Schraubertip: Gabelöl wechseln (Archivversion)

Aus-Lauf

Damit aus der Gabel kein Auslaufmodell wird, sollte das Öl gelegentlich ausgetauscht werden.

Der regelmäßige Wechsel des Motoröls ist jedem Motorradfahrer selbstverständlich. Daß aber auch in der Telegabel aufgrund von Reibung, des daraus resultierenden Abriebs sowie der mechanischen Belastung das Öl regelrecht verschleißt, daran denken nur wenige. Die unmittelbare Folge ist schlechtere Dämpfung und höhere Reibung, auf Dauer droht vorzeitiger Verschleiß in den Lagerbuchsen und Führungen. Besonders am Boden lagert sich ein Sumpf ab, der gerade bei modernen Gabeln die Funktion des Bodenventils beeinträchtigt. Bei Rennmaschinen tauschen die Mechaniker das Gabelöl sogar schon nach wenigen hundert Kilometern. Das ist unter normalen Bedingungen nicht nötig. Spätestens alle zewei Jahre oder nach etwa 20 000 Kilometern sollte ein Wechsel jedoch vorgenommen werden. Für den Wechsel ist besonders bei den komplizierteren Cartridge-Gabeln gutes Werkzeug und ein bißchen Knowhow nötig, Anfänger sollten das in der Werkstatt erledigen oder sich von erfahrenen Freunden einweisen lassen. Bei manchen Gabeln ist auch Spezialwerkzeug nötig. Das Gabel-Altöl sollte übrigens nicht mit Motoröl gemischt werden, Werkstätten oder der Fachhandel müssen bei Neukauf die gleiche Menge an Altöl zurücknehmen. Simpel ist der Wechsel dann, wenn es sich um eine übliche Gabel ohne Cartridge-Einsätze mit Ablaßschrauben unten an den Gleitrohren handelt. Dies ist bei den meistens Motorrädern der Fall, üblicherweise besitzen nur Sportmaschinen sowie Crosser und einige Enduros die aufwendigen Cartridge-Gabeln. Wer es sich besonders einfach machen will, läßt hier einfach das Öl ab und kippt nach dem Abschrauben der Verschlußstopfen und Schließen der Ablaßschrauben oben die im Handbuch vermerkte Ölmenge hinein. Exakter ist es, den Ölstand bei eingefederter Gabel und herausgenommenen Federn zu vermessen. Über das Luftpolster läßt sich Einfluß auf die Federkennlinie der Gabel nehmen. Fehlt die Ablaßschraube, müssen die Gabelbeine demontiert werden. Das empfiehlt sich auch bei Verschmutzung zum Reinigen und Durchspülen der Gabel. Dazu sollte nicht Benzin, sondern Petroleum oder notfalls Diesel verwendet werden.
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Schraubertip: Gabelöl wechseln (Archivversion)

Kasten 1Das Vorderrad muß zunächst entlastet werden. Bei Maschinen mit Hauptständer gelingt das durch Unterbauen oder Anheben der Vorderpartie mit einem Wagenheber leicht, bei Motorrädern mit Seitenständer muß improvisiert werden. Dann die Klemmschrauben der oberen Gabelbrücke lösen, damit das Feingewinde des Verschlußstopfens nicht geklemmt wird. Kasten 2Falls vorhanden, die Rädchen für die Zugstufendämpfung ganz herausdrehen, dabei Klicks zählen und notieren, damit die Einstellung hinterher reproduziert werden kann. Dann Rädchen ganz hineindrehen. Vorsicht: Nicht hart gegen den Anschlag drehen, die Ventile könnten beschädigt werden. Falls die Federvorspannung eingestellt werden kann, diese soweit wie möglich entlasten.

Nr 3 bis 6 (Archivversion)

Bild 3Tank gegen Schmutz und Kratzer abdecken. Jetzt die Stopfen herausdrehen. Die Stopfen werden durch die Gabelfedern leicht vorgespannt, also beim Herausdrehen zur Schonung des Gewindes etwas gegendrücken. Dabei muß das Vorderrad unbedingt komplett entlastet sein, sonst gibt es ein Unglück. Als Werkzeug eignet sich am besten eine Ratsche mit Verlängerung.Bild 4Die O-Ringe an den Stopfen auf Beschädigung kontrollieren und gegebenenfalls ersetzen. Bei Cartridge-Gabeln muß jetzt der Stopfen von der Dämpferstange gelöst werden. Dazu das Vorderrad ganz einfedern und eine Kiste oder ähnliches darunterstellen. Die Kontermutter liegt oft unter den Gabelfedern, diese müssen dann heruntergeschoben werden. Bild 5Gabelfedern nach unten drücken und Federteller abnehmen. Unbedingt alle Teile exakt in richtiger Reihenfolge auf einen sauberen Lappen oder Papier legen. Für den korrekten Zusammenbau notfalls Skizze machen. Vorsicht: Beim schnellen Herausziehen der Dämpferstange kann Öl herausspritzen. Bild 6Manchmal sitzt die Feder tief im Standrohr und muß mit einem gebogenen Draht herausgezogen werden. Die Feder nicht ruckartig hochziehen, sonst gibt es ein Ölbad in der Werkstatt. Statt dessen Öl abtropfen lassen. Bei progressiven Gabelfedern gehören die engen Wicklungen in aller Regel nach oben.

––– (Archivversion) - Ölstand und Progression

Damit eine Gabel sensibel auf Unebenheiten reagiert, ohne bei groben Schlägen durchzuschlagen, muß die Federung progressiv sein. Also im ersten Bereich des Federwegs weich (flache Federkennlinie), beim Einfedern langsam härter (Kennlinie wird steiler). In den Holmen moderner Telegabeln wirken deshalb grundsätzlich zwei Federn: eine Schraubenfeder und eine zusätzliche Luftfeder. Das im Standrohr eingeschlossene Luftpolster wird beim Einfedern komprimiert, dadurch steigt die Gesamtfederkraft der Gabel progressiv an. Je kleiner das Luftpolster, also je höher der Ölstand, um so stärker ist die Progression.

Nr 7 bis 10 (Archivversion)

Bild 7Nun große Auffangwanne unter die Gabelenden stellen, die Bremsscheiben und Zangen abdecken und Ablaßschrauben herausdrehen. Damit das Öl aus allen Kammern herausgepumpt wird, Gabel mit der Hand mehrfach ein- und ausfedern. Bei starker Verschmutzung muß die Gabel ausgebaut und gespült werden. Dann Ablaßschrauben wieder eindrehen. Bild 8Gabelholme ohne Ablaßschrauben müssen ausgebaut werden, das Öl kann dann nur durch die Stopfen-Öffnung herauslaufen. Die Halteschrauben unter den Gabelbeinen oder Druckstufenventile am unteren Ende sollten zum Ablassen des Öls nicht herausgeschraubt werden. Das ist allenfalls eine Notlösung.Bild 9Aus den üblichen, einfach gebauten Gabeln läuft das Öl fast vollständig heraus. Die Kammern in Cartridge-Dämpfereinsätzen müssen durch Pumpen der Dämpferstange entleert werden. Wenn nach mehrmaligem Bewegen kein Öl mehr austritt, ist der Einsatz - zumindest weitgehend - leer. Dabei vorsichtig vorgehen, damit das Öl nicht herausspritzt. Bild 10Das Gabelöl in der vorgeschriebenen oder gewünschten Menge im Meßbecher abfüllen und durch einen Trichter in die Holme gießen. Zwischendurch mehrfach durch Bewegen entlüften. Wenn das Öl komplett in der Gabel ist, so ange entlüften, bis die Dämpferstange ohne Luftbläschen mit konstantem Widerstand über den ganzen Hub gleitet.

NR 11 bis 14 (Archivversion)

11Vor dem Messen der Luftkammer Gabel unbedingt ganz bis zum Anschlag eintauchen und zum Beispiel mit einem Spannband fixieren. Nun Ölstand mit Zollstock kontrollieren und auf das vorgeschriebene oder gewünschte Maß (aus Werkstatt-Handbuch oder Infoblatt zu Nachrüstfedern) bringen. Die Abweichungen dürfen fünf Millimeter nicht übersteigen.12Bei zu hohem Ölstand muß Öl abgesaugt werden. Das geht am besten mit einer Saugflasche oder mit einer großen Spritze und aufgestecktem Schlauch. Ein Kabelbinder auf dem Schlauch zeigt die Höhe der Luftkammer an. Außerdem gibt es dafür spezielle Pumpgeräte (zum Beispiel bei Gericke oder Götz). Danach Federn und Hülsen wieder einbauen.13 Vorsichtig Gabelstopfen auf die Dämpferstange bis zum Anschlag schrauben. Dabei darf die Kontermutter noch nicht anliegen (sichtbarer Spalt). Gabelstopfen nun kontern. Vor dem Zusammenbau unbedingt die korrekte Funktion der Dämpfungseinstellung (Freigängigkeit und Anzahl der Klicks) überprüfen.14Das Vorderrad kann nun entlastet werden. Die Gabelstopfen sollten zuerst vorsichtig mit der Hand ein Stückchen hineingeschraubt werden, um das empfindliche Gewinde nicht zu beschädigen. Dann festziehen und Gabelbrücken-Klemmung wieder anziehen. Dämpfung und Federvorspannung müssen wieder auf die ursprünglichen Werte gebracht werden.

Schraubertip: Gabelöl wechseln (Archivversion)

Die Viskosität des Gabelöls beeinflußt das Dämpfungsverhalten. Zug- und Druckdämpfung werden mit einem dünnflüssigen Öl tendenziell weicher, im umgekehrten Fall härter. Allerdings reagieren Gabeln je nach Aufbau der Dämpfungsventile unterschiedlich stark. Man kann also nicht nur mit der Ölmenge die Federung beeinflussen, sondern auch mit der Ölviskosität die Dämpfungseigenschaften verändern. Bei solchen Experimenten ist jedoch Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall sollte entweder das vom Motorradhersteller empfohlene oder nach Liste der Ölhersteller passende Öl verwendet werden. Die Klassifizierung macht einen direkten Vergleich von Ölen unterschiedlicher Hersteller schwer, denn nach SAE-Standard wird die Viskosität bei 100 Grad gemessen, die in einer Gabel natürlich nie erreicht werden. Ein SAE 10 von Hersteller X muß nicht exakt einem SAE 10 von der Firma Y entsprechen.

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