Fünf Richtige Sportreifen 2002

Wenn die 160 PS der Suzuki GSX-R 1000 losbrennen, sind nur die besten Reifen gut genug. Fünf neue Sport-Gummis von Avon, Bridestone, Dunlop, Metzeler und Michelin versuchen, dem Feuer zu widerstehen.

Foto: Gargolov

Teil 1

Die neue Sportreifengeneration wurde im Frühjahr der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu spät für einen großen Reifentest im Stil des Vergleichs der Tourenreifen in den Dimensionen 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 (siehe Reifen Spezial). Für die Leser von MOTORRAD zählte das Argument »zu spät« allerdings nicht. Sie forderten einen direkten Vergleich der neuen Sportpuschen. Für Reifenexperte Werner »Mini« Koch ein klarer Arbeitsauftrag. Prompt packte er eine Suzuki GSX-R 1000 samt fünf Sport-Gummipaarungen von Avon, Bridgestone, Dunlop, Metzeler und Michelin in den Transporter und machte sich auf den Weg zur Teststrecke ins elsässische L'Anneau du Rhin.

Die Wahl des Motorrads fiel nicht schwer: Die große Gixxe ist Verkaufsschlager bei den Big Bikes – mit einer brachialen Leistung von 160 PS geht sie nicht gerade zimperlich mit den Pneus um. Und Handlichkeit zählt nicht zu den Paradedisziplinen des PS-Monsters, deshalb spielt die Bereifung hier eine erhebliche Rolle. Spannend also, welche Gummis am besten mit der Extrem-Sportlerin harmonieren.

In L'Anneau du Rhin konzentrierte sich MOTORRAD-Tester Mini Koch ausschließlich auf die Funktionsprüfung. Neben der Kurvenhaftung und dem Beschleunigungsgrip wurden weitere Testkriterien wie Handling, Lenkpräzision, Verhalten im Grenzbereich und Aufstellneigung überprüft. Um die Nässequalitäten einschätzen zu können, rutschte die GSX-R 1000 in der Lüneburger Heide einen Tag lang durch das tückisch glatte, künstlich bewässerte Contidrom, das Versuchsgelände des Reifenherstellers Continental aus Hannover. Bedingt durch den hohen Wasserstand auf der norddeutschen Teststrecke erreichten die eingesetzten Reifen kaum mehr als 25 Grad Celsius Oberflächentemperatur – bei 160 PS eine Gratwanderung zwischen gut und böse.

Für alle, die mehr als nur lesen wollen: die Reifentest-Filme

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Foto: fact

Teil 2

Allgemein gilt für die Testergebnisse: Sie sind teilweise auf andere Sportmaschinen, die auf denselben Dimensionen rollen, übertragbar. Zum Beispiel die Trocken- und Nasshaftung. Bei Eigenschaften, die von der Fahrwerksabstimmung und Fahrzeuggeometrie abhängen, sind die Resultate nur in der Tendenz aussagekräftig. Die Ergebnisse zur Kurvenstabilität oder dem Aufstellmoment etwa gelten in diesem Vergleichstest nur für die aktuelle GSX-R 1000. In keinem Fall können die Eigenschaften der getesteten Reifen in der Dimension 120/70 ZR 17 und 190/50 ZR 17 auf andere Größen übertragen werden.

Alle Vorder- und Hinterreifen wurden mit dem von Suzuki vorgegebenen Luftdruck von 2,5 bar befüllt. Ein deutlich abgesenkter Luftdruck empfiehlt sich bei den vorliegenden Reifenkonstruktionen selbst auf der Rennstrecke nicht. Karkasse und Gürtel verformen sich bei zu geringem Luftdruck sehr stark. Unter hoher Last verändert sich besonders am Vorderrad die Reifenkontur drastisch. Der Latsch, also die Aufstandsfläche wird zu groß, mögliche Folge ist ein schwerfälliges Lenkverhalten. Am Hinterreifen walken bei zu geringem Luftdruck Karkasse und Gürtel ebenfalls übermäßig stark. Anders als bei reinrassigen Rennsportreifen hat die flexible Karkassenkonstruktion der Straßensportreifen die Aufgabe, kleinere Stöße abzufedern und das Motorrad stabil zu halten. Außerdem wirkt sich die stärkere Krümmung der Lauffläche unmittelbar auf das Fahrverhalten aus. Fazit: Ein abgesenkter Luftdruck bringt den Reifen zwar schneller auf Temperatur, aber insgesamt kaum Vorteile.

Die meisten Reifenhersteller schreiben für ihre 190er-Pneus die üblichen 6,00-Zoll-Felgen vor. Die meisten 180er-Reifen, in der Regel für 5,50-Zoll-Räder ausgelegt, besitzen auf einer breiteren Felge eine zu flache Kontur und ein instabiles Karkass-Gürtel-Geflecht. Lediglich die Metzeler Sportec M-1 können laut Hersteller problemlos als 180er-Stahlgürtelreifen auf einer 6,00-Zoll-Felge verwendet werden. So weit die Theorie. In der Praxis hatte Testfahrer Mini Koch mit allen fünf Reifenpaarungen seine Schräglagen-Freuden. Alle Pneus eignen sich gut bis sehr gut für den sportlichen Straßeneinsatz. Für Rennstreckenfahrten, allerdings ohne Wettbewerbs-Charakter, empfiehlt sich der Metzeler Sportec M-1 und der Michelin Pilot Sport. Erfreuliches Resultat für alle getesteten Pneus: Beim Nässetest schlugen sich die Kandidaten wacker und ohne sicherheitstechnische Auffälligkeiten.

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