Service (Archivversion)

Einträgliches Geschäft

Spiegelblanke Oberflächen an tragenden Bauteilen bedeuten nicht nur viel Arbeit für den Polierer, sondern auch ein einträgliches Geschäft für Sachverständige und die Polizei.

Wen hat es nicht auch schon gereizt, den Rahmen, die Schwinge oder andere Bauteile seiner Maschine auf Hochglanz zu polieren. Aber leider erfreuen diese glänzenden Oberflächen nicht nur viele Motorradfahrer, sondern reizen mitunter auch das Auge des Gesetzes (siehe MOTORRAD 25/1998, Seite 132). Bauliche Veränderungen an Kraftfahrzeugen - darunter fällt auch das Bearbeiten tragender Bauteile - müssen eingetragen werden. Sicherheitsbewußtsein oder kleinkariertes Denken? In der Regel schwächt professionelles Polieren die Bauteile nicht, es kann sogar der Festigkeit dienen. Allerdings können Laien durch falsche Bearbeitung auch das Gegenteil bewirken und die betreffenden Bauteile schwächen. Noch schlimmer, wenn gar tiefe Unfallspuren durch entsprechendes Schleifen und Polieren beseitigt werden.Fehlt der Eintrag in die Papiere, kann die Polizei die Fahrzeuge stillegen - theoretisch. Ausgenommen von der Eintragungspflicht sind in jedem Fall Bauteile wie Motordeckel, die keine tragende Funktion erfüllen.Auf Hilfe von TÜV oder Dekra hoffen viele vergeblich, da sich dort bislang niemand so richtig mit diesem Tatbestand auseinandergesetzt hat.Da die Fahrzeughersteller jegliche Bearbeitung von Fahrgestellen und anderen Bauteilen ablehnen und es keine Grundlagen auf Gutachtenbasis gibt, liegt es im Ermessen des Sachverständigen, polierte Bauteile in die Fahrzeugpapiere einzutragen oder auch nicht. Zu wünschen ist, daß sowohl Polizei als auch Prüfer die Sache wie in der Vergangenheit weiterhin eher locker sehen.Um Problemen bei der Eintragung und Ärger mit den Gesetzeshütern aus dem Weg zu gehen, sollten Polierwillige deshalb die Art und den Umfang der gewünschten Polierarbeiten vorher mit einem Sachverständigen abklären. Dann klappt’s auch mit den Ordnungshütern.
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Pro und Contra Polieren (Archivversion) - Mehr Schein als Sein

Was der Motorradfahrer glänzend findet, beurteilt die Polizei oft als trügerischen Schein.
Hochglanzpolitur an Alurahmen und Rädern ist ein häufig gewünschtes Oberflächenfinish. Doch neuerdings können derlei veredelte Teile schon mal das Auge des Gesetzes stören. Und das, obwohl Polieren nicht nur optische Vorteile zu bieten hat. Die nutzen selbst renommierte Tuner, um hochbeanspruchte Bauteile wie Pleuel zu optimieren. Fachgerechtes Polieren reduziert die sogenannte Kerbwirkung. So haben unbearbeitete Bauteile an der Oberfläche Riefen im Mikrometerbereich. Die reichen unter extremen Spannungen für Brüche aus. Durch Polieren läßt sich die Kerbwirkung eliminieren und die Festigkeit steigern. Doch Vorsicht ist geboten. Hobbypolierer entfernen in vollkommener Blendung schon mal Raupen von Schweißnähten oder schwächen die Wandstärken an entscheidenden Partien. Derart wird das glänzende Oberflächenfinish schnell zum Risiko. Genau dem will der Gesetzgeber einen Riegel vorschieben, indem er und die professionelle Bearbeitung von Fachleuten überprüft und in den Papieren dokumentiert sehen möchte.

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