Straßen-DM auf dem Eurospeedway Lausitz (Archivversion) Zukunftsmusik

Beeindruckende Auftaktveranstaltung auf dem Eurospeedway Lausitz und der 14-jähriger Imre Toth als Sieger - ein Blick in die Zukunft des Motorsports.

Die gewaltige Ausdehnung des Eurospeedway Lausitz auf über 367 Hektar Land auf einem ehemaligen Braunkohletagebau rund 60 Kilometer nördlich von Dresden, die kolossale Haupttribüne und vor allem das exorbitante Bauvolumen von rund 320 Millionen Mark riefen in der Motorrad-DM-Szene mehr Überwältigung denn Begeisterungsstürme hervor.Benny Wilbers, der Chef des innovativen Fahrwerkskomponenten-Herstellers Techno Flex, fand anlässlich der ersten Rennen in der Lausitz zu einem originellen Vergleich. »Was sind denn die 320 Millionen gegen das EXPO-Defizit? Da könnten wir noch acht solche Rennstrecken bauen.«Vielleicht politisch etwas korrekter will auch Hans-Jörg Fischer, Geschäftsführer des Eurospeedway, etwaige Zweifel an einer künftigen Rentabilität der gignatischen Anlage gar nicht erst aufkommen lassen. »241 Millionen Mark waren Zuschüsse des Landes Brandenburg zur Strukturförderung der Lausitz, die wir durch unsere Betriebsergebnisse nicht bedienen müssen«, rechnet der Streckenchef, »und mit dem Rest, einer Investition der Bankgesellschaft Berlin, liegen wir nicht weit von anderen Rennstreckenneubauten entfernt.«Die ehrgeizigen Pläne der Eurospeedway-Betreiber umfassen neben allen großen internationalen Rennserien, die man mittelfristig in die Lausitz holen will, »völlig neuartige Entertainment-Events auf zwei und vier Rädern«, so Fischer. »Näheres möchte ich noch nicht verraten. Aber es soll ein Markenzeichen des Eurospeedway werden.«Gut unterhalten fühlten sich die knapp 15000 Zuschauer tatsächlich, die beim Renndebüt der neuen Bahn gleich mal für eine rekordverdächtige Kulisse bei der internationalen Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) sorgten. Denn von der überdachten Haupttribüne feuerten die Fans ihre Helden wie im Fußballstadion an.Und wie von einer Regie geplant war der erste Sieger auf Deutschlands jüngster Rennstrecke gleichzeitg der jüngste Sieger in der Geschichte der Motorrad-DM. Erst in zwei Wochen wird der Ungar Imre Toth 15 Jahre alt. Dies hielt ihn nicht davon ab, im 125er-Rennen auf der fahrerisch anspruchsvollen Strecke in souveräner und abgebrühter Manier den DM-Favoriten Jarno Müller zu kontrollieren und ihm am Ende keine Chance zu lassen.Während Müller im Ziel an den nicht unerheblichen Gewichstvorteil des kleinen Ungarn erinnerte, sang Imre Toth selbst das Loblied auf die neue Strecke: »Ich fühle mich unheimlich wohl hier, die Kurvenkombinationen passen mir sehr gut. Ich glaube, der Eurospeedway ist meine neue Lieblingsstrecke.«Auffallend war, dass neben Junior Toth auch sonst eher die jugendlichen Angreifer auf Anhieb mit der neuen Bahn klar kamen. Benny Jerzenbeck zum Beispiel fuhr gleich zweimal hintereinander aufs Podest. Nach Rang zwei im Superstock-Rennen, in dem er seinen Suzuki-Markenkollegen, den bereits feststehenden Meister Claus Ehrenberger, erstmals in dieser Saison an den Rand einer Niederlage bringen konnte, hetzte der Saarländer als Ersatz für den verletzten Stefan Scheschowitsch im Supersport-Lauf auf Rang drei - hinter Stefan Nebel und Herbert Kaufmann.Der 19-jährige Nebel dominierte auf der Karthin-Yamaha das Rennen nach Belieben und war am Ende ebenfalls Gründungsmitglied des Lausitz-Fan-Clubs: »Es war genial. Die Strecke passt hervorragend. Ich konnte von Anfang an flüssig und schnell fahren. Nur in der letzten Runde habe ich an tausend Sachen gedacht und noch fast die Konzentration verloren.« Routinier Herbert Kaufmann war nach einem Renndrittel schon vorzeitig Meister, als er eine Kollision mit seinem letzten verbliebenen Titel-Konkurrenten, Yamaha-Laaks-Mann Michael Schulten, überstanden hatte. Der ungestüm angreifende Schulten musste dabei zu Boden. Kaufmann wie auch der unglückliche Schulten gehörten beide nicht zur Fraktion der Eurospeedway-Fans. »Auf der Zielgeraden steht die Mauer an der Aussenseite einfach zu nah, da müsste man für Motorräder die Strecke mit Kerbs etwas weiter nach innen legen«, äußert der Supersport-Meister leise Kritik, während Schulten hauptsächlich die »unharmonischen Übergänge von und auf die Geraden« stören.Auch das 250er Rennen wurde zur Beute der Jugend. Wie schon beim letzten DM-Lauf in Schleiz kämpfte sich Christian Gemmel auf seiner Honda nach schwachem Start an die Spitze und enteilte dann seinen Vefolgern. Zweiter wurde Dirk Heidolf auf Yamaha vor dem 18-jährigen Max Neukirchner (Honda). Titelfavorit Matthias Neukirchen büßte als diskreter Siebter Punkte auf Verfolger Heidolf ein, will aber beim Finale in Hockenheim am 24. September »definitiv den Sack zu machen«, wie sein Docshop-Yamaha-Teamchef Stefan Prein in aller Bescheidenheit voraussagt.Das Gespann-Rennen sah einen weiteren siegreichen Gastauftritt des Weltcup-Teams Jörg Steinhausen/Christian Parzer, während Mike Roscher, der mit Uwe Neubert in dieser Saison schon den dritten Co ins Boot setzte, nach dem Ausfall von Centner/Rodler mit Rang zehn die DM-Führung übernommen hat.

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