Speedway GP Deutschland: Bericht (Archivversion) Burgfrieden im Reifenkrieg bricht

Der Burgfrieden im Reifenkrieg, den der inzwischen vom Weltverband FIM gefeuerte Präsident der Bahnsportkommission, Günter Sorber, mit der GP-Fahrergewerkschaft (IGPSRA) zu Beginn der Saison ausgehandelt hatte, hielt beim Deutschland-GP in Pocking vermutlich ein letztes Mal. Der deutsche Sorber vereinbarte mit den Fahrern, die ersten drei Grand Prix bei freier Reifenwahl - sprich auf geschnittenen Dunlops, die alle Fahrer verwenden - durchzuführen. Pocking war der dritte GP der Saison, und die FIM hat bereits bekanntgegeben, daß beim nächsten Grand Prix in Schweden endgültig die Barum-Blockreifen gefahren werden müssen. Genauso endgültig verkündete Hans Nielsen nach seinem Sieg in Pocking: »Wir fahren diese Reifen auf keinen Fall. Es wäre schade, sollte der dritte schon der letzte GP in diesem Jahr gewesen sein. Aber wenn die FIM nicht einlenkt, ist es eben so. Wir Fahrer sind uns einig.«Die Fahrer wollen auf keinen Fall das Verletzungsrisiko eingehen, das der ungeliebte Tschechen-Pneu birgt. Auf glatten Stellen findet er keinen Halt, hakt aber um so stärker in Rillen und tiefen und griffigen Stellen ein, was zu bösen Stürzen führen kann. Die FIM hält dagegen, daß die Rennen mit den ungeschnittenen Barum-Reifen spannender würden, weil sie weniger Kraft auf die Bahn übertragen können und die Motorleistung deshalb nicht mehr so entscheidend sei. Unterstützt wird die FIM in ihrer Haltung vom Promoter und GP-Zampano Ole Olsen, der im Speedway-Sport inzwischen ähnlich die Fäden zieht wie Kollege Ecclestone in der Formel 1. Dabei sollte es der Däne besser wissen, immerhin war er selbst dreimal Weltmeister. Insider vermuten aber, er möchte sich mit seiner Haltung bei FIM-Präsident Francesco Zerbi beliebt machen und sich für Sorbers freigewordenen Sessel empfehlen.Nielsen zeigte sich bei der Pressekonferenz nach dem Rennen gesprächsbereit: »Wir können über viele Dinge reden, die tatsächlich die Motorleistung drosseln und so die Chance auf spannendere Rennen bieten, zum Beispiel über homologierte Nockenwellen. Es müssen aber Dinge sein, die uns nicht gefährden.« Doch die FIM bleibt auf ihrem eingeschlagenen harten Kurs: Beim Overseas-Finale im englischen Coventry, bei dem sich Fahrer für weitere Ausscheidungsläufe und letztlich für die GP-Rennen 1996 qualifizieren konnten, wurden 13 Fahrer aus der Wertung genommen. Nur die drei, die auf Barum-Reifen antraten, kamen eine Runde weiter.Inzwischen schließen einige Fahrer nicht mehr aus, daß es im nächsten Jahr eine neue Speedway-WM geben wird, ganz ohne FIM.

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