Stunt-Europameisterschaft (Archivversion) Stunt-Gas

Beim dritten Lauf zur Europameisterschaft der Stuntfahrer in Italien trumpften die Stars der Szene auf. Allen voran der Brasilianer AC Farias, der den freihändigen Wheelie ganz locker beherrscht. »No fear«, keine Angst steht auf seiner Honda CBR 600 geschrieben.

Funken sprühen. Der Bügel am Heck der Honda streift den Asphalt, das Vorderrad den Himmel. AC Farias spielt mit Gas und Bremse, bis der Hinterreifen der CBR 600 wieder Grip bekommt und qualmt. Der Brasilianer, 1998 Europas bester Stuntfahrer, schaltet den Motor aus und gleitet geräuschlos im senkrechten Wheelie dahin. »Das ist das höchste«, schwärmt Ricky Angerer, Fan von Farias und einziger deutscher Pilot bei der European Stuntriding Championship.Deren ersten Durchgang im norditalienischen Osoppo schauen sich kaum 200 Menschen an. Angesichts von 25 000 Motorradfahrern, die sich auf dem nahegelegenen Biker Fest tummeln (siehe Kasten), eine herbe Enttäuschung für die Fahrer. »Wenn dir viele Leute zujubeln, gibt dir das den letzten Kick, und du bringst viel mehr«, sagt Craig Jones. Kollege Jimmy Fireblade sieht«s genauso: »Das Publikum ist die Show.« Vor dem zweiten Lauf braten die Stuntfahrer durch die Stadt, zeigen Wheelies und Burnouts. Das wirkt: »Mondo pazzi«, verrückte Welt schreien 2000 begeisterte Italiener beim zweiten Durchgang. Was nicht nur AC Farias anspornt. Seine CBR 600 reckt ihr Hinterteil in die Höhe. Eine halbe Ewigkeit. Dann neigt sich das Heck. Wie in Zeitlupe. Bis das Hinterrad sanft den Asphalt berührt. Die Honda steht. Ohne daß Farias die Füße von den Rasten nimmt. »Da kannst du nicht mal neidisch werden. Der fährt einfach göttlich«, seufzt Iris Masuch, Sozia von Ricky Angerer. Trotz seines Sieges in Osoppo hat der Brasilianer 1999 keine Chance auf den Titel. Bei der ersten Runde der EM fehlte der 35jährige wegen einer Rückenoperation, bei der zweiten gewann er nicht wie üblich, was Gattin und Sozia Mònica Batalla-Olivé mehr als unfair findet. Aus einem Grund: Ähnlich wie beim Eiskunstlauf bewerten Richter technische Schwierigkeiten der Stunts, aber auch die Präzision ihrer Ausführung. Sind die Punkte verteilt, droht Ärger. »Die Jury urteilt subjektiv«, kritisiert Farias. Nach drei von vier EM-Läufen heißt der vorläufige Sieger, der in Osoppo auf dem zweiten Platz landete, Kevin Carmichael. Der Schotte, bereits 1997 Europameister, ist auf eins stolz: »Ich habe AC Farias einmal geschlagen.« Craig Jones, die Nummer drei in Italien, mischt bei der englischen Stunttruppe Westcoast mit: »Das ist Anarchie. Die Motorräder sind für so was nicht gebaut. Die Leute lieben Action, Lärm und Rauch«, lacht der Mann, der früher nur seine Kumpels vor der Kneipe beeindruckte, seit zwei Jahren aber auf einer Suzuki GSF 1200 vorn mitturnt. Gestrippte japanische Vierzylinder-Bikes, die für die Wheelies kürzer übersetzt sind, favorisieren alle. »Bei einer Ducati würde das Öllampchen leuchten, wenn du 200 Meter auf dem Hinterrad fährst«, meint Angerer. Während die drei besten Piloten von Bike-Akrobatik leben, mehrere Motorräder bei ihren Shows verschleißen und auf Flugplätzen üben, haben´s die Stuntrider ab dem vierten Platz schwerer. Ohne große Sponsoren ist der Spaß teurer und gefährlicher. Der Motorradmechaniker Ricky Angerer trainiert auf einem stillgelegten Stück Bundesstraße. »Immer am Rande der Legalität.« Jeden Tag geht ein Hinterreifen drauf, die Kupplung hält auch nicht lange. Das kostet. Worunter der Lastwagenfahrer Milan Rozsypal leidet. Der 29jährige Tscheche, der im Job nicht viel verdient, hofft auf die große Karriere. Sein bester Trick: Auf metallenen Kufen rutscht er neben seiner Yamaha YZF 1000 her. Zweimal läßt er los. »Das ist wahnsinnig schwer«, finden die Kollegen, weil das Motorrad schneller ist. Was ins Auge gehen kann. Seinen Rückenprotektor verunziert eine tiefe Schramme - die Fußraste hatte sich bei einem Sturz eingehakt. Für künftige Stuntfahrer hat er einen Tip: »Keine Angst haben.“

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