Sieg Nummer sechs (Archivversion) Sieg Nummer sechs

Valentino Rossi (Foto) steuert auf WM-Kurs – und die Gegner
straucheln bei dem Versuch, ihm zu folgen.

Die letzten Hoffnungen der Honda-Piloten, den davonbrausenden Valentino Rossi in der Weltmeisterschaft noch mal einholen zu können, sind geplatzt wie eine Seifenblase. Beim Portugal-Grand-Prix feierte der Superstar den sechsten Sieg der Saison, der einem Sechser im Lotto gleichkam. Denn einerseits war
Rossi so überlegen wie noch nie seit
seinem Wechsel zu Yamaha – er gewann mit fünf Sekunden Vorsprung und hätte bei Bedarf noch mehr aufdrehen können. Und andererseits radierten sich seine beiden Paradegegner einmal mehr selber aus.
Schon in der ersten Runde übertrieb es Max Biaggi. Beim Anbremsen der berühmten, engen Bergauf-Schikane der Estoril-Rennstrecke ging er derart in die Bremsen, dass seine Camel-Honda einen Handstand vollführte, bevor Biaggi in Loris Capirossi krachte und zu Boden ging. »Loris wollte bei diesem Rennen zu viel beweisen.
Er kam in der Kurve von der Ideallinie
ab und hat mir den Weg versperrt«, beschwerte sich der Römer. Sein Gegner, der bei dem Zwischenfall zwar das Gleichgewicht bewahrte, aber von der Strecke abkam, sah die Sache anders. »Bedauerlich. Biaggi hätte eine bessere Gelegenheit abwarten können, mich zu überholen«, meinte der Ducati-Star, nachdem er noch den siebten Platz gerettet hatte.
Sete Gibernau war schon im Training zu Boden gegangen und verzichtete im Rennen auf Gewaltaktionen, musste sich nach seinem strahlenden Sieg in Brünn zwei Wochen zuvor dafür aber mit dem vierten Platz begnügen. »Dieses Ergebnis war die Quittung für unsere Schwierigkeiten im Training. Wir haben das ganze Wochenende keine vernünftige Abstimmung gefunden und vor dem Rennen sogar nochmals die Maschinen getauscht«, kratzte er sich am Kopf.
Alex Barros zu kritisieren, verkniff
er sich. Während der überlegene Rossi und der nur unmerklich langsamere Makoto Tamada auf der zweiten, mit Bridgestone bereiften Camel-Honda unbehelligt vorausstürmten, lieferte der Brasilianer seinem Markengefährten einen beinharten Kampf um Rang drei, den er am Schluss knapp für sich
entschied. Barros: »Auch ich brauche Ergebnisse. Wenn Sete die Weltmeisterschaft gewinnen will, muss er das aus eigener Kraft hinkriegen.«
Angesichts eines Rückstands von mittlerweile 29 Punkten dürfte Gibernau das schwer fallen. Zumal Yamaha nach Monaten erfolgreicher Kleinarbeit nun eine echte, womöglich entscheidende Entwicklungsstufe an der Vierzylinder-M1 zündet. Am Montag nach dem
Estoril-Grand-Prix testete Rossi einen modifizierten Motor, bei dem das Auspuffsystem statt wie bei der bisherigen
klassischen Vier-in-eins-Anlage nun von den vier Krümmern zunächst in zwei Rohre geführt, dann aber wieder in vier ultrakurze, bündig mit der Verkleidung abschließende Endrohre aufgespreizt wird. »Beim nächsten Rennen in Motegi werden uns die Gegner die Hölle heiß machen – letztes Jahr kamen fünf
Honda im Formationsflug auf den ersten Plätzen ins Ziel«, gab Rossi trotz des Estoril-Triumphs die nächste Gewinnwarnung aus. fk

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