Stolpe, Manfred: Interview (Archivversion)

Die MOTORRAD-Redakteure Michael Orth (rechts) und Norbert Sorg zu einigen etwas arg gut, vielleicht zu gut gemeinten Äußerungen des Ministers.

Wenn sich ein Motorradfahrer auf mies bitumierter Straße den Hals bricht, ist das für die Behörden noch lange kein Beinbruch. Denen nämlich hat ein Kläger nicht nur nachzuweisen, dass sie ihre Amtspflicht verletzt haben. Er muss auch beweisen, dass ein Unfall bei Pflichterfüllung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unterblieben wäre. Das ist immens schwierig, teuer, langwierig. Zumal: Pflichterfüllung kann hier schon heißen, ein Schild am Straßenrand zu platzieren. Aber: Schild hin oder her, Schuld ist letztlich der Motorradfahrer selbst. Meint der Herr Minister: »Der Verkehrsteilnehmer muss sein Verhalten den Straßenverhältnissen anpassen.« Klar. Doch worin soll das Anpassen bestehen, wenn die Straße ein vernünftiges Verkehren nicht mehr erlaubt und das, zumindest bei Nässe, gar nicht erst zu erkennen ist? Wie im Fall der L 3053, auf der Harry Leugner starb. Mit Tempo 50 auf gerader Strecke. Bald aber wird ja alles besser. Denn der Minister hat großes Vertrauen in »die besondere Verantwortung der bauausführenden Firmen« und in »die Straßenbauverwaltungen der Länder, die gehalten sind, die Beachtung der technischen Vorschriften sicherzustellen«. Schön, dass der Minister an das Gute im Beamten und Bauunternehmer glaubt. Schön, dass er verspricht, sich für die »verstärkte Beachtung der für Motorradfahrer maßgebenden Sicherheitsaspekte« einzusetzen. Noch schöner wäre es, wenn er nicht nur davon ausginge, »dass die neuen technischen Regelwerke Beachtung finden«. Er sollte mehr dafür tun. Gerade in Zeiten leerer Kassen, wo Kann-Bestimmungen und Empfehlungen gern in der Ablage vergammeln.

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