Standpunkt: Braunschweig provozierte eine Biker-Demo (Archivversion) Standpunkt

Wie Braunschweig es mit »sozialschädlichem« Gedönse schaffte, eine Biker-Demo zu provozieren.

So einiges verbindet Braunschweig mit Berlin. Da wäre zum einen die Bundesbahn: Und dann dieses B. Damit fangen beide an. So manches trennt sie aber auch. Gilt der Berliner gemeinhin als laut, kess und ungestüm, so heißt’s vom Braunschweiger, er sei eher kühl. Entzieht Berlin der Love Parade den Status einer politischen Demonstration, grätscht Braunschweig ein. Amtsschimmelwiehernd. Bike Parade? Machen wir schon. Und das kam so: Kanzelte Braunschweigs Bezirksregierung das Ansinnen des MC Wieda, eine gemeinsame Ausfahrt in den Harz zu wagen, doch schnöde ab. Im amtlichen Schreiben unterstellte sie »den Anwohnern schlechthin«, von ihnen werde das »Verhalten einer Großzahl von Motorradfahrern« als »sozialschädlich empfunden«. Da hat eine Ordnungskraft im Ordnungswahn nicht aufgepasst. »Sozialschädlich« – seit 1945 heißt das auf gehörig Beamtendeutsch »sozialunverträglich«. Klingt sonst zu sehr nach »Volksschädling«. Und was, bitte, sind »Anwohner schlechthin«? Außerdem galt bislang die Sprachregelung von »einer Minderheit schwarzer Schafe«, die den Motorradfahrer in Misskredit bringt. In Braunschweig freilich wird stier zur »Großzahl« maximiert.Doch der MC Wieda hat glänzend pariert. Wenn die uns die gemeinsame Tour vermiesen, protestieren wir dagegen. Natürlich auf der ursprünglich geplanten Route. Und statt selbst für polizeiliche Hilfsdienste zu löhnen, zahlt jetzt die steuerzahlende Bevölkerung schlechthin.Das Beispiel sollte Schule machen. Schafft wochenendlich eine, zwei, viele Bike Parades. Und ruft die Anwohner auf, sich gegen eine Verwaltung, die ihnen gesundes Volksempfinden unterstellt, zu engagieren. Auch die Polizisten freut’s: Sie dürfen eskortieren, müssen nicht im Hinterhalt mit Radarpistolen auf Motorradfahrer zielen.

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