Super-Moto-DM in Schleiz (Archivversion)

Eins bleibt eins

Es war vieles ganz anders, diesmal auf dem Schleizer Dreieck. Nur eines blieb gleich: Der französische Driftkönig Thierry van den Bosch (1) ist der Chef in den Super-Moto-Ringen – und bleibt es auch auf absehbare Zeit.

Man kann ihn sich gut vorstellen, wie er zu Hause in der Gascogne zwischen den Reben steht und die Triebe zurechtstutzt. Alles nur für ein Ziel: »Die besten Weine der Welt zu erzeugen«, wie Thierry van den Bosch die Lebensader der Region südlich von Bordeaux umschreibt. Stets das Beste, diese Einstellung muss der gelernte Winzer verinnerlicht haben. Auf dem Weingut seiner Eltern und in seinem Job als Super-Moto-Profi. Seit der kleine Franzose auf den gemischten Pisten antritt, bleibt für die Konkurrenz nur die zweite Wahl.Und das überall in Europa. Schon im vergangenen Jahr gelang der Hattrick: Europameister, Französischer Meister und Deutscher Meister. Doch die Hoffnung bleibt – für die Jungs am Gasgriff und für die Jungs in der Schaltzentrale in Schleiz. Das Schicksal hatte es mit dem ehemaligen Vorzeige-Straßenrennen in Thüringen nämlich nicht gut gemeint. Weil auf dem über öffentliche Straßen führenden Dreieckskurs die allzu nahe stehenden Bäume und Hausecken ihre Schatten auf die Seelen selbst der wagemutigsten Straßenrennfahrer werfen, besinnt man sich dort seit einiger Zeit auf neue Wege.Und genau auf diese freute sich die Super-Moto-Liga. Denn auf dem Start/Ziel-Areal konnten sich die Drift-Künstler endlich einmal austoben. Ganz unbewusst schwang sogar ein wenig Tradition mit. Aus dem großen Dreieck wurde ein kleines. Für Ortskundige: Boxengasse hoch, eine Querverbindung im Gelände hinter den Buchhübel-Tribünen, Startgerade entgegen der üblichen Rennrichtung zurück. Weil die Quertreiber mittlerweile einen guten Ruf haben, ließen sich auch die Fans nicht lumpen. Gut 6000 waren´s bei der Premiere. Mehr als sich die Szene erhofft hatte und eine feine Basis für die Zukunft. Was den Freaks beim Super-Moto-Stapellauf geboten wurde, gibt Stoff für viele Geschichten an den Motorrad-Stammtischen der Region. Klar, Thierry siegte. Zwei Mal. Doch auch an das, was dahinter kam, erinnert man sich gern. An Jürgen Künzel zum Beispiel. Der 26-jährige Heidenheimer, mit dem Vize-EM-Titel hinter van den Bosch im vergangenen Jahr bereits hoch dekoriert, will sich mit der Dominanz des Galliers absolut nicht abfinden. Wie besessen verbiss sich der Mann aus der MiZu-Sebring-Truppe am Hinterrad seines KTM-Markenkollegen. Erst ein paar kleine Unkonzentriertheiten im ersten Lauf und ein Plattfuß im zweiten Durchgang verbannten den ehrgeizigen Schwaben endgültig hinter Monsieur Thierry. Beeindruckend auch die Vorstellung von Klaus Kinigadner. Der immer freundliche Österreicher kämpfte sich auf Position zwei und drei und liegt – Thierrys Kupplungsproblem beim DM-Auftakt in Schaafheim sei Dank – im Gesamtklassement nur einen einzigen Punkt hinter seinem Teamkollegen. Für Hochspannung sorgten auch Eddy Seel und Achim Trinkner. Eddy, weil sich der Belgier im zweiten Lauf mit Kini ein Duell um Leib und Leben lieferte, bis auch ihn ein Plattfuß an seiner Husqvarna in der vorletzten Runde zur Mäßigung zwang. Achim, weil der in Lauf eins einen feinen vierten Platz einheimste und in Lauf zwei nach einem Sturz am Start eine Aufholjagd lieferte, mit der der Schwabe zum Liebling der Massen avancierte.Nicht zu vergessen Showstar Meik Appel, der nach dem Rennen zwar an die Fans, während der Rennen aber oft nicht genug an sich selbst denkt. Was ihm in Schleiz offensichtlich beides gelang: Rang drei im zweiten Heat. Und wenn im Lauf der restlichen Saison die VOR-Mannen Mika Sironen und Toni Sedlacek noch ein paar Pferdchen in ihren italienischen Flitzern gefunden haben, die Husaberg-Fraktion Stéphane Duchène und Jens Hainbach ihren Schwedenstahl vor vorzeitigem Exitus schützen sowie die Suzuki-Jungs Dirk Spaniol und Michi Schneider ihren schwachbrüstigen 400-cm³-Aggregaten endlich den überfälligen 480er-Kit überstülpen, dürfte es auch im kommenden Jahr wahrscheinlich sein, dass der Geometrie zumindest in Schleiz ein Schnippchen geschlagen wird. Wenn es rund geht - im Dreieck.
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Super Moto-DM Schleiz: Reportage (Archivversion)

1. Lauf:1. Thierry van den Bosch (F) KTM2. Jürgen Künzel (Heidenheim) KTM3. Klaus Kinigadner (A) KTM4. Achim Trinkner (Löchgau) Husqvarna5. Eric Dellanoy (B) Husqvarna6. Hannes Maxwald (A) KTM7. Meik Appel (Wolfsburg) KTM8. Stéphane Duchène (F) Husaberg9. Mika Sironen (SF) VOR10. Rudy Versteeg (NL) Honda

Super Moto-DM Schleiz: Reportage (Archivversion)

2. Lauf1. Thierry van den Bosch (F) KTM2. Klaus Kinigadner (A) KTM3. Meik Appel (Wolfsburg) KTM4. Eric Dellanoy (B) Husqvarna5. Eddy Seel (B) Husqvarna6. Mika Sironen (SF) VOR7. Jürgen Künzel (Heidenheim) KTM8. Hannes Maxwald (A) KTM9. Dirk Spaniol (Illingen) Suzuki10. Eric Jaquet (B) HusabergDM-Stand 1. van den Bosch 75 2. Kinigadner 743. Künzel 594. Seel 435. Appel 396. Trinkner 347. Maxwald 328. Delannoy 309. Hainbach 2910. Spaniol 27

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