Schraubertipp: Gabelfedern wechseln (Archivversion)

Tauschgeschäft

Wenn die Gabel beim Bremsen rasch durchschlägt und wenig Gefühl fürs Vorderrad vermittelt, sorgt der Wechsel auf progressive Zubehör-Gabelfedern für Abhilfe. MOTORRAD zeigt, wie’s geht.

Der Tausch der serienmäßigen Gabelfedern gegen progressive Exemplare mit einer steigenden Federrate zählt zu den preisgünstigsten Optimierungsmaßnahmen. Zwischen 70 und 120 Euro werden für einen Satz Gabelfedern inklusive dem passenden Öl fällig. Wer über Schraubererfahrung verfügt, kann sich zudem die Kosten für den Einbau sparen. Dieser lässt sich bei Motorrädern ohne Dämpfungsverstellmöglichkeit vergleichsweise problemlos bewerkstelligen. Der nebenstehend beschriebene Umbau einer Honda VFR 750 F, Baujahr 1997, steht daher stellvertretend für alle Gabeln mit einem offenen Zweirohr-Dämpfungssystem oder einer einfachen, geschlossenen Dämpfungseinheit (Cartridge). Der Umbau einer Gabel mit verstellbarer Dämpfung gehört hingegen in die Hände eines Spezialisten.
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Schraubertipp: Gabelfedern wechseln (Archivversion)

Motorrad so aufbocken, dass das Vorderrad vom Boden abhebt. Achtung: Um ein problemloses Herausziehen der Gabelholme nach unten zu gewährleisten, muss mindestens der Platz zur Verfügung stehen, der dem Abstand zwischen unterer Gabelbrücke und dem Gabelstopfen entspricht (zur Sicherheit messen!). Sind die Lenkerstummel über der Gabelbrücke angebracht, werden diese abgenommen. Danach den Überstand aus der oberen Gabelbrücke messen (1) und den Wert notieren. Dies gilt für alle Motorräder, deren Gabelholme nicht mit der oberen Gabelbrücke bündig abschließen! Anschließend die Verschraubung der oberen Gabelbrücke lockern und die Gabelstopfen mittels Nuss oder Ringschlüssel einen Gewindegang lösen (2). Dann Vorderrad, Kotflügel und Bremszangen demontieren. Achtung: Bremszangen nicht an den Leitungen baumeln lassen, sondern mit Draht an der unteren Gabelbrücke fixieren (3). Nachfolgend die Verschraubung der unteren Gabelbrücke lösen und zunächst einen Gabelholm mit vorsichtigen Drehbewegungen nach unten herausziehen. Der andere Holm verbleibt noch am Bike und wird erst demontiert, wenn der andere wieder eingebaut ist. Jetzt den Gabelstopfen vollständig herausschrauben. Achtung: Beim Lösen des Stopfens mit leichtem Gegendruck arbeiten, da dieser meist unter Spannung steht. Beim abgebildeten Cartridge-System muss der Gabelstopfen zusätzlich von der Dämpferstange abgeschraubt werden (4).

Schraubertipp: Gabelfedern wechseln (Archivversion)

Nun die zugänglichen Bauteile wie die – nicht bei allen Motorrädern vorhandene – Distanzhülse, die Feder sowie weitere Teile (Federteller, Scheiben) nacheinander abnehmen (5) und auf einem sauberen Tuch in der Reihenfolge des Ausbaus ablegen (6). Dann das Gabelöl in eine Auffangwanne. Dabei Tauch- und Standrohr (oder die Dämpferstange bei den Cartridgesystemen) so lange gegeneinander verschieben, bis das restliche Öl aus dem Dämpfersystem gepumpt ist. Tipp: Bei Gabeln mit einem Cartridge-Dämpfersystem erleichtert ein eng sitzender, auf das Gewinde der Dämpferstange geschraubter Gewebeschlauch die Arbeit, weil sich auf diese Weise die Dämpferstange ohne Fummelei mit dem Schlauchstück anheben lässt, was besonders bei wieder eingesetzter Feder von Vorteil ist (7). Anschließend die Gabel mit frischem Gabelöl (etwa 0,3 Liter) der vom Zubehöranbieter empfohlenen Viskosität befüllen (8) und mit Pumpbewegungen von Tauch- und Standrohr sowie der Dämpferstange (bei Kartuschendämpfern) entlüften, bis keine gurgelnden Geräusche mehr zu hören sind, die Luft also aus dem Dämpfersystem entwichen ist.

Schraubertipp: Gabelfedern wechseln (Archivversion)

Die exakte Öleinfüllmenge hängt ab vom vorgegebenen Luftpolster. Die Luft wird beim Einfedern komprimiert und unterstützt so mit ihrer progressiven Wirkung die Gabelfedern. Alle Zubehöranbieter ermitteln in Fahrversuchen für jedes Modell das optimale Luftpolster, das in beiden Gabelholmen gleich groß sein muss. Gemessen wird das Luftpolster bei vollständig zusammengeschobenem Gabelholm ohne Feder oder Vorspannhülse (9). Öl auffüllen, bis der Ölstand den angegebenen Wert erreicht hat (bei der VFR beträgt die vorgeschriebene Luftkammer 170 Millimeter). Anschließend wird die Feder eingesetzt (10). Achtung: Bei progressiven Federn sitzen die engen Windungen immer oben. Stimmt die Länge der Zubehörfedern mit den Originalteilen überein, kommen die serienmäßigen Hülsen wieder zum Einsatz. Häufig ersetzen jedoch längere Federn diese Distanzstücke. Nach und nach die Gabel mit den einzelnen Bauteilen in umgekehrter Reihenfolge der Demontage wieder komplettieren (11). Bei den Cartridge-Dämpfern zuletzt noch den Gabelstopfen auf die Kolbenstange schrauben (12). Achtung: Beim Verschrauben des Gabelstopfens mit dem Standrohr sorgfältig arbeiten, da die Feingewinde der Alustopfen bei falschem Ansetzen sehr leicht beschädigt werden. Stopfen handfest anziehen, kompletten Gabelholm in die Brücken einführen und unter Berücksichtigung des anfänglich gemessenen Überstands die Klemmschrauben mit vorgeschriebenem Drehmoment anziehen.

Schraubertipp: Gabelfedern wechseln (Archivversion) - Anbieter

Baehr, Telefon 0700/225522347; Internet: www.baehr.netHyperpro Wilbers Products, Telefon 05921/6057; Internet: www.wilbers.deÖhlins Zupin Moto-Sport, Telefon 08669/8660; Internet: www.zupin.deProgressive Suspension SO Products, Telefon 05924/78360; Internet: www.so-products.comPromoto Wilbers Products, Telefon 05921/6057; Internet: www.wilbers.deRace Tech Zupin Moto-Sport, Telefon 08669/8660; Internet: www.zupin.deWhite Power SO Products, Telefon 05924/78360; Internet: www.so-products.comWilbers Products, Telefon 05921/6057; Internet: www.wilbers.deWirth Federn, Telefon 04189/811020; Internet: www.wirth-federn.de

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