Schüler, Florian: Interview (Archivversion)

Sollen Automobilisten 125er fahren dürfen? Unfallforscher Florian Schüler meint: nein. Er fordert eine staatliche Prüfung.

Wo sehen Sie die Probleme des Seiteneinstiegs auf 125er ?Eine 125er ist ein richtiges Motorrad, das in der »Königsklasse« 160 km/h schafft. Das geringe Gewicht läßt zudem eine erhebliche Beschleunigung zu, die für das innerörtliche Unfallgeschehen signifikant ist. Deshalb hilft die Pkw-Erfahrung beim Zweirad nur bedingt. Ohne Prüfungsnachweis sollte keine Fahrerlaubnis erteilt werden.Wieviel sicherer machen einige Jahre Autopraxis diesen Umstieg?Generell haben Autofahrer in der Praxis den Verkehr kennengelernt, nicht aber die spezifischen Eigenarten eines Motorrads. Einen Fähigkeitsnachweis durch Fahrschulen ohne offizielle Prüfung halte ich für bedenklich. Ein Fahrlehrer kann in große Bedrängnis kommen, wenn er seinem Schüler nach nur einigen Fahrstunden das Können bescheinigt.In Italien darf jeder Besitzer eines Autoführerscheins eine 125er bewegen, solange er allein fährt. Ein Soziusverbot finde ich sehr klug. Das begründen unsere Forschungen, in deren Verlauf wir mehr als 1000 Motorradunfälle analysiert werden. Nach einiger Fahrerfahrung sollte der Soziusbetrieb allerdings erlaubt werden.Angenommen, die deutsche Regelung stünde zur Diskussion, wie sähen Ihre Vorschläge aus?Ich würde den Prüfling, sofern er den Autoführerschein besitzt, sein Können in einer Fahrprüfung nachweisen lassen. Die Geschwindigkeit würde ich freigeben, die Leistungsbeschränkung auf zirka 15 kW anheben. Generell möchte ich die Fähigkeit des Fahrers sehen, keine technischen Leistungslimits. Als abschreckendes Beispiel sei die 80-km/h-Beschränkung für die 16jährigen genannt. Die 125er sollten auf der Autobahn zumindest so schnell sein, daß sie sich nicht von Lkw überholen lassen müssen.

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