Spritzschutz (Archivversion) faxbilanz AUS HEFT 9/97

Hier erhitzen sich die Gemüter: Bedeutet ein fehlender Spritzschutz automatisch das Erlöschen der ABE?

»Die Räder von Kraftfahrzeugen müssen mit hinreichend wirkenden Abdeckungen versehen sein.« Der Absatz 1 vom Paragraphen 36a der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) hat schon so manchen Motorradfahrer ein happiges Bußgeld und Punkte in Flensburg gekostet. Dann nämlich, wenn der Spritzschutz aus Designgründen in die Schublade gewandert und der Biker in eine spitzfindige Verkehrskontrolle geraten ist. Manche Ordnungshüter nämlich wittern durch den Heckstriptease eine mögliche Gefahr für nachfolgende Verkehrsteilnehmer - zum Beispiel durch eventuell nach hinten wegspritzendes Wasser oder Geröll. Eine mögliche Gefahr bedeutet aber den Verlust der Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) des Motorrads, und das wiederum heißt: Punkte samt Bußgeld und Wiedervorführung des Motorrads mit angebautem Spritzschutz.Was ist nun eigentlich eine hinreichende Abdeckung? Klar geregelt: Hinreichend ist es, wenn die Hinterradabdeckung maximal 150 Millimeter oberhalb der waagerechten Radmittelebene endet - gemessen bei abgebocktem, unbelastetem und aufrecht stehendem Motorrad. So dürfen werksmäßig »zu lange« Abdeckungen ganz legal selbst gekürzt werden (MOTORRAD berichtete ausführlich in Heft 16/1992).Damit geben sich aber nicht alle Motorradfahrer zufrieden, sie wollen’s noch kürzer und demontieren beherzt gleich den ganzen Lappen. Ist das wirklich eine potentielle Gefahr für nachfolgende Verkehrsteilnehmer? MOTORRAD zumindest ist kein einziger Fall bekannt, daß jemand durch von einem Motorrad aufgewirbelte Steine zu Schaden kam, von einem Kennzeichen aufgeschlitzt oder gar vom offenen Hinterrad erfaßt wurde. So realistisch sehen es glücklicherweise mittlerweile auch viele Polizeibeamte und belassen es bei einem mündlichen Verweis - nicht zuletzt deswegen, wie MOTORRAD aus den eingesandten Faxen erfuhr, weil sie privat selbst mit gekürztem Heck unterwegs sind.Dennoch: Fakt ist, daß das Abmontieren des Spritzschutzes streng nach Gesetz und nach Meinung des Bundesministeriums für Verkehr nach wie vor verboten ist. Die Entscheidung, ob die gekürzte oder demontierte Abdeckung eine Gefahr für die Umwelt darstellt oder nicht, liegt zunächst im Ermessen des Polizeibeamten. Und hier scheiden sich deutlich die Geister. Die Auswertung der MOTORRAD-Faxumfrage ergab: In 43 Prozent der Kontrollen waren die Polizeibeamten der Meinung, daß ein zu kurzer Spritzschutz mit einem mahnenden Zeigefinger erledigt werden kann, der andere Großteil von 38 Prozent fuhr grobe Geschütze auf und sah darin das Erlöschen der Allgemeinen Betriebserlaubnis. Die restlichen 19 Prozent der Beamten waren sich scheinbar in der Beurteilung nicht ganz sicher und verhängten vorsichtshalber ein Verwarnungsgeld zwischen 20 und 75 Mark.Leider konnte MOTORRAD kein waschechtes Gerichtsurteil auftreiben, in dem ein Biker erfolgreich gegen den Verlust der ABE durch einen fehlenden Spritzschutz geklagt hat. Dieses könnte nämlich unter Umständen als Präzedenzfall dienen - und auch veröffentlicht werden. Uns liegen nur einige regional begrenzte und vor allem interne Anweisungen vor, bei denen wir leider zu diskretem Stillschweigen verpflichtet sind. Deshalb die Bitte: Wer ein positives Gerichtsurteil erwirkt hat, schicke es doch bitte an die Redaktion MOTORRAD, Stichwort »Spritzschutz«, Leuschnerstraße 1, 70174 Stuttgart. Wir bleiben am Ball.Michael Allner

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