Schräglagenfreiheit

Wer früher am Bikertreff Eindruck schinden wollte, musste mit angeschliffenen Fußrasten, Schalldämpfern oder - im Fall von Boxermotoren - Ventildeckeln aufkreuzen. Heute gelten in gewissen Kreisen noch ähnliche Gesetze, jedoch sind die Insignien verwegener Fahrweise erheblich schwerer zu erlangen. Denn in der Regel muss man mit modernen Motorrädern schon ziemlich schräg ums Eck wetzen, bis irgendein Bauteil aufsetzt. Zum Glück, schließlich geht es ja nicht in erster Linie um Renntauglichkeit, sondern um die Sicherheit. Wer sich im Kurvenradius verschätzt, braucht bei der Kurskorrektur Reserven, ohne dass es ihn gleich aushebelt. MOTORRAD überprüft die Schräglagenfreiheit im Handling-Parcours, entscheidend ist jedoch das Verhalten auf der Testrunde bei ziviler Fahrweise. Bewertet wird nicht nur ob, sondern auch wie die Maschine aufsetzt. Lässt sich die Schräglage mit an den Fußrasten angeschraubten Nippeln ertasten? Werden Verkleidungsteile durchgeschliffen? Hebelt der Hauptständer oder der Auspuff die Maschine aus der Spur, weil das Hinterrad urplötzlich wegrutscht?

Bei der Suzuki GSX-R 1000 ist all dies nicht zu befürchten; als echter Supersportler erhält sie hier verdient die volle Punktzahl 20, auch wenn zum Beispiel eine Ducati 998 oder 999 auf einer griffigen Rennstrecke mit Rennreifen noch einen Tick mehr Schräglagenfreiheit offenbart. Am anderen Ende der Skala rangieren Cruiser vom Schlag einer Harley Fat Boy mit vier Zählern, während der Tanker, Verzeihung, Tourer Honda Gold Wing immerhin neun Punkte bekommt. Den sehr guten Durchschnitt in diesem Kriterium repräsentieren Großenduros wie die Honda Varadero, Tourer wie die Yamaha FJR 1300 oder ein Naked Bike à la Suzuki GSX 1400. Bei zügiger Landstraßenfahrt auf griffiger Straße setzen sie zwar gelegentlich auf, das geschieht jedoch so spät und gut kontrollierbar, dass sie 12 bis 14 Punkte verdienen.

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