So arbeitet das Alpha-Technik-Yamaha-Team (Archivversion) Ready for take off

Mit einer konzentrierten Mannschaftsleistung flogen Alpha-Technik-Yamaha und Jörg Teuchert zum Supersport-WM-Titel.

»Die Mannschaft ist der Star« - dieser Kultspruch wurde in letzter Zeit oft ad absurdum geführt, denkt man an die unrühmlichen Auftritte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der letzten EM oder die derzeitigen Querelen beim VfB Stuttgart.Ausgerechnet im Motorradrennsport, einer Disziplin voll extremer Einzelgänger, verhalf aber richtig verstandener und umgesetzter Teamgeist dem Franken Jörg Teuchert und seiner Alpha-Technik-Yamaha-Crew zum Supersport-WM-Titel. Und das bereits im zweiten Jahr des ehrgeizigen Projekts.Teamchef Udo Mark ist es daher auch ein besonderes Anliegen, die Bedeutung aller seiner Teammmitglieder herauszustreichen. »Natürlich stehen unsere Fahrer Jörg Teuchert und Christian Kellner im Vordergrund«, so der zweifache deutsche Superbike-Meister, »und unser Motorentechniker Marcus Eschenbacher hat mit seinen pfeilschnellen Triebwerken in der Szene ebenfalls gewisse Berühmtheit erreicht. Aber mindestens genauso wichtig, wenn auch etwas mehr im Hintergrund, ist unsere Arbeit am Fahrwerk und der Peripherie der Maschinen.«So wird in der bei Yamaha Deutschland im ostwestfälischen Löhne stationierten Rennwerkstatt jede der insgesamt fünf für den Renneinsatz vorgesehenen Yamaha YZF-R6 zunächst komplett zerlegt und von Grund auf als Rennmotorrad neu aufgebaut. »Und da fließen«, so Mark, »jede Menge Erfahrungen und auch neue Ideen unserer Crew mit ein.« Wie zum Beispiel ein riesiger, aus fünf Einzelkomponenten bestehender Wasserkühler, die inzwischen in der Szene ebenfalls schon berühmte Daumen-Hinterradbremse, vor allem für Teucherts spektakuläre Fahrweise unerlässlich. Aber auch auf den ersten Blick unscheinbare Teile wie zum Beispiel die völlig neue Gestaltung des Cockpits und der Verkleidungshalter haben ihren tieferen Sinn. »Ganz entscheidend neben perfekter Funktion und Zuverlässigkeit sind die Montage- und Reparaturfreundlichkeit«, erklärt Mark, »denn an der Rennstrecke ist unsere Box zwar perfekt eingerichtet. Aber da hat man ja nie genügend Zeit.« Zuständig für die siegfähige Vorbereitung der rot-weiß-gelben Renner waren im Meisterjahr die beiden Ex-Rennfahrer René Schmidt und Bernd van Oyen, ebenso wie Frank Hörholz und Jörg Teucherts Spezialmechaniker Bernhard Wurm.Durch die Anbindung an Yamaha Deutschland kann die meisterliche Crew in Löhne auf eine Werkstatteinrichtung mit allen erdenklichen Metallbearbeitungsmaschinen zurückgreifen. Dazu kommt ein auch äußerlich sehr auffälliges Laser gesteuertes Fahrwerkvermessungsgerät, das Udo Mark nicht ohne Stolz präsentiert: »Das nehmen wir auch zu den Rennen mit. Wenn die Jungs damit arbeiten müssen, nach Stürzen hauptsächlich, kann es schon passieren, dass die ganze Boxengasse mit großen Augen zusammen läuft.« Nach dem Super-Gau von Oschersleben, als Kellner und Teuchert zusammenknallten und die WM eigentlich schon im Dreck lag, musste das Präzisionsgerät auch mal zu Hause in Löhne Sonderschichten einlegen.Für die fünf beim ruhmvollen Finale in Brands Hatch wieder auf das präziseste eingestellten Fahrwerke hält Motorenmann Eschenbacher insgesamt 14 Motoren bereit. Und hat damit auf und neben seinen zwei Motorenprüfständen nur eins nicht – zu wenig Arbeit. Allein die Bearbeitung eines Zylinderkopfs, beim strikten Supersport-Reglement das entscheidende Leistungsteil, beschäftigt ihn in der Vorbereitungszeit im Winter eine Woche. »Aber«, so wehrt er grinsend ungläubig rechnende Skeptiker ab, »manchmal hat eine Woche ja mehr als sieben Tage.«Die Motoren, die nach Angaben des Teams gut 22 PS stärker sind als die Serien-R6-Aggregate – hochgerechnet nach MOTORRAD-Messungen also 130 PS bei 15500/min – werden nach 500 Kilometern komplett revidiert und gehören nach vier- bis fünfmal Überarbeiten zum Alteisen. »Weniger wegen der Leistung«, erklärt Eschenbacher, »ein Motor verliert zwischen zwei Revisionen kaum drei PS. Aber in Sachen Haltbarkeit wird es dann einfach zu riskant.« Die Frischzellenkur eines Rennmotors beschäftigt den PS-Zauberer übrigens nur eineinhalb Tage.Und was kostet jetzt so ein Supersport-WM-Titel außer perfekter Logistik, jeder Menge echten Teamgeists und zwei herausragenden Fahrern? An diesem Punkt werden Teammanager immer wortkarg, auch Udo Mark, der uns technisch und philosophisch fast alle seine Erfolgsgeheimnisse preisgegeben hat. Doch trotz der plötzlich sehr undeutlichen Ausdrucksweise des Schwarzwälders liegen wir sicher nicht ganz falsch mit folgendem Zahlenspiel: Supersport-Weltmeister werden kann man mit einer knappen Million Mark. Weltmeister zu bleiben ist etwa um die Hälfte teurer. Denn das Einzige, was der Chef diesbezüglich verrät: »Unsere beiden Fahrer haben sich mit den Leistungen im Jahr 2000 natürlich in eine neue Gehaltsklasse gefahren.« Und der Rest der Star-Mannschaft ja wahrscheinlich auch.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote