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Profilverlust: MOTORRAD-Volontär Michael Orth zu den Lieferengpässen bei Motorradreifen

»Tut mir leid, ham wa nich und krieng wa och so bald nich wieder rein.« Wer glaubt, dieser Satz sei mittlerweile nur noch ein Stück (ost-)deutscher Geschichte, wird eines Besseren belehrt. Motorradreifen, speziell sportliche Radialreifen, sind seit Anfang der Saison - mal wieder - Mangelware. Bridgestone kann kaum liefern, die anderen Hersteller den Ausfall nicht völlig auffangen. Zu Recht platzt da angesichts von Verlegenheitserklärungen und Vertröstungen manchem Möchtegern-Kunden der Kragen schneller als die abgewetzten Pellen.Der Tipp, sich schon im Frühjahr zu bevorraten, mag gut gemeint sein, verschiebt aber das Problem lediglich weiter zum Saisonbeginn hin und reißt auf einen Schlag tiefe Löcher in die Börsen der gebeutelten Biker. Wieso sollte sich der teuer zahlende Endverbraucher krumm legen, wenn die Industrie außerstande ist, ihre Produktionsdisposition der Marktsituation anzupassen oder wenn Hersteller und Handel ihre Koordinationsprobleme nicht in den Griff kriegen? Der Mensch fliegt zum Mond und erfindet selbstreinigende Toiletten. Da kann es doch nicht sein, dass neue Motorräder auf den Markt kommen und nach kurzer Zeit keine Reifen mehr dafür zu haben sind. Denn in Sachen Erstausrüstung werden die Reifenproduzenten von den Motorradherstellern in die Entwicklung neuer Modelle mit einbezogen, wissen also, was in absehbarer Zeit auf sie zukommt. Dauert die Misere an, sollte sich kein Hersteller wundern, wenn das eigene Profil irgendwann schlimmer verflacht ist als das von so manchem Sportreifen, der derzeit slickähnlich über deutsche Straßen eiert (siehe auch Seite 114f).

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