Speedway-GP Deutschland (Archivversion) Polnische Ente

Über 3000 polnische Fans wollten Tomasz Gollob zum Sieg jubeln. Doch ihr Nationalheld wurde Letzter.

Dunkle Wolken entleerten sich über dem Landshuter Drift-Oval, als die polnischen Fanbusse den Austragungsort des dritten von insgesamt sechs Speedway-Grand Prix erreichten. Doch das konnte die Stimmung der Polen nicht trüben. Denn nachdem Tomasz Gollob zuletzt den Grand Prix in Schweden souverän gewonnen hatte, waren sie sicher, daß ihr Nationalheld in wenigen Stunden die Führung in der WM-Tabelle an sich reißt.Zwanzig Minuten vor dem geplanten Rennbeginn hatte die Bahn wegen des Dauerregens endgültig die Konsistenz eines Wackelpuddings erreicht, und die Offiziellen beugten sich dem Druck der Fahrer: Die Veranstaltung wurde komplett auf Sonntag verschoben. So wateten die polnischen Fans durchnäßt, aber bester Dinge in ihre Busse zurück und verbrachten die Nacht hinter beschlagenen Scheiben feucht fröhlich.Gar nicht fröhlich war schon zwei Tage zuvor der deutsche Wild Card-Pilot Gerd Riss: Er war an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt und deshalb gezwungen, seine Wild Card an den Memminger Robert Barth abzugeben.Der und seine Kollegen fanden am Sonntag optimale Bahnverhältnisse vor sowie rund 3000 Polen unter den 6000 Fans, die das Stadion schon bei der Fahrervorstellung in ein Tollhaus verwandelten. Aber schon im ersten Lauf zog ihr held Gollob gegen Multiweltmeister Hans Nielsen den kürzeren. Egal, noch war Polen nicht verloren, und im alles entscheidenden A-Finale würde er den Spieß schon umdrehen. Und außerdem konnte ein anderer Landsmann, Piotr Protasiewicz - der sich der Einfachheit halber Pepe nennt -, in seinem Auftaktmatch Weltmeister Billy Hamill bezwingen. Im Stadion herrschte rot-weißer Ausnahmezustand.Fünf Minuten später traff jener Pepe auf Gollob und siegte erneut souverän, während Polens Superstar völlig entnervt als Letzter ins Ziel trudelte. Die Herzen der polnischen Fans waren hin und hergerissen. Ein Wechselbad der Gefühle, in das der dritte polnische Starter, Slawomir Drabik, mit einem Sieg in Lauf acht noch eine Ladung heißes Wasser goß.Im dritten Durchgang traf Gollob auf Robert Barth, der Deutsche gewann, und Gollob konnte wieder nicht punkten. Dann ist es wohl diesmal Pepe, der für Polen die Kastanien aus dem Feuer reißt? Doch Drabik besiegte kurz darauf Pepe. Es war nicht zu fassen.In seinen letzten beiden Auftritten vor den Finalläufen erholte sich Gollob, übernahm in seinem letzten Vorlauf sogar die Führung: Rot-weißes Fahnenmeer bis in Runde zwei, dann rollte das polnische Nationalheiligtum mit Motorschaden aus. Drabik holte nur noch einen Punkt, Pepe gar keinen mehr. Polen war verloren.So erreichte Gollob nur das D-Finale, in dem die Plätze 13 bis 16 verteilt werden - und wurde Letzter. Im C-Finale (Platz neun bis zwölf) wurde Drabik Letzter, einen Platz vor ihm landete Robert Barth mit einer soliden Vorstellung auf dem elften Rang. Daß Pepe im B-Finale (Platz fünf bis acht) auch noch als Letzter über den Zielstrich kam, kratzte die polnischen Fans längst nicht mehr.Aber nicht etwa, weil sie schon zu ihren Bussen unterwegs gewesen wären. Nein, mit Feuerwerkskörpern und Konfetti feierten sie inzwischen die vier Gladiatoren, die sich für das A-Finale qualifiziert hatten: Hans Nielsen und Brian Andersen aus Dänemark, sowie Greg Hancock und Titelverteidiger Billy Hamill aus den USA. Wie in all seinen Vorläufen war Nielsen auch im Finale ein Klasse für sich und siegte ungefährdet vor seinem Landsmann Andersen. Als dritter kletterte Hancock aufs Podest. Und die drei erstickten fast im rot-weißen Fahnenmeer.

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