Sport IDM (Archivversion) Daheim ists doch am schönsten

Die Rennen zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft auf demSalzburgring werten etliche Fahrer und Teams als Heimspiel. Viele von ihnen durften feiern: BMW, KTM und Andy Meklau zum Beispiel.

Bayerischer Grand Prix – den Beinamen tragen die Motorradrennen auf dem Salzburgring schon seit den Zeiten, als unter dem Hausberg Nockstein noch um Weltmeisterschaftspunkte gekämpft wurde. Letztmals 1994, drei Jahre zuvor hatte Helmut Bradl dort als letzter Bayer ein wichtiges Rennen gewonnen, den 250er-WM-Lauf. Er feierte – natürlich – einen Heimsieg. Jetzt, 18 Jahre später, jubelten erneut die Bayern in Salzburg.

Unter etwas anderen Voraussetzungen freilich. Die Konkurrenz hieß IDM, die Klasse Superbike, der Fahrer Werner Damen – für den Belgier ist Bayerisch eine Fremdsprache. Aber sein Motorrad war eine BMW, und das hat historische Dimensionen. Daemen prügelte den nagelneuen Supersportler S 1000 RR zum ersten Rennsieg und wiederholte seinen Erfolg im zweiten Lauf.
„Die BMW geht wie Schwein“, musste KTM-Pilot Stefan Nebel anerkennen, was sich vor allem auf der langen ansteigenden Gegengeraden zeigte. Daemen war clever genug, sich diesen Vorteil gleich im ersten Qualifikationstraining zunutze zu machen und Startplatz eins zu sichern. In den beiden Rennen jedoch spielte der kleine Mann die Bayern-Power erst ganz zum Schluss aus. In der 13. von 18 Runden des ersten Laufs führte er nur mit knappen 0,1 Sekunden Vorsprung vor Arne Tode und 0,3 Sekunden vor Andreas Meklau, zauberte dann aber bis zur vorletzten Runde die drei Sekunden Sicherheistabstand herbei, die er brauchte, um im Finale nicht noch Opfer der Salzburger Windschattenfalle zu werden. Kaum anders verlief Rennen zwei. In Runde 14 führte Damen 0,2 Sekunden vor Meklau, drei Zieldurchfahrten später lagen bereits 1,7 Sekunden zwischen den beiden Kontrahenten, die erneut als Erster und Zweiter abgewinkt wurden.
„Das war das richtige Signal an alle, die dem IDM-Start schon dieses Jahr skeptisch gegenüber standen“, freute sich Josef Hofmann, einer der Alpha-Technik-Teamchefs, die im Auftrag des BMW-Deutschland-Ver-triebs die IDM-Aktivitäten mit der S 1000 RR verantworten. Und bei der Gelegenheit live und in Farbe interessierten BMW-Händlern erklären, wie sie reagieren sollen, wenn künftig Supersport-Klientel in weißblauen Showrooms Neuland betritt.
Was in so einem Fall zu tun ist, wissen KTM-Verkäufer längst – obwohl dort die Sportler der Stollenfraktion noch stark in der Überzahl sind. Aber das ändert sich ja vielleicht nach Stefan Nebels Heldentat in Salzburg, wo sich der österreichische Hersteller natürlich zu Hause fühlt. Als Vierter in die letzte Runde gegangen, holte er sich mit einem Last-Minute-Manöver zur Freude der vollbesetzten, in Orange getauchten KTM-Tribüne den letzten Podestplatz.
Auch für den Österreicher Andy Meklau ging es in Salzburg um die Ehre – besonders, weil er kurz vor Saisonbeginn wegen Vertragsstreitigkeiten noch von Suzuki auf Yamaha ungestiegen war und mit dem neuen Motorrad in der IDM keinen Fuß auf den Boden brachte. Er schnappte sich beim Heimspiel zweimal Rang zwei – auf einer Suzuki GSX-R 1000 Jahrgang 2007, die er noch im Keller hatte. Meklau: „Ich bin eben bis unter die Haarspitzen motiviert.“

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel