat nicht viel weiter entfernt als der Eurospeedway Lausitz und so neben dem deutschen WM-Auftritt quasi ein zweites Heimrennen, stand Max Neukirchner erneut in der ersten Startreihe, holte mit Rang 14 und einem Ausfall indes nur zwei Pünktchen. Insgesamt konnte er zwischen Ende April und Ende August an angestrebten Top-Ten-Plätzen lediglich Rang sieben in Silverstone und Rang zehn in Brands Hatch verbuchen. In der Gesamtwertung warf ihn der sommerliche Durchhänger auf Platz 13 zurück, knapp hinter Muggeridge und Lanzi. »Der Hauptgrund für das schwächere zweite Saisondrittel war wohl, dass wir im Vergleich zu den werksunterstützten Teams deutlich weniger trainieren konnten«, analysiert Max.
Mit den Rennen in Assen und in der Lausitz kam die Konstanz zurück. Vier siebte und drei achte Plätze bei den letzten sieben Auftritten der Saison zeigen deutlich, wo Max in der Superbike-Hierarchie einzuordnen ist. Seine persönliche Einschätzung: »Natürlich war ich froh, als ich spürte, dass ich recht gut im Vorderfeld mithalten konnte. Andererseits aber hat es schon ein bisschen genervt, einfach nicht mehr weiter nach vorn zu kommen.«
WM-Gesamtrang zwölf ist eine respektable Leistung. Kleine Schönheitsfehler sind die Tabellenplätze neun und elf für Lanzi und Muggeridge sowie die Lanzi-Siege auf dem Eurospeedway und beim Finale in Magny-Cours. Allerdings hatte der Italiener höchstkaratige Ducati-Werksmaschinen zur Verfügung.
2006 hat Max Neukirchner mit seiner Klaffi-Honda neben Freund Lanzi die gesamte Superbike-WM-Spitze und auch seinen Teamkollegen Chili, den er seit den Rennen in Brünn im Juli permanent hinter sich lassen konnte, fest im Visier. »Der Plan kann nur sein«, so der Aufsteiger ehrgeizig, »mich als Top-Fünf-Fahrer zu etablieren.“

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote