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125er aus dem Baumarkt - eine Leidensgeschichte

Ein 125er VR China-Chopper namens Rider für schlappe 3999 Mark - nicht beim Fachhändler, sondern im Baumarkt. Das war Anfang Mai der Bild-Zeitung immerhin ein promotionmäßig aufgemachtes Artikelchen wert. Und das wiederum machte Paul Ahlers aus Kaltenkirchen Appetit aufs Bike: »Echt günstig. Für rund 4000 Mark gibt’s keine Vespa.« Wohl aber den Nachbau eines Taiwan-Gefährts namens Kymco Zing. Also saß er zwischen Dachlatten, Dübeln und Kreissägen in der »Praktiker«-Filiale auf dem vermeintlichen Schnäppchen probe, schlief eine Nacht drüber, orderte Anfang Mai. »Ich sollte 500 Mark anzahlen, und dann wurde mir versprochen, daß die Rider in spätestens 14 Tagen ausgeliefert würde.« Klappte aber nicht. Paul fragte mehrmals nach, im Mai, im Juni. Bis er dann hören mußte: »Es gibt Probleme. Die Auslieferung ist wegen einer einstweiligen Verfügung von Honda (da hatte der Verkäufer etwas nicht ganz verstanden, es war Kymco, die Redaktion) wegen nicht lizensierten Nachbaus gestoppt.« Deshalb könne sich der Liefertermin noch ein bißchen hinziehen, sechs Monate oder so. Aber natürlich stünde es ihm frei, den Auftrag zu stornieren. Was Paul, schwer genervt und tief enttäuscht, dann auch sofort machte. Entschädigung für entgangenen Fahrspaß gab’s natürlich nicht. Doch Paul, der seinen Führerschein Klasse 3 vor dem 1. April 1980 gemacht hatte und also 125er fahren darf, war seines puren Automobilistendaseins dennoch müde geworden. So trieb’s ihn gleich am nächsten Tag zum Hamburger Kymco-Vertragshändler, wo er die Originalvorlage der Rider, die Kymco Zing, orderte. Die 1700 Mark, die das Teil mehr kosten, ärgern ihn jetzt nicht mehr: »Das ist mir der sichere Einstieg in die Biker-Gemeinde wert.« Mittlerweile haben zwei Mitglieder der MOCO, der Händler-Genossenschaft Motorcycle Cooperation, beim Landgericht in Münster eine weitere einstweilige Verfügung gegen »Praktiker« erwirkt, die es diesen Baumärkten verbietet, weiterhin Motorräder zu verkaufen. Begründung: Mit branchenfremden Sonderangeboten soll der Eindruck allgemeiner Preisgünstigkeit erweckt werden. Außerdem machten die westfälischen Kläger ähnliche Erfahrungen wie Nordlicht Paul Ahlers. Sie fanden in den Läden nur ein unverkäufliches Ausstellungsstück vor, und auf die Frage, wann denn geliefert werden könne, kam die Antwort: »Das kann mehrere Wochen dauern.« schmie

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