Straßen-IDM auf dem Salzburgring/A (Archivversion) Handicap-Formel

Den deutschen Superbike-Meister
Michael Schulten plagte eine Er-
kältung, den aktuell in der Meisterschaft führenden Stefan Nebel die Auswirkungen eines Steißbeinbruchs, den er sich eine Woche zuvor beim Superstock-EM-Lauf
in Misano zugezogen hatte. Trotzdem standen beide nach dem ersten der beiden Superbike-IDM-Rennen auf dem Salzburgring auf dem Siegerpodest – Nebel als Zweiter, Schulten als Dritter. Wer wollte
ihnen verdenken, dass sie dem putzmunter und völlig gesund angetretenen Sieger Philipp Hafeneger nicht mit voller Kraft
Paroli bieten konnten?
»Ich habe solche Schmerzen beim
Sitzen, dass ich die Gegengerade hoch meist in den Rasten gestanden bin«, stöhnte Nebel, der zunächst geführt hatte. »Aber dadurch ist die Maschine unruhig geworden. Als Philipp in der letzten Run-
de aus dem Windschatten angriff, war es
gelaufen.« Um in diese Angriffsposition zu kommen, hatte Hafeneger jede Menge Konkurrenten überholen müssen, denn wie Michael Schulten hatte er im verregneten Qualifying genau die fünf Minuten verpasst, in denen drei Runden auf trockener Fahrbahn möglich gewesen wären, was die ungewohnten Startplätze neun für
Hafeneger und 15 für Schulten bedeutete. Stefan Nebel hatte es besser erwischt: Pole Position.
Insbesondere Schultens Alpha-Technik-Honda steht gut im Futter. Auf der leicht ansteigenden Gegengeraden, auf der sich schiere Motorkraft schon immer deutlich zeigte, konnte er seine Gegner gleich paketweise überholen und nach acht Runden mit nur noch 0,6 Sekunden Rückstand auf Platz drei hinter Hafen-
eger aufzukreuzen, der ebenso weit hinter
Nebel zurück lag. »Hinter den beiden war für mich aber Schluss«, verschmerzte Schulten eine noch bessere Platzierung.
Die wäre ihm im zweiten Lauf beinahe gelungen. Nebel, jetzt gewarnt, bemühte sich, möglichst schnell weit vom Feld
wegzufahren, um noch Reserven zu haben, wenn Hafeneger und Schulten hinter ihm auftauchen würden. Nebel: »Ich wollte
diesen Sieg unbedingt. Der Salzburgring war die Lieblingsstrecke meines Freunds Jürgen Oelschläger, er hatte hier letztes Jahr auch einen Lauf gewonnen.« Oelschläger war 2004 bei einem Rennunfall
in Oschersleben tödlich verletzt worden.
Näher als 2,2 Sekunden kamen Schulten und Hafeneger nicht an den führenden Nebel heran und verlegten sich darauf, untereinander die Positionen zwei und drei auszuhandeln. Nach der vorletzten Runde war Schulten Zweiter, nach der letzten
Hafeneger – doch der Honda-Pilot wollte bereits nach der 16. Runde die Zielflagge gesehen haben. So wurde zu Schultens Gunsten zunächst der Stand nach 16 Runden als Ergebnis ausgerufen, dies später aber wieder zurückgenommen. Was Josef Hofmann und Josef Meyer, die Chefs des Alpha-Technik-Teams, so nicht hinnehmen wollen. Es wird zu einer Sportgerichtsverhandlung kommen. Ohnehin ist fraglich,
ob die Meisterschaftstabelle in ihrer aktuellen Form lange Bestand haben wird. Denn kurz nach Redaktionsschluss dieser MOTORRAD-Ausgabe wird zunächst darüber verhandelt, ob der nach dem Ren-
nen am Nürburgring beanstandete Motor von Michael Schulten regelwidrig war oder nicht. Sollte Ersteres der Fall sein, verliert Schulten mindestens 20 IDM-Punkte.
Auch bei den Supersportlern könnten sich noch nachträgliche Veränderungen des Meisterschafts-Stands ergeben – wenn Kawasaki-Teamchef Stefan Prein außerhalb der Gerichtsbarkeit des Deutschen Motor Sport Bunds (DMSB) damit Erfolg hat, seinen Piloten Kai-Børre Andersen für das Rennen am Eurospeedway Lausitz auf Platz eins zu hieven, weil der momentan als Sieger geltende Arne Tode einen Frühstart fabriziert haben soll. In Salzburg fehlte Tode wegen einer Verletzung, Andersen stürzte auf dem von Nina Prinz bei einem Abflug in der Schikane verteilten Kies, Titelverteidiger Werner
Daemen rutschte dort ebenfalls übers Vorderrad aus. Blieb von den drei Favoriten der Supersportler nur Herbert Kaufmann, der seine Yamaha mangels ebenbürtiger Konkurrenz mit sagenhaften 17 Sekunden Vorsprung als Sieger ins Ziel steuerte.
Enger ging es bei den 125ern zu, wo die beiden KTM-Piloten Michael Ranseder und Stefan Bradl den Ton angaben. Ranseder überholte seinen jüngeren Teamkollegen in der letzten Runde mit einem Trick, den der nicht erwartet hatte. Bradl nahm’s sportlich: »Er hat mehr Erfahrung, noch kann er seine Rennen besser einteilen als ich. Aber ich lerne von ihm...« abs

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