Sport News and Facts Sport News and Facts aus PS 03/2010

Die Neue von Stoner und Hayden
Ducati stellte im italienischen Ski-Ort Madonna di Campiglio seinen roten Renner für 2010 vor. Aufgrund der neuen Regeln (sechs Motoren pro Fahrer pro Saison) wurde der Desmosedici komplett auf Haltbarkeit überarbeitet und soll jetzt als Big Bang auch Nicky Hayden passen.

Großoffensive aus Koblenz

Das ehemalige G-Lab Racing-Team, das 2010 sowohl als Sport Evolution (IDM)als auch als Moto Team Germany in der Moto2 antreten wird, hat dieses Jahr große Pläne. In der IDM wird Marc Moser (Bild) weiter aufgebaut und eventuell in der Supersport-WM Wildcard-Einsätze fahren. In der Superbike treten die Koblenzer auf BMW an. Toni Wirsing muss aber passen, er kann die nötigen finanziellen Mittel nicht stemmen. Filip Altendorf bleibt dagegen. Arne Tode fährt in der Moto2 jetzt definitiv das Suter-Chassis.

Weltmeister in der IDM

Das Team von Holzhauer Racing hat für 2010 einen besonderen Fahrer in die IDM geholt. Mit der von Tuner Jens Holzhauer aufgebauten Honda Fireblade wird kein geringerer als der Supersport-Weltmeister von 2004, der Australier Karl Muggeridge, an den Start in der IDM-Superbike gehen. Bis vergangene Saison war Muggeridge in der Superbike-WM unterwegs. Damit treffen mit "Mugga" und Jörg Teuchert zwei ehemalige SSP-Weltmeister in der IDM direkt aufeinander.

Jetzt kommt das "Kentucky Baby"
Nach dem "Kentucky Kid" Nicky betritt mit seinem jüngeren Bruder Roger Lee der zweite Spross der Hayden-Familie die internationale Rennszene. Der 26-Jährige wird für das Pedercini-Kawasaki-Team auf einer ZX-10R in der Superbike-WM antreten. Bisher startete Roger Lee in der AMA, war dort bei den Superbikes 2005 Rookie of the Year und gewann 13 Rennen in der SSP-Klasse. "Es war immer mein Ziel, einmal eine WM zu fahren. Jetzt habe ich die Chance", zeigte sich Hayden happy.


Kurz-News


Ausgezeichnet
Der amtierende IDM-Supersport-Meister, Sascha Hommel, ist der Motorsportler des Jahres im Bereich Motorrad. Den Titel bekam der Reichenbacher, der 2010 für Yamaha Deutschland in der Superbike-IDM antreten wird, vom ADAC auf dessen Sportler-Gala in Zwickau verliehen.

Triple in der WM
Wer das nötige Kleingeld und Lust auf den Kitzel internationaler Rennen hat, der kann sich für 27000 Euro in einen besonderen Triumph-Cup einkaufen. Die Parkingo European Series hat UEM-Prädikat, ist somit eine Europameisterschaft und findet im Rahmen der Superbike-WM statt. Die Teilnehmer brauchen noch nicht einmal das Motorrad mitzubringen. Die Street Triples stehen gewartet und betankt für jeden Fahrer bereit. Auf den Sieger wartet ein Wildcard-Einsatz beim WM-Finale auf einer Supersport Daytona 675. www.parkingoseries.com

Lammert auf BMW

Dominic Lammert wird 2010 auf einer BMW S 1000 RR im European Superstock-Weltcup antreten. Für den 22-Jährigen ist das die große Chance, bald vielleicht in der Superbike-WM anzutreten, denn die Superstock findet nicht nur im Rahmen der WM statt, sondern gilt auch als Sprungbrett für Nachwuchsfahrer in diese WM. 2007 gewann Lammert den European-Suzuki-Cup und startete neben der Superstock auch in der IDM.
Foto: Köhler

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PS-Mitarbeiter Alan Cathcart sprach mit Superbike-WM-Boss Paolo Flammini über den heraufziehenden Streit mit dem MotoGP, Verträge mit dem Weltverband FIM und das mögliche Aus für eine der beiden Weltmeister-Serien. ? Herr Flammini, wie reagieren Sie auf die FIM-Ankündigung, 2012 mit 1000-cm3-Motoren im MotoGP zu starten - ohne Prototypen fest-zuschreiben?
! Die drei Punkte, die die FIM bisher bezüglich der MotoGP-Regeln 2012 veröffentlicht hat (Kubikzahl, Zylinderzahl und maximale Bohrung - die Red.), stellen für uns kein Problem dar. Die können mit den Regeln anstellen, was sie wollen, so lange in dieser Klasse nur Prototypen am Start stehen, so lange sowohl das Motorrad als auch der Motor Prototypen sind.
? Das ist aber der entscheidende Punkt: Als bei den 990er-MotoGPs das WCM-Team 2003 mit einem modifizierten R1-Motor im Prototypen-Chassis antrat, wurde es disqualifiziert. Das soll 2012 aber wohl anders sein?
! Unsere Antwort darauf ist eindeutig: Die damalige Entscheidung der FIM, WCM zu disqualifizieren, war genau richtig. Wir verlassen uns darauf, dass genau diese Interpretation der Regeln so weiter läuft - dann haben wir kein Problem.
? Es ist aber bemerkenswert, dass die neuen Regeln die Zylinderzahl auf vier festlegen und das Bohrungslimit bei 81 Millimeter liegen soll. Die BMW mit der größten Bohrung in der WSBK hat 80 mm. Das klingt doch wie: Bringt uns eure Superbikes?
! Wenn ein Motor für die Superbike-WM homologiert ist, kann er unter Beachtung der Verträge, die wir mit der FIM haben, im MotoGP nicht eingesetzt werden. Wie dem auch sei, glaube ich sowieso, dass es schädlich ist für den MotoGP und dessen Image, wenn so ein Hybrid-Motorrad in einer Klasse antreten würde, die eigentlich die absolute Spitze des Ingenieurskönnens darstellen soll. Wir wissen doch ganz genau, dass Honda, Yamaha und Ducati weiterhin absolute Prototypen für den MotoGP bauen und die Top-Hersteller immer mit Hightech-Maschinen Rennsport betreiben werden. Mit einem Low-Budget-Bike ist man gegen diese Bikes chancenlos. Dadurch schwindet nur der gute Ruf und der Wert dieser Kategorie. Deshalb sehe ich darin außer dem Schnellschuss, das Feld aufzufüllen, keinen echten Nutzen für den MotoGP.
? Der MotoGP hat ein großes Problem mit dem kleinen Starterfeld. 2010 sind es gerade noch 17 Motorräder. Das ist ein Grund, von 800 auf 1000 Kubik zu gehen. Ein volles Starterfeld dürfte für den MotoGP aber wichtiger sein als die "Reinheit" der Klasse?
! Natürlich ist das ein wichtiger Punkt. Aber ich bin nicht die Dorna. Abgesehen davon muss die Philosophie und der Charakter beider Wettbewerbe respektiert werden, und jeder sollte seine Probleme doch so lösen, dass die Regeln des anderen nicht unterspült werden.
? Haben Sie denn jetzt irgendwelche Zusagen der FIM, dass im MotoGP nur Prototyp-Motoren eingesetzt werden dürfen?
! Nein, das ist momentan noch nicht der Fall. Aber wir haben die FIM aufgefordert, dies dringend zu tun und sie haben zugestimmt. Wir von Infront gehen davon aus, dass sie speziell Serienmotoren im MotoGP verbieten werden, die von homologierten Straßenmotorrädern abgeleitet sind.
? Was tun Sie, wenn die FIM ihrem Ansinnen nicht nachkommt?
! Es ist noch zu früh, um darauf eine Antwort zu geben. Aber ich überlasse das Ihrer Fantasie. Wir werden unsere Rechte bezüglich unseres Ver-trages wahrnehmen.
? Demzufolge gibt es in diesem Vertrag eine Klausel, die es untersagt, eine weitere WM-Serie mit 1000ern abzuhalten, die von Serienmotorrädern abstammen. Können Sie uns den Wortlaut nennen?
! Nein, tut mir leid. Wie üblich sind die Vertragsinhalte vertraulich. Aber sagen wir, ohne die genauen Worte zu benutzen, dass diese besagen, dass Infront das exklusive Recht hat, Straßenrennsport mit WM-Prädikat auf Motorrädern durch-zuführen, die von Serienmotorrädern abstammen. Ein Motorrad, das einen Motor hat, der von der Serie abgeleitet ist, ist selbst dann kein Prototyp, wenn das Chassis ein Prototyp ist. Das war 2003 bei WCM der Fall, und das Sportgericht in Lausanne hat dieser Entscheidung stattgegeben. Wir erwarten, dass das Bestand hat.
? Wann läuft dieser Vertrag zwischen der FIM und Infront aus?
! Das ist ein alter Vertrag von 1990, als wir unsere ersten Abmachungen bezüglich einer Superbike-WM unterzeichnet haben. Er wurde schon öfter erneuert. Ich möchte Ihnen nicht sagen, wie lange er noch läuft, aber es ist eine Langzeitabmachung (Nach offiziellen FIM-Quellen läuft der Vertrag bis 2026 ohne zwingende Neuverhandlungen bis Vertragsende).
? Dieser Vertrag mit der FIM schließt aber die Supersport-WM ein. Dennoch haben wir jetzt die Moto2-Klasse. Wieso schreiten Sie dagegen nicht genauso ein wie gegen eine 2012 drohende "Moto1"?
! Unser Standpunkt ist in dieser Sache genau der gleiche wie im MotoGP: Wenn der Honda-Motor für all die Teams ein modifizierter CBR 600 RR-Motor ist, werden wir das nicht akzeptieren.
? Einer italienischen Zeitung gegenüber sagten Sie, dass die Dorna, wann immer sie in Schwierigkeiten kommt, genau das kopiert, was Infront macht: Einheitsreifen, 600er-Motoren, jetzt die 1000er. Sehen Sie das immer noch so?
! Ja, das habe ich in ein paar Interviews so gesagt. Ganz offen, ohne Bitterkeit: Ich denke, dass ein bisschen mehr Fantasie aus dieser Richtung wirklich angebracht wäre. In meinen Augen verdienen es die Grand Prix-Klassen und der Innovationswettbewerb, für den sie stehen, nicht, zu einem Ein-Marken-Level herabzusinken, wie es die Moto2 jetzt geworden ist. Oder zu so einem Hybrid-1000er-MotoGP, worüber jetzt wohl nachgedacht wird. Ich bin der Meinung, dass mit der 60jährigen Geschichte der 250er-Serie nicht so angemessen umgegangen wurde, wie es eine Rennserie verdient hätte, die, bis auf wenige Ausnahmen, die Top-Weltmeister der letzten 40 Jahre hervorgebracht hat. Das sage ich jetzt als Racing-Fan, nicht als konkurrierender Promoter.
? Es gibt Forderungen in der Szene, die beiden Weltmeister-Serien miteinander zu verbinden. Haben Sie das jemals mit der Dorna oder der FIM erörtert?
! Nein! Das ist die kurzsichtigste Idee, von der ich jemals gehört habe. Jeder, der so etwas ernsthaft fordern würde, hat nicht darüber nachgedacht, was das für ein Verlust für die Außendarstellung des Sports wäre. Sehen Sie sich den Sport Nummer eins an - Fußball. Die FIFA tut alles, um die Events auszuweiten, um dem Sport die maximale Aufmerksamkeit zu verschaffen. Zu den nationalen Meisterschaften kommen Champions League und der Euro-Cup. Wir haben zwei großartige Weltmeisterschaften. Der Vorschlag, sie zusammenzufügen, ist total dämlich.
? Aber wenn der MotoGP nun tatsächlich die 1000er einführt und Serienteile zulässt, würden sich doch zwei so ähnliche Serien, auch wenn die eine noch Prototyp-Rahmen hätte, eher selbst schaden?
! Abgesehen von den angesprochenen rechtlichen Problemen, die das auf absehbare Zeit ja unmöglich machen, wäre das dennoch eine schlechte Idee. Wenn ernsthafte Hersteller echte Prototypen bauen, mit vier Zylindern und der neuesten Technologie, werden alle, die etwas anderes haben, dagegen abstinken und nicht lange überleben.
Foto: Fabrizio Porrozi

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