Straßen-DM in Oschersleben (Archivversion) Foto-Finish

Gerade mal acht Tausendstelsekunden lagen zwischen Jochen Schmid und Andreas Meklau im Ziel des Pro Superbike-DM-Rennens im Motopark Oschersleben; Schmid (unten) hat den DM-Titel schon mal ins Visier genommen.

Christer Lindholm staunte nicht schlecht, als Jochen Schmid seine Kawasaki in der letzten Runde des zweiten Pro Superbike-DM-Rennens in einer S-Kurve an Ducati-Reiter Andreas Meklau vorbeizwängte. »Das war ein starker Schachzug«, entfuhr es dem deutschen Meister, was wohl heißen sollte: Da hätte er mich auch gepackt.Doch der Schwede saß nach einem Trainingssturz am Samstag statt im Sattel seiner Yamaha im VIP-Zelt am Fernseher, die linke Hand und den rechten Fuß jeweils gebrochen in Gips. Der Titelverteidiger ist aber optimistisch für die nähere Zukunft: »Die Rennen in Most sind in drei Wochen. Bis dahin sollte ich zumindest wieder fähig sein zu fahren.«Topfit dagegen war Jochen Schmid, nicht nur beim meisterlichen Manöver in der letzten Runde. Trainingsbestzeit sowie zwei überzeugend gegen Meklau und Suzuki-Fahrer Udo Mark erkämpfte Siege vor rund 10000 Zuschauern waren der Lohn harter Vorbereitung. »Nach Testfahrten vor vier Wochen wußte ich, daß die Rennen in Oschersleben heftig werden.«Der Schwabe hatte sein Fitneß-Programm intensiviert und kam in bester Form in die Magdeburger Börde. »Die Piste hier läßt dir keine Ruhe. Eine Kurve jagt die nächste, es gibt kaum Geraden. Dazu ist es schwer zu überholen«, begründete Schmid seine Taktik, das Geschehen von vorn zu bestimmen. Aber diese ebenso gute wie naheliegende Idee hatten Andreas Meklau und Udo Mark natürlich auch. Dies führte zu zwei herzerfrischenden Rennen mit heftigsten Dreikämpfen an der Spitze. Im ersten Lauf konnte Schmid seinen Plan trotz mäßigen Starts umsetzen, als er schon früh in Führung ging. Die Entscheidung fiel dennoch erst in der vorletzten Runde. Schmid fand planmäßig als Erster am besten durch das zu überrundende Hinterfeld. Udo Marks Suzuki-Einspritzertriebwerk blieb aber in Vollgasstellung hängen, just als er mit Meklau im Nacken in einer Rechtskehre außen an den Nachzüglern vorbei wollte. Kunstvoll konnte der Schwarzwälder einen Sturz vermeiden, nicht aber den Rückfall hinter Meklau auf Rang drei.Für Rennen zwei schien Mark dafür die besten Karten zu haben. Wacker verteidigte er die Führung, wie gehabt gegen Schmid und Meklau. »Aber wir hatten unser Fahrwerk wohl ein wenig zu weich abgestimmt«, erklärte der Suzuki-Mann, »so konnte ich auf Dauer das Tempo der beiden nicht halten.«Zwei dritte Plätze ließen Udo Mark also ähnlich mittelmäßig zufrieden aus Oschersleben abreisen wie den zweimal zweitplazierten Andreas Meklau, der jetzt punktgleich mit Jochen Schmid die DM-Tabelle anführt. »Ich wußte, daß Jochen mich dort angreifen würde«, räumte der Österreicher seine kleine, aber entscheidende Niederlage ein, »aber er kam trotzdem vorbei, Respekt.«Der Sieg im Supersport 600-Rennen ging an Titelverteidiger Jörg Teuchert. Der Emonts-Yamaha-Fahrer setzte sich knapp, aber sicher gegen Tabellenführer Thomas Körner auf Kawasaki durch. Aufgrund von Irritationen über die Bauart des serienmäßigen Steuerkettenspanners an der Kawasaki ZX-6R flog Körner vorübergehend aus der Wertung, erhielt Platz zwei und DM-Tabellenführung aber zurück; im Gegensatz zum nach Rang drei disqualifizierten Christian Kellner, dessen Suzuki zu laut war.Die 250er und 125er Rennen sahen in den Honda-Fahrern Alexander Hofmann und Reinhard Stolz jeweils souveräne Sieger.

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