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Harald Hormel, Vorsitzender des Bundesverband der Motorradfahrer e.V.(BVDM), fordert Reifenfreigabe statt Fabrikatsbindung

Deutschland ist Europas Musterknabe - so dachte ich eigentlich immer und verfluchte manchmal die schnelle Umsetzung europäischer Vorschriften in unserer regelwütigen Bundesrepublik. Jetzt hatten wir vor drei Jahren endlich mit vielen Briefen und in Gesprächen mit Parlamentariern erreicht, dass künftig weniger geregelt wird. Die Festschreibung von Reifenmarken sollte für neue Motorräder, die nach dem seit Sommer 1999 geltenden EU-Recht geprüft wurden, nicht mehr zulässig sein. Das bedeutet Zeit- und Geldersparnis für Fahrerinnen und Fahrer, weil sie nicht mehr zu Zulassungsstelle und TÜV marschieren müssen, wenn sie die Reifenmarke wechseln oder zum Beispiel mit Radialbereifung sicherer fahren wollen. Zudem erhalten kleinere Reifenhersteller mehr Chancengleichheit. Dieses Gesetz per Richtlinie der europäischen Union wird jedoch einfach nicht eingehalten. Selbst bei Butter-und-Brot-Motorrädern sind nach wie vor Reifenmarken eingetragen. Dabei betrachtet sogar das Bundesverkehrsministerium die Fabrikatsbindung hauptsächlich als Hinweis auf die Produkthaftung des Herstellers - ob das auch der freundliche Polizist bei Ausstellung des Tickets weiß? Schließlich hat die selbe Bundesregierung die Reifenbindung bei allen Autos, auch Porsche, Ferrari oder Elch-Test-A-Klasse, verboten. Diese auch aus Sicht der EU-Kommission «unannehmbare« Benachteiligung von uns Motorradfahrern muss schleunigst geändert werden - zur Not auf gerichtlichem Weg.

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