Straßen-DM-Finale Hockenheim (Archivversion)

»Nein, nein, es ist gar nicht mein erster Titel«, wiegelt 250er Champion Michael Schulten die Gratulanten mit dem »Toll, daß du es endlich geschafft hast«-Gesichtsausdruck ab. Und tatsächlich, der heute 32jährige konnte gleich in seinem ersten Rennjahr feiern. 1983 wurde er auf einer Yamaha RD 500 Gesamtsieger des Motorrad-Rallye-Pokals. »Dann mußte ich die A-Lizenz nehmen«, blickt Schulten zurück, der sich über all die Jahre als Amateur-Fahrer gesehen hat, »und bin in die 350er DM eingestiegen.«Nach einer Reihe von Spitzenplätzen des Bergbau-Hydraulikers wurde Ende 1987 die 350er Klasse aus dem DM-Programm genommen, Schulten wechselte mit einer Bakker-Rotax zu den Viertellitern. Und in dieser Katagorie entstand dann das Bild vom sympathischen Underdog-Helden, der mit unterlegenem Material phasenweise unglaubliches vollbringen konnte. Vor allem in den Jahren 1991 bis 1995, als Michael Schulten mit dem Rotax-befeuerten Eigenbau-Gitterrohrrahmen seines Freundes und Mechanikers Günter Dreier gegen die sündhaft teuren japanischen Production Racer der Konkurrenz antrat wie Don Quichote gegen die Windmühlen. 1994 reichte es sogar zu einer Wild Card-Teilnahme beim deutschen Grand Prix.Für die Saison 1996 konnte Schulten wohl erstmals überhaupt über ein voll konkurrenzfähiges Bike verfügen. »Ein Freundeskreis finanzierte mir mit zahlreichen kleineren Geldbeträgen den Erwerb einer 1994er Aprilia RSV 250.« Und schon war der Meister-Titel da. Da stellt sich die Frage, was alles hätte passieren können, wenn Michael Schulten irgendwann doch Profi-Rennfahrer geworden wäre.

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