Straßenschäden: Reportage (Archivversion) Größte Gefahr: Bitumenschmiererei

Schlaglöcher, Kanaldeckel, Dehnungsfugen aus Stahl - alles schlimme Fallen für Motorradfahrer. Doch am gefährlichsten sind Schmierereien mit Bitumenmasse, ursprünglich dafür gedacht, kleinere Straßenschäden notdürftig zu raparieren. Seit die Behörden in akute Finanznot geraten sind, lassen sie dieses billige Material großflächig auftragen. Schon nach kurzer Zeit wird es rutschig wie Schmierseife, nachzulesen in einer Studie des Instituts für Zweiradsicherheit (IfZ) und der TU Aachen. Bei Nässe - und da sind diese Ausbesserungen eh kaum zu erkennen - beläuft sich der Reibwert von Bitumen gerade mal auf ein Drittel von dem normalen Asphalts, der Bremsweg verdoppelt bis verdreifacht sich, Schräglagen finden schon bei bescheidenen 15 Grad ihre Haftgrenze. Bei Tests auf einer Kreisbahn ließ auf Bitumenstreifen die Seitenführungskraft vorn rapide nach, hinten rutschte das Rad weg, und der Kurvenradius vergrößerte sich immens. Im Straßenverkehr wäre die Maschine auf der Gegenfahrbahn gelandet. Die gebotene Sicherheit, so heißt es in der Studie, ist nur durch Abfräsen und Aufbringen einer einheitlich neuen Deckschicht gewährleistet. Wie optimale Fahrbahnen für Motorradfahrer aussehen müßten, haben die Spezialisten des IfZ penibel erarbeitet. Ihr Praxisheft »Motorradfreundlicher Straßenbau« schlägt einen großen Bogen von der Unfallstatistik über die Trassierung der Strecken bis hin zur Analyse der verwendeten Beläge. Sollte - trotz Ebbe in der Kasse - in keinem Straßenbauamt fehlen: für 5 Mark plus Porto zu kriegen bei IfZ, Postfach 120 288, 45314 Essen.

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