Straßen-DM-Finale in Assen/NL (Archivversion) Schumi III

Wie Michael Schumacher beim Grand Prix Nürburgring muß sich Gerhard Lindner in der ersten Kurve des Supersport-DM-Finales gefühlt haben. Die Rolle von Jacques Villeneuve übernahm mit großer Begeisterung der neue Meister Jörg Teuchert.

Zugegeben, die Titelchancen waren nicht groß, aber immerhin vorhanden, als MOTORRAD-Redakteur Gerhard Lindner beim Supersport 600-DM-Finale in Assen vom sechsten Startplatz mit der Spitze auf die erste Kurve zuraste.Aber dann bekam Lindner eine Ahnung, wie sich Michael Schumacher gefühlt haben muß, als er in der Startkurve des GP auf dem Nürburgring von seinem Bruder Ralf abgeschossen wurde. Nur, daß der niederländische Ducati-Fahrer Torleif Hartelman nicht unbedingt sein Bruder ist. Hartelman hatte auf der Innenbahn eine nicht vorhandene Lücke gesehen und drückte dann unsanft nach außen, was sowohl »Gegesch« wie auch seinen Yamaha-Kollegen Toni Heiler auf die Wiese zwang.Die Aufholjagd führte Lindner zwar noch auf Rang 13, aber der Sieger-Expreß war längst weg. Und aufgesprungen waren nicht nur die Titelkandidaten Jörg Teuchert, Herbert Kaufmann und Harald Steinbauer, sondern auch Vize-Europameister Stefan Scheschowitsch und zwei blinde Passagiere. Denn sowohl Superbike-Europameister Udo Mark wie Kawasaki-Fahrer Peter Koller, 1997 nur im Supersport-Weltcup aktiv, gehören nicht zum Inventar der Supersport-DM. Im Lauf des Rennens aus dem mitreißenden Kampf verabschieden mußten sich die beiden Kawasaki-Ritter Volker Bähr und Stefan Scheschowitsch, jeweils nach Sturz.Für den Schwaben Scheschowitsch war damit das Katastrophenwochenende komplett. Zunächst wollten die hoffnungslos überforderten Veranstalter, eine unglückliche Allianz aus MSC Langenfeld und niederländischen Streckenfunktionären, sein Team gar nicht ins Fahrerlager lassen. Die Offiziellen hatten die ganzjährig gültigen DM-Parkscheine kurzerhand außer Kraft gesetzt. In der Diskussion darüber ging ein nur mittelbar Beteiligter dem EM-Zweiten an den Kragen. Im folgenden Handgemenge zerbrach eine Scheibe des Welcome-Centers. Dies alles führte dazu, daß Scheschowitsch erst nach Zahlung von 500 Mark Strafe starten durfte.Seine Pole Position hatte der Kawasaki-Fahrer auch sonst teuer erkauft: kapitaler Motorschaden am einen und ein für das Chassis annähernd finaler Sturz am zweiten Motorrad. Dann das Rennen: Sturz im Kampf um die Führung, dazu eine zentimetertiefe, großflächige Fleischwunde im rechten Unterarm.Kaum beeindruckt davon waren die unterschiedlich motivierten Helden, die sich weiter heftigst um den Sieg stritten. Peter Koller, im Ziel knapp vorn, setzte alles daran, wenigstens ein Erfolgserlebnis aus seiner verkorksten Weltcup-Saison mitzunehmen.Harald Steinbauer fuhr wie um sein Leben. Vom 14. Startplatz - nach einer Trainingskollision mit Katja Poensgen - konnte er am Ende hinter Koller, der nicht für die DM registriert ist, die volle Punktzahl abholen. »Damit bin ich vom vierten Tabellenplatz noch auf den Vizemeisterrang vorgestoßen - nach diesem Training, unglaublich«, jubelte Steinbauer.Ebenfalls bester Laune war Udo Mark als Dritter. »Hier beim Saisonfinale fahre ich ja schon fast traditionell in einer anderen Klasse. Das macht sehr viel Spaß«, resümierte der Superbike-Europameister.Als vierter Mann auf dem Podest feierte der neue Meister: »Die Sache war gut zu kontrollieren, Herbert Kaufmann und Gegesch Lindner waren von Anfang an klar hinter mir«, freute sich Jörg Teuchert, »und Harald Steinbauer konnte vor mir sein, solange ich auf dem dritten DM-Wertungsrang blieb.« Sprach’s und wurde vom Siegertrio bis auf die Haut mit Sekt abgeduscht. Die schon feststehenden Meister der 125er und 250er Klasse, Maik Stief und Markus Ober, hatten beide keine Freude in Assen. Ober mußte nach einem Trainingssturz mit geborchener Schulter abreisen. Das Rennen gewann der Schwede Johan Stigefelt vor Altmeister Michael Schulten und Lokalheld Maurice Bolwerk.Maik Stief wurde zwar Dritter des 125er Rennens hinter den Niederländern Jarno Janssen und Rob Filart, später aber disqualifizert, wegen einer nicht zugelassenen Aluminium-Vorderachse an seiner Honda. Selbst der davon profitierende Hein Gericke-Junior Dirk Heidolf, als Dritter nun erstmals DM-Laufsieger, war nicht glücklich: »Maiks Disqualifikation ist ein Witz.«Kein Witz war das Yamaha-Aral-Cup-Finale. Es siegte ein aufstrebender bayerischer Nachwuchsfahrer namens Martin Wimmer. Der frühere 250er Grand Prix-Star, 1978 erster Yamaha-Cup-Gesamtsieger, saß, um das 20jähirge Cup-Jubiläum zu feiern, auf der VIP-YZF 600.

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