Schutzblech-Reform (Archivversion) Endlich legal

Jetzt ist es amtlich: Hinterradabdeckungen und -schutzbleche können auf ein bislang undenkbares Maß zurückgestutzt werden - ganz legal.

Achtung, Achtung! Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um einen April-Scherz, sondern um die nackte, erfreuliche Wahrheit.Darauf haben viele Biker jahrelang vergebens gewartet: Ab sofort lassen sich gekürzte Radabdeckungen legalisieren. Bei der letzten Sitzung des Fachausschusses Kraftfahrzeugtechnik, Sonderausschuß Zweirad, kurz: FKT-SA Zweirad, einigten sich Anfang März Vertreter des Verkehrsministeriums, des Kraftfahrtbundesamtes (KBA), des TÜV, des IVM und der Dekra. Bis zum Inkrafttreten der EG-Betriebserlaubnis, die ab dem 17.6.1999 für alle neu auf den Markt kommenden Fahrzeuge Pflicht wird, gilt eine Übergangsregelung. Alle Motorräder, auch älteren Baujahrs, können davon profitieren.Paragraph 36a der StVZO macht’s möglich. Der verlangt eine »hinreichende Radabdeckung«. Wie diese Abdeckung auszusehen hat, liegt im Ermessen des zuständigen Prüfers. Die ab sofort eintragungsfähige Spritzschutzhöhe liegt deutlich über den bislang geltenden 150 Millimetern oberhalb Achsniveau. Weiterhin gilt: Die untere Kante des gekürzten Spritzschutzes darf nicht scharfkantig sein, und ein Rückstrahler muß vorhanden sein. Dieser soll aus einer Höhe von 250 bis 900 Millimeter über der Fahrbahn funkeln.Prinzipiell kann die Eintragung des gekappten Spritzschutzes bei jeder TÜV- oder Dekra- Niederlassung erfolgen, wobei es noch einige Zeit dauern kann, bis sich die Neuigkeiten bei allen Sachverständigen herumgesprochen haben. Wer es besonders eilig hat, schickt ein Fax an den TÜV Rheinland, Fax-Nummer 0221/8301101, mit folgenden Informationen:1. Name und Anschrift des Kunden2. Fahrzeughersteller und - typ3. Fahrgestellnummer4. Höhe der gewünschten Radabdeckungsunterkante über der Fahrbahn5. montierte Reifengröße hintenDie gutachterliche Stellungnahme flattert dann per Nachnahme ins Haus und muß - wie eine ABE - mitgeführt werden. Kostenpunkt 50 Mark plus Zustellgebühr - im Vergleich zu einem drohenden Bußgeld für nicht genehmigtes Höherlegen immer noch günstig. Eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere ist nicht erforderlich, aber möglich.Wer jetzt meint, bei der Angabe der Spritzschutzhöhe übertreiben zu können, hat Pech. Übersteigt die angegebene Höhe den vom TÜV Rheinland in einer Datenbank für alle Fahrzeug- und Reifentypen gespeicherten Wert übermäßig, wird die Bescheinigung zunächst verweigert, und erst durch Vorführen beim örtlichen TÜV kann die Legalität des Umbaus bestätigt werden - wenn das Rad hinreichend abgedeckt ist.Was passiert nun, wenn die erforderlichen Dokumente bei einer Überprüfung fehlen? Das KBA teilt in einer schriftlichen Stellungnahme zum Problem der Radabdeckungen mit, daß in ihren Augen nachträgliches Verkürzen kein Erlöschen der Betriebserlaubnis darstellen kann. Damit dürfte im Höchstfall ein Bußgeld fällig werden.

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