Skurriles aus dem Patentamt (Archivversion) Daniels Düsentrieb

Dem Ingeniör ist nichts zu schwör, und das Deutsche Patentamt in München birgt Erfindungen jeglicher Art. MOTORRAD fischte die skurrilsten Ideen aus den Regalen.

Das Deutsche Patentamt ist ein ehrwürdiges Haus. Wichtige Patentanwälte sitzen hinter hohen Bergen von Papier und recherchieren für ihre Klienten, ob deren Erfindung nun neu ist oder eben doch nicht. Als Fremder sich hier zurechtzufinden ist nicht ganz einfach. Buchstaben-Zahlen-Kombinationen weisen den Weg durch lange Regale mit Patenten und Offenlegungsschriften und führen irgendwann auch zu den Erfindungen im Bereich Motorrad und Motorradschutzkleidung. Bekanntes wie die BMW-Telelever-Vorderradführung steht neben Skurrilem wie der automatischen Nachlaufregulierung, der Schuberthsche Klapphelm neben einem per Motor und Hydraulik betriebenen Visieröffnungs- und Schließmechanismus.Da hat Honda Soziusgriffe am Tank zum Patent angemeldet oder ein privater Erfinder seinen per Auspuffwärme beheizbaren Fahranzug. Und es fehlt weder das Motorrad, bei dem nur der Vorderbau Schräglage annimmt, noch die digitale Geschwindigkeitsanzeige im Visier, ähnlich wie bei den Kampffliegern. Sinnvolles neben Unsinnigem, Praktisches neben Absurdem. Der menschlichen Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, physikalische Gesetzmäßigkeiten interessieren dabei nur am Rande. Vielleicht kommt morgen schon ein neuer Einstein, wirft alle bekannten Denkmuster über den Haufen, und dann funktioniert das Motorrad, das sich nicht nur zum Sportboot, sondern auch zum Drachenflieger umwandeln läßt, ja doch. Genie oder Wahnsinn, der Grad ist schmal. Selbst wenn sich ab und an unter bekannten Namen wie Honda, BMW oder Hein Gericke ein Patent entdecken läßt, das sicherlich nie Serienreife erlangen wird, so zeigt die Vorgehensweise der großen Hersteller ein hohes Maß an Professionalität. Und auch an Vorsicht? Da liegen nicht nur die technischen Innovationen detailgetreu in Schriftform aus, die uns von dem im Handel befindlichen Produkten bekannt sind. Jede kleine Abweichung, jede minimale Variante davon wird ebenfalls zum Patent angemeldet. Könnte doch ein Mitbewerber kommen, die erfolgreiche Idee abwandeln und mit einem ähnlichen Produkt auf den Markt stoßen. Dann schlägt sie, die Stunde der Patentanwälte und ihrer aufwendigen Recherchen.

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