Standpunkt: Großrollerboom (Archivversion) Standpunkt

Werner Enzmann, verantwortlicher Redakteur von ROLLER SPEZIAL, zum Großrollerboom

Große Roller scheinen das Selbstbewusstsein vieler Motorradfahrer auf eine harte Probe zu stellen. Erst vergrüßt – Mist, das war ja bloß’n Roller – und dann auch noch an der Ampel abgeledert von einem TMax oder was auch immer, das kann einem schon den Tag verderben.Aber vielleicht sollten Motorradfahrer das nicht so eng sehen. Wer auf einem 500er- oder 600er-Roller sitzt, könnte auch Motorrad fahren, hat ja den Einser. Dass jemand 16 000 Mark für einen Roller ausgibt, statt sich dafür eine Fazer oder eine Deauville zu kaufen, liegt daran, dass große Roller ganz, ganz anders sind als die eiernden Knatterdinger, deren frühere Benutzung so mancher Motorradler als schmachvolle Jugendsünde ins tiefste Unbewusste verbannt hat.Die grausame Wahrheit lautet: Starke Roller sind geil. Draufsetzen, Dreh am Gasgriff, und ab geht die Post. Klar sind die absoluten Fahrleistungen nicht konkurrenzfähig. Dafür stehen sie immer und ohne Gewaltanwendung zu Verfügung. Rollerfahrer sind an der Ampel längst weg, wenn Motorradler noch ihre Gänge sortieren. Roller sind superhandlich – so leicht und präzise wieselt keine Enduro durchs städtische Getümmel. Und sie kommen unserer Bequemlichkeit entgegen: Wer Roller fährt, tut das in Jeans und Straßenschuhen. Und ist nach dem Absteigen ganz zivil, denn Jacke, Helm und Handschuhe sind unter der Sitzbank gut verstaut.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote