Straßen-DM auf dem Schleizer Dreieck (Archivversion) Ruhestörer

Mit scharfer Kritik über den Zustand des Schleizer Dreiecks schreckte 125er-Sieger Jarno Müller die Organisatoren auf – hoffentlich mit den entsprechenden Folgen.

Rund 15000 Zuschauer saßen und standen am Renntag rund um das Schleizer Dreieck. Das sind nicht mehr so viel wie früher, aber immer noch weit mehr als sonst bei der internationalen Straßen-DM. Doch die Fans dieses traditionsreichen Straßenkurses sind kein Grund, sich in der Sonne des vermeintlichen Erfolgs auszuruhen.Denn 125er-Sieger Jarno Müller steht mit seiner massiven Kritik an der veralteten Rennstrecke, die über gesperrte öffentliche Straßen führt, beileibe nicht so allein, wie das die Rennveranstalter Glauben machen wollten. »Anfang des Jahres haben wir auf die vielen gefährlichen Stellen hingewiesen«, so der ADAC-Junior-Team-Fahrer, der das 125er-Rennen nach Belieben kontrollierte und schließlich mit über acht Sekunden Vorsprung gewann, »aber es ist nur minimal etwas getan worden. Die Strecke ist an den wirklich gefährlichen Stellen in der Seng und im Vollgasstück Schauerschacht kein bisschen sicherer geworden. Wir riskieren hier unser Leben.«Auch der letztjährige 125er-Meister Dirk Reissmann, diese Saison im 250er-Yamaha-Kurz-Junior-Team unterwegs, hatte kritische Anmerkungen: »Über 80000 Mark haben die Schleizer in diesem Jahr in die Strecke investiert, und du siehst fast nichts. Ausgangs der Schikane nach der Seng stehen nach wie vor Bäume nur fünf Meter neben der Strecke. Lediglich an den dickeren Stämmen sind Strohballen angebracht.«Auch wenn etwa Supersport-Sieger Stefan Scheschowitsch nur knapp und rustikal formuliert: »Wer hier jammert, sollte vielleicht doch lieber zum Federballspielen gehen«, müssen die Verantwortlichen des Schleizer Dreiecks endlich erkennen, dass sie ihren klaren Vorsprung gegenüber allen anderen Motorradrennveranstaltungen in ganz Deutschland seit 1992 verspielt haben und gegenüber Neubauprojekten wie etwa dem Sachsenring inzwischen weit in Rückstand geraten sind.Die ersten Wecker scheinen immerhin geklingelt zu haben. Guntmar Schwarz, PR-Chef in Schleiz, konnte noch am Renntag gute Zukunftsprognosen bekanntgeben: »Für das neue Kompentenz-Zentrum Schleizer Dreieck, das im Innenring der bisherigen Strecke entstehen soll und eine permanente Rennstrecke von 4,2 Kilometer Länge umfasst, haben sich insgesamt vier Investorengruppen beworben. Am 31. Juli werden wir den Zuschlag erteilen.«Das sportliche Geschehen auf dem Dreieck sah zwei überlegene Sieger in den kleinen Zweitakt-Klassen, ein hyperspannendes Supersport-Rennen und einen schon frühzeitig feststehenden deutschen Meister. Jarno Müller ließ seine Konkurrenten trotz noch nicht ausgeheilten Knöchelbruchs ebenso klar hinter sich, wie Jung-Talent Christian Gemmel das 250er-Rennen beherrschte. Die Supersport-Klasse erlebte dagegen einen höchst dramatischen Dreikampf an der Spitze. Schleiz-Spezialist Scheschowitsch hatte es auf seiner Steinhausen-Suzuki keinesfalls mit Federballspielern zu tun, sondern mit dem Yamaha-Laaks-Duo Michael Schulten und Rico Penzkofer. »Diese Yamaha-Kisten ind ja so pfeilschnell«, war der schwäbische Sieger im Ziel noch sichtlich außer Atem, »drei Runden vor Schluss musste ich Michael recht hart abblocken.«Solche Momente gab’s für Claus Ehrenberger im Supersport-Rennen nicht. Dort fuhr er in großer Einsamkeit auf Platz fünf hinter seinem Suzuki-Kollegen, dem Tabellenführer Herbert Kaufmann, ebenfalls kein großer Freund des Schleizer Dreiecks gehört. Und nur wenig später errang Claus Ehrenberger auf seiner schwarzen Suzuki GSX-R 750 in der seriennahen Superstock-Klasse mit großem Vorsprung den sechsten Sieg im sechsten Rennen – und holte damit frühzeitig den ersten DM-Titel der Saison 2000. »Dafür, dass wir die Superstock-Klasse eigentlich nur nebenbei machen wollten und unser Hauptaugenmerk klar auf der 600 Supersport-Klasse lag, ist es gar nicht schlecht gelaufen«, grinste der erste deutsche Superstock-Meister überhaupt auf dem Siegerpodest.Im Gespann-Rennen siegten Centner/Rodler denkbar knapp vor Roscher/Backmann und zogen damit an der DM-Tabellenspitze gleich. Nicht am Start war Weltcup-Fahrer Jörg Steinhausen. Auch er bemängelte die Sicherheit auf dem Schleizer Dreieck. Ihm wird es sicher ähnlich gehen wie Jarno Müller, der klarstellte: »Das Publikum hier ist fanatisch. Es würde sehr viel Spaß machen, hier zu fahren, aber eben nicht auf der alten Strecke.« Deutlicher kann die Prognose für eine Zukunft des Schleizer Dreiecks wohl kaum formuliert werden.

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