Super Moto-DM in Zweibrücken (Archivversion) Harald & Klaus

Harald Ott oder Klaus Kinigadner? Nur noch zwei Piloten hatten die Chance auf den Titel in der Super Moto-DM: Das Ergebnis: Harald statt Klaus.

Hand aufs Herz - wer hätte denn im Ernst ein anderes Ergebnis erwartet? Eine Super Moto-Saison ohne Harald Ott als Meister? Unvorstellbar – und das schon seit Beginn der Geschichtsschreibung des hiesigen Super Moto-Championats vor vier Jahren. Noch keinen einzigen Titel hat der mittlerweile 31 Jahre alte Schwabe aus Heidenheim seiner Konkurrenz gegönnt. Weder als vor drei Jahren die übermächtig scheinenden Gaststars aus Frankreich in die Schlacht auf den rechtsrheinischen Pisten geschickt wurden, noch als die Mitstreiter mit immer größerem Materialaufwand den kleinen König zu stürzen versuchten - Ottis Festung blieb uneinnehmbar.Wobei der Routinier aus Heidenheim längst nicht mehr als der Schnellste in der Asphalt/Schotter-Driftliga firmiert. Trainingsbestzeiten überlässt er großzügig anderen. Ihm genügt´s, dann vorn zu sein, wenn´s zählt. Das reicht. Denn Stürze, technische Ausfälle oder unkalkulierbare Risiken kennt er nicht. Harald hüpft nicht aus dem Sattel, verliert weder Fassung noch Überblick und startet perfekt. Gaben, die ihm die meisten Unannehmlichkeiten des Rennfahrerlebens von vornherein ersparen - auch beim DM-Finale auf dem vom veranstaltenden MSC Nordsaar völlig neu angelegten Flugplatzkurs in Zweibrücken. Besagtes Unbehagen hätte ihm dort ohnehin höchstens noch Klaus Kinigadner bereiten können. Der KTM-Werkspilot aus dem österreichischen Zillertal gilt als genauso rasant wie unkalkulierbar. Siege bei hochgradig besetzten französischen Meisterschaftsläufen oder zweite Ränge trotz gebrochener Mittelhandknochen bei DM-Meetings, liefert der knitze Haudegen genauso ab wie gelegentliche sportliche Magerkost ohne zusätzlichen körperlichen oder geistigen Stress. Aber immerhin: Nur ihm allein blieb mit 18 Punkten Rückstand nach zehn Läufen noch die Chance, den bislang unangefochten Herrscher Ott zu entthronen.Meik Appel plagten indes ganz andere Sorgen. Als ob sich das göttlich begnadete Fahrtalent nicht zu sehr über den nahezu sicheren dritten DM-Rang freuen sollte, mopsten Bösewichter unlängst Appels gesammeltes Super Moto-Besitztum. Nur die knallgrünen Lederkombi und die zufällig nicht in der Werkstatt untergebrachte Ersatzmaschine blieben der einsame Rest des bis dato noch nicht aufgeklärten Raubzugs. Einziger Trost: Kommenden März sehen der sympathische Meik und Freundin Claudia Elternfreuden entgegen.Weniger gemütlich gestaltete sich die Situation für Jürgen Künzel. Der lebenslustige Schwabe, als Heidenheimer quasi Nachbar von Harald Ott, gilt in der Szene als Mann mit enormem Potential. Gelegentliche Tiefs ließen den Nummer-eins-Piloten von Husqvarna-Deutschland allerdings auf Gesamtrang vier verharren, der ihm in Zweibrücken sogar noch von Achim Trinkner abgeluchst werden konnte. Denn vor dem Finale trennten karge zwei Punkte den aus Löchgau bei Stuttgart stammenden Honda-Piloten von seinem Konkurrenten. Trinkner musste sich wiederum selbst in Acht nehmen. Nachwuchspokal-Sieger Jens Hainbach hatte sich nach seinem Meisterwerk im vergangenen Jahr - der Schottener gewann alle Läufe in der Super Moto-Zweitliga - in dieser Saison bestens im Drifter-Oberhaus eingelebt. Bereits mit dem sechsten DM-Rang hätte der penible Teamkollege von Jürgen Künzel alle Erwartungen übertroffen.Und doch kam einiges anders. Der 40-jährige französische Evergreen Gilles Salvador ließ die deutsche Saison nach einem verpatzten ersten Lauf mit einem nie gefährdeten Sieg in Heat zwei ausklingen. Der emsige Jens Hainbach krallte sich mit zwei perfekten Läufen DM-Position fünf vom mit Getriebeproblemen hadernden Trinkner. Jürgen Künzel ging beherzt zur Sache und ließ mit zwei aufsehenerregenden Rennen keinen Zweifel an den eigenen Fähigkeiten. Meik Appel sicherte mit zwei dezenten, aber vernünftigen Auftritten DM-Platz drei ab.Harald und Klaus? Die beließen es trotz sehenswerter Auftritte - Otti holte sich Platz eins und zwei, Kini Rang drei und vier - bei der Kontinuität in Sachen Super Moto-Geschichtsschreibung. Oder wer hätte denn im Ernst einen anderen Champion als Harald Ott erwartet?

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