Schubert, Frank: Porträt (Archivversion) MZ ist zurück

Mit dem Slogan »MZ is back!« melden sich die Sachsen seit über zwei Jahren ganz polyglott zurück. Aber wo? Zurück im Geschäft oder zurück hinter den Erwartungen?

Die Standortbestimmung fällt nicht leicht. Es gibt das Werk in Hohndorf bei Zschopau, in Sachsen, im Osten. Und damit kokettiert MZ auch ganz gern: »Die besten Bikes kommen wieder aus dem fernen Osten.« Nun ist mit diesem Werbespruch-Osten ja nicht Hohndorf an sich gemeint. Gemeint ist damit die MZ-Historie und -Tradition, mittlerweile liebgewonnen, weil imagetechnisch verklärt und kultig aufgeladen: Ossi taugt was. Das stimmt, wie die 125er beweisen. Es hilft aber wenig, weil MZ als aktueller Hersteller eben immer noch nicht präsent genug ist, wie die letztjähigen Absatzzahlen zeigen: 15000 Einheiten, 4000 davon 125er und 7000 Elektroroller Charly.Neben positiv ossi ist er auch fern, der MZ-Osten. Seit 1996 nämlich ist MZ eine hundertprozentige Tochter des malaysischen Konzerns Hong Leong. Die versprechen sich von ihren Investitionen zweierlei. Erstens wollen sie mit MZ eine eigene Marke im europäischen, ostasiatischen und amerikanischen Markt etablieren. Zweitens soll MZ Motoren entwickeln, damit Hong Leong mittelfristig unabhängiger von Yamaha wird. Beide Ziele laufen in der auf der Intermot 2000 als Prototyp vorgestellten MZ 1000 S zusammen. Deren Serienstart, bereits für letzten Herbst versprochen, wird nun auf März/April terminiert. Weil die Leistung des Paralleltwins derzeit noch hinter den angestrebten 125 PS zurückbleibt, wird intern jedoch gemunkelt, dieser Termin werde wohl nicht zu halten sein. Ob das auch den Plan gefährdet, erstmals zum Ende des laufenden Geschäftsjahres Break Even zu erreichen, ist unklar. Klar hingegen ist, dass eine mindestens ausgeglichene Bilanz für MZ hauptsächlich über eine breitere Modellpalette und höhere Absatzzahlen anzustreben ist, verdient an den Entwicklungsaufträgen von Hong Leong und anderen doch nicht mehr MZ direkt, sondern MZ Engineering. Dessen Inhaber Petr Karel Korous fungiert gleichzeitig als MZ-Chef und ergo als sein eigener Auftraggeber. Praktisch verzahnt, ergeben sich finanzielle Vorteile, seit MZ Engineering aus der malaysichen Tochterfirma MZ als deutsches, genauer sächsisches Unternehmen ausgelagert worden ist.Weil MZ seine Modelle künftig nur mit eigenen Motoren bestücken will, hängt vieles am Erfolg des neuen Zweizylinders. Der soll neben dem Sportler auch ein Nakedbike und eine oder mehrere Enduros antreiben und sei zudem so konzipiert, dass er mit geringerem Hubraum auch in der Mittelklasse verwendet werden könne. Im Raum steht darüber hinaus die Entwicklung einer Einzylinder-Sportenduro. Um diese wünschenswerten Vorhaben realisieren zu können, müsste neben die derzeit betriebene Ausweitung des gerade in den alten Bundesländern noch lückenhaften Händlernetztes eine weitere Maßnahme treten: Die Aufstockung der Produktionskapazität, finanziell wie personell. Damit MZ auf Dauer zurück kommt, aber nicht zurück bleibt. Es wäre zu schade.

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