Super-Moto-DM in München (Archivversion)

Und er kummt net

Drei Punkte Differenz zwischen den Titelaspiranten und ein Finale vor vollem Haus. Es hätte das Rennen des Jahres geben können – doch Eddy kam nicht.

Er war einfach weg. Schlimmer noch, beide waren plötzlich weg. Eddy Seel und der DM-Titel. Nein, drei waren weg. Denn sogar das charakteristisch-schelmische Lächeln des deutschen Husqvarna-Importeurs Jose Zupin war beim Finale zur Super-Moto-DM in München verschwunden. Eine Zeit lang jedenfalls. Begonnen hatte alles schon zwei Monate früher. Seel, Zupins Starverpflichtung für die DM-Saison, hatte zunächst die hiesige Serie weitgehend dominiert. Nur einen einzigen von sechs möglichen Laufsiegen musste der Belgier seinem härtesten Rivalen, Jürgen Künzel, auf KTM überlassen. Dann kam Stuttgart und damit die erste Termin-Kollission mit dem Auftakt zu der in dieser Saison neu geschaffenen Super-Moto-WM in Belgien. Weil Seel bis dahin so brav gewonnen hatte und außerdem neben lokaler Nestwärme auch auf das saftige Preisgeld in der WM hoffte, gab’s Wochenend-Ausgang für den Heimauftritt. Schwabe Künzel wusste, was zu tun war, und glich mit zwei Siegen die Punktebilanz aus. Der Kampf um den Titel war wieder offen. Drei Punkte Vorsprung trennten vor dem finalen Schlagabtausch letztlich den Herrn in Orange-Schwarz vom Widersacher in Blau-Gelb. Dann kam München. Der Showdown auf der Intermot, der weltgrößten Motorrad-Messe. Das Finale vor den Augen vieler Tausend Fans und den Bossen der Branche. Und wieder legten sich die Organisatoren der WM mit der hiesigen Serie an und terminierten zeitgleich WM-Lauf Nummer drei in Frankreich. Aber allen war klar: Dieses Mal kommt Eddy. Doch Eddy kam wieder nicht. Gutes Zureden von Teamchef Zupin half nicht, handfeste Drohungen genauso wenig. Weil sich das italienische Husqvarna-Werk zwar verbal für Zupins Belange einsetzte, die Werksmaschinen letztlich aber doch nach Toulouse karrte, hätte die Meisterfeier schon vor den Rennen auf dem Außenbereich der so genannten Neuen Messe in München-Riem über die Bühne gehen können. So leicht wollte es sich der 27-Jährige aus dem württembergischen Heidenheim allerdings nicht machen. Schließlich war es Künzel gewohnt, aufs Ganze zu gehen. Vor eineinhalb Jahren ging er in der in Deutschland ausschließlich von Amateuren betrieben Disziplin zum Generalangriff über. Der gelernte Konstruktionsmechaniker kündigte den Job, löste eine französische Lizenz, um sich in der fahrerisch starken gallischen Liga den letzten Schliff zu holen und avancierte subito zum Frontman der deutschen Drifterszene. Und selbst aus Differenzen mit seinem bisherigen Arbeitgeber, dem MiZu-Sebring-Team, zu Beginn dieser Saison ging der Ex-Crosser gestärkt hervor. Denn anstatt ins Aus beförderten die KTM-Oberen den hoffnungsvollen Twen direkt in die offizielle Werksmannschaft. Was dem Schwaben zwar Prestige, erstklassige Betreuung und jede Menge Testmöglichkeiten einbrachte, ihn aber auch die Schattenseiten der Aufgaben eines Werksfahrers kennen lernen ließ – denen, gelegentlich das Versuchskaninchen für technische Neuerungen zu spielen. So ging die fast makellose Siegesserie von Eddy Seel nicht ganz allein auf die Kappe des zweifellos fixen Wallonen, sondern auch auf die eines öfters kaum noch schaltbaren Versuchsgetriebes an Künzels 700-cm³-Rennmotor.Sei’s drum. Der Meistertitel ist seiner – und er sollte vor der Münchener Kulisse entsprechend präsentiert werden. Was nach einem Fauxpas im ersten Lauf, in dem Künzel nach einer Karambolage nur auf Platz acht einlief, wenigstens im zweiten Heat perfekt gelang. Nach einem gelungenen Start distanzierte der Champion die Kollegen wahrhaft meisterlich. Weil ganz vorn in jeder Beziehung alles klar war, durften sich die Fans auf den zum Platzen gefüllten Zuschauerrängen derweil schon mal in Ruhe den Meister von Morgen anschauen. Und der heißt Bernd Hiemer. Der erst 19-jährige Allgäuer, der im vergangenen Jahr noch im Nachwuchs-Cup antrat, geht gut und gern als die Entdeckung des vergangenen Jahrzehnts in Deutschland durch. Immer konzentriert und zudem mit einem ausgeprägten Gespür für die Feinheiten des Super-Moto-Fahrstils gesegnet, driftet keiner so lässig wie der Elektriker – und kaum einer so effizient. Zwei Mal Platz zwei in der bayerischen Metropole – eien absolute Sensation.Die Meister Zupin ganz sicher über die Schmach des Seel’schen Fehlens hinweghalf. Umso mehr, als er den Teenager erst kurz vor dem Rennen für zwei Jahre verpflichtet hatte. Und – wenn schon, denn schon – klebte sogar der zweite Belgier im Husqvarna-Team, Eric Delannoy, ein weiteres Pflaster auf die wunde Seele. Mit einem sauber herausgefahrenen Sieg im ersten Lauf sicherte sich der nette Profi aus Lüttich neben den Sympathien des Hauses auch den hart umkämpften vierten Platz in der Super-Moto-DM. Auf den hatte es eine ganze Reihe von Fahrern abgesehen. Ex-Meister Harald Ott, der in der Nachbarschaft von Jürgen Künzel in Heidenheim wohnt, zeigte auf einer privaten KTM erstaunliche Konstanz, die Ränge drei und vier reichten aber nicht für den Platz an der Sonne. Der Anwärter Nummer zwo, Meik Appel, ebenfalls verwehrt blieb. Der Stoppie-Weltrekordhalter aus dem MiZu-Sebring-Team überschlug sich im Training haarsträubend und konnte von Glück sagen – zwar nur mit DM-Platz sieben –, lediglich mit einem gebrochenen Mittelhandknochen davongekommen zu sein. Ganz zu schweigen vom dritten Aspiranten, Achim Trinkner. Der Schwabe, dessen Saisonstart so fulminant gewesen war, haderte von Rennen zu Rennen mehr mit seinem Schicksal und stürzte in München letztlich auf den achten DM-Platz zurück.
Anzeige

Super Moto-DM München (Archivversion)

Ergebnisse1. Lauf1. Eric Delannoy (B) 17.09,518 Husqvarna2. Bernd Hiemer - 1.078 Husqvarna3. Marcel Götz (CH) - 7,208 KTM4. Harald Ott - 9,598 KTM5. Michael Paul (B) - 15,375 Husqvarna6. Dani Müller (CH) - 21,777 Yamaha7. Joachim Bauer - 22,047 Husaberg8. Jürgen Künzel - 23,073 KTM9. Michael Hirschi (CH) – 24,808 KTM10. Jochen Jasinski - 25,347 Yamaha2. Lauf1. Jürgen Künzel 17.56,578 KTM2. Bernd Hiemer - 11.080 Husqvarna3. Harald Ott - 14,678 KTM4. Eric Delannoy (B) - 15,082 Husqvarna5. Hannes Maxwald (A) – 23,145 KTM6. Marcel Götz (CH) - 24,244 KTM7. Beat Gautschi (CH) - 28,232 KTM8. Gerald Schollar (A) - 28,444 Honda9. Dani Müller (CH) - 29,071 Yamaha10. Michael Paul (B) - 29,390 HusqvarnaDM-Endstand1. Jürgen Künzel KTM 2562. Eddy Seel (B) Husqvarna 2203. Klaus Kinigadner (A) KTM 1644. Eric Delannoy (B) Husqvarna 1615. Harald Ott KTM 1516. Bernd Hiemer Husqvarna 1337. Meik Appel KTM 1238. Achim Trinkner Husqvarna 1119. Michael Paul (B) Husqvarna 7710. Jens Hainbach Husaberg 51

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote