Scholl, Dr. Christoph: Interview (Archivversion)

Doping

Dr. Christoph Scholl, Rennarzt und Sportmediziner, erklärt, ob ephedrinhaltige Präparate normalen Motorradfahrern etwas bringen

Worum handelt es sich bei Ephedrin?Es ist ein anregendes Mittel, welches das vegetative Nervensystem beeinflusst. Der Puls und der Blutdruck gehen hoch. Es ist in Grippemitteln und Appetitzüglern enthalten.Was bewirkt es?Stichwort Speedy-Effekt. Man bekommt ein überschießendes Reflexverhalten, die koordinativen Bewegungsabläufe und die Reflexe können durchbrochen werden. Die Leute wirken fahrig und nervös. Man bemerkt nicht, wann der Körper seine Leistungsgrenze erreicht hat. Deswegen nehmen Marathonläufer und andere Hochleistungssportler so etwas ein. Mit der möglicherweise gefährlichen Folge eines Herzschlags.In Deutschland ist es in vielen Medikamenten frei erhältlich und keineswegs verboten. Kann man es Motorradfahrern, die etwa ein Renntraining oder eine harte Endurotour machen, empfehlen?Nein. Aus oben genannten Gründen. Es hat einen negativen Einfluss auf die Koordinationsfähigkeiten, die Motorradfahrer und erst recht Rennfahrer in hohem Maße benötigen. Viel sinnvoller ist es, ordentlich zu trainieren, sich gesund zu ernähren. Dadurch steigt der Endorphinspiegel, also das körpereigene Glückshormon. Dieses liegt bei entsprechendem Training höher als durch die Einnahme von irgenwelchen Mitteln. Für anstrengende Motorradfahrten empfehle ich: kurze Ausruhphase, am besten liegend, danach einen Kaffee trinken als Anregung.Gibt es andere erlaubte Mittel, die einem Biker weiterhelfen könnten?Eine echte medikamentöse Leistungssteigerung ist für Biker nicht möglich. Ephedrinhaltige Präparate und andere anregende Mittel haben außerdem einen ausgeprägten Reboundeffekt. Das heißt: Nach Abklingen wird man psychisch labiler – ein schlechteres Befinden als ohne Einnahme stellt sich ein. Man ist körperlich ausgelaugt und benötigt eine extrem lange Ausruhphase, während der man außerordentlich kaputt ist.
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Scholl, Dr. Christoph: Interview (Archivversion) - MaHuang für Haga

Was taugt Ephedrin? Ob Noriyuki Haga, der japanische Yamaha-Werksfahrer in der Superbike-WM, seine Tendenz zur Pummeligkeit bekämpfen wollte, wissen wir nicht. Fest steht, dass er ein Medikament nahm, das Ephedrin enthält und auf der Dopingliste steht. Er wurde bei einer Sitzung des FIM-Disziplinargerichts in Hockenheim am 4. Juni für einen Monat für die WM gesperrt. Ephedrin wird aus der MaHuang-Pflanze gewonnen, die in China seit 5000 Jahren gegen Asthma verwendet wird. Die Sportrevue, Hausblatt der Bodybuilder, beschreibt eine Ephedrin-Koffein-Aspirin-Kombination so: eine effektive Diätunterstützung, die den Appetit während einer Diät zügelt und die Umwandlung von Fettkalorien in Wärme anregt. Zu beziehen sind Ephedrin-Präparate etwa über das Internet unter www.ephedra.demon.nl/indexde.htm.

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