Super-Moto-DM-Finale in Stendal (Archivversion)

Fang den Bosch

Die Chancen standen gut, den verletzten Star-Drifter Thierry van Bosch noch abfangen zu können. Doch was der Konkurrenz vom DM-Titel 2001 blieb, war nur die enttäuschte Hoffnung.

Thierry van den Bosch ist Linkshänder. Aber das Gas ist rechts. Was Thierry nicht daran hindert, ganz gewaltig am Gasgriff zu drehen. Normalerweise. Doch derzeit mag sich der uneingeschränkte Herrscher der Super-Moto-Ringe überhaupt nicht auf seine Rechte verlassen: Seit einem Sturz beim EM-Lauf im belgischen Mettet vor zwei Monaten schleppt sich der Franzose mit gerissenen Bändern am rechten Schlüsselbein von Rennen zu Rennen. Krank feiern gibt´s nicht. Denn der 26-Jährige, der im vergangenen Jahr den Hattrick mit Titeln in der Europameisterschaft, im französischen Championnat und der DM geschafft hat, gilt in der Szene als gut – und teuer. Und für die fetten Prämien, die dem hochprofessionellen Gallier im Winter seinen Wechsel von Husqvarna zu KTM versüßten, muss er kräftig Rennkilometer schrubben. Der zweite Hattrick ist fest im Plan.Doch der rechte Flügel des Königsadlers ist lahm. So lahm, dass der gelernte Winzer beim DM-Finale auf dem Flugplatz von Stendal, etwa 180 Kilometer nordwestlich von Berlin gelegen, nicht einmal zum Beute spähen ausfliegen konnte. Zwei der drei Trainings sowie das Warm-up ließ er aus, und selbst im Zeittraining mussten sechs Runden genügen. Den Rest der Zeit verbrachte der Wunderknabe aus der Gascogne im Behandlungszimmer eines ortsansässigen Physiotherapeuten.Denn obwohl die Titel-Konkurrenz im Lauf der Saison auf die hausinternen Mitstreiter Klaus Kinigadner und Jürgen Künzel zusammengeschrumpft war, gibt man als Champion nur ungern etwas ab. Und schon gar nicht die DM-Führung im Endspurt. Selbst wenn – Hand aufs Herz – die meisten Fans sich sicherlich gern eine Abwechslung der erdrückenden Omnipräsenz des Franzosen gewünscht hätten. Kini for president, zum Beispiel. Bereits die vergangenen beiden Jahre musste sich der Charmeur aus dem Zillertal Monsieur van den Bosch beziehungsweise dessen Vorgänger im DM-Chefsessel, Harald Ott, nur unglücklich geschlagen geben. Oder auch Jürgen Künzel. Der 26-jährige Heidenheimer, dem seit dieser Saison als erstem Super-Moto-Profi Deutschlands ein kleiner Absatz in der hiesigen Motorradsport-Geschichtsschreibung sicher ist, sägt, seitdem das Schrägbremsen die Frühstücksbrötchen finanziert, permanent an Thierrys Regentenstuhl.Oder eben nicht. Denn genau 80 Meter nach dem Start zum ersten Lauf zerbarsten die vereinten Hoffnungen auf den Betonplatten von Stendal. Kini und Jürgen rumpelten ineinander, Thierry setzte sich an die Spitze. Und weil das deutsche Gesundheitswesen offensichtlich noch immer fähiges Personal hervorbringt, hielt der Gallier durch. Ein klarer Sieg beendete alle weiteren Spekulationen. Der Titel war der seine. Der erste für KTM obendrein.Weil Thierry es für den zweiten Lauf dabei beließ und sich mit dem Arm in der Schlinge als Zuschauer genüsslich an den Streckenrand stellte, durften auch mal andere ran. Kini beispielsweise. Ein verdienter Sieg tröstete über entgangene Meisterfreuden wenigstens ein ganz klein wenig hinweg. Und obendrein sicherte er den zweiten DM-Platz. Weil Jürgens dritter DM-Rang nach dem ersten Heat – dort fuhr der ehrgeizige Neo-Profi immerhin vom letzten auf den fünften Rang nach vorn - längst fix war, ließ es auch der Wahl-Sachse ruhig angehen und strich nach einigen Konzentrationsfehlern sicherheitshalber die Segel. Wenigstens freuten sich Achim Trinkner und Dani Müller. Der Eidgenosse Müller auf der 530-cm³-Viertakt-Yamaha über einen toll erkämpften zweiten Rang in Lauf eins und der Schwabe Trinkner auf der Husqvarna über zwei stramme Plätze auf dem Podium: als Zweiter und Dritter und damit Position vier in der finalen Rangliste vor dem an einem gebrochenen Mittelhandknochen laborierenden Belgier Eddy Seel. Und die Fans? Die freuten sich in Stendal über eine gelungene Super-Moto-Premiere – die trotz brütender Hitze gleich ein furioses Finale war.
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Super Moto-DM-Finale Stendal: Reportage (Archivversion)

ErgebnisseEndstand DM1. Thierry van den Bosch (F) KTM 216 2. Klaus Kinigadner (A) KTM 213 3. Jürgen Künzel KTM 171 4. Achim Trinkner Husqvarna 130 5. Eddy Seel (B) Husqvarna 108 6. Meik Appel KTM 96 7. Eric Delannoy (B) Husqvarna 94 8. Hannes Maxwald (A) KTM 82 9. Jens Hainbach Husaberg 70 10. Dirk Spaniol Suzuki 59Endstand Cup1. Marc-Oliver Nemeth KTM 1432. Bernd Hiemer Husqvarna 873. Michael Paul (B) Husqvarna 804. Oliver Lembeck Kawasaki 675. Timo Heinze Husqvarna 546. Steve Lemarchand (F) Husqvarna 507. Jürgen Löffler Kawasaki 508. Mike Facius Kawasaki 449. Michael Boes Husaberg 4210. Mario Nonnenmacher Kawasaki 34Endstand 250/4001. Dirk Spaniol Suzuki 2102. Dirk Blask Honda 1833. Joachim Bauer VOR 1544. Michael Schneider Suzuki 1245. Jörg Szillat Husaberg 1176. Marco Zielinski Suzuki 1027. Steffen Jung Suzuki 998. Marcel Dräger Husqvarna 859. Peter Jost Yamaha 8410. Karl Thoma Yamaha 83

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