Super Moto-DM in Zweibrücken (Archivversion) Eins ist meins–––––

Wie sehr die Konkurrenz auch spekulierte, Harald Ott holte sich beim Finale in Zweibrücken den Sieg in der Super Moto-DM - zum dritten Mal in Folge.

Ich bin mir nicht sicher, ob dies ein gutes Zeichen ist. Lieber wär´mir´s, wenn ich in die Rolle des Verfolgers schlüpfen könnte«, gibt sich Harald Ott vor dem letzten Rennen ungewohnt skeptisch. Wozu der 29jährige Schwabe eigentlich gar keinen Grund hat. Schließlich gilt er im Lager der Super Moto-Cracks gewissermaßen als uneinnehmbare Festung. Nach einigen Saisons der uneingeschränkten Dominanz vielleicht gar nicht mal mehr als die fahrerische Referenz, die er in der Gründerzeit der hiesigen Super Moto-Szene vor fünf Jahren einmal darstellte. Ganz im Gegenteil. Inzwischen muß sich der Honda-Pilot in die Phalanx mindestens von fünf nahezu gleich guten Asphalt/Schotter-Driftern einreihen. Doch - und das wissen die Kollegen alle - wenn´s drauf ankommt, dann sitzt der ehemalige Hallencross-Champion am längeren Hebel. Wenn´s gilt, tut Otti zur rechten Zeit am richtigen Platz das Richtige. So wie vergangenes Jahr, als er dem DM-Leader Meik Appel im allerletzten Lauf noch den DM-Titel abluchsen konnte - mit einem Punkt Vorsprung. Doch diesmal, beim Finale auf der 1200 Meter langen Piste auf dem Flugplatz in Zweibrücken, schien ihm eben alles zu einfach zu sein. Acht Punkte Vorsprung, das müßte locker reichen. Müßte. Denn besagtes Quartett wollte sich ganz und gar nicht mit dem anscheindend unausweichlichen Schicksal der Niederlage abfinden. Auch wenn sich zumindest die Husqvarna-Riege mit dem französischen Stardrifter Boris Chambon und dem Aufsteiger der aktuellen Saison, Jürgen Künzel, vorab bescheiden mußte. Den Weg ganz weit nach vorn hatten sich beide schon drei Wochen zuvor durch Stürze im westfälischen Harsewinkel verbaut, während der dritte Husky-Mann im Bunde, Meik Appel, zwar aufsteigende Tendenz an den Tag legte, sich nach vielen Jahren auf der Zweitakt-Kawasaki aber erst allmählich an den Viertakter des Italo-Renners gewöhnt.Im Gegensatz zur KTM-Truppe. Glücklicherweise. Denn für die Gesandtschaft des österreichischen Herstellers ist im Super Moto längst Schluß mit lustig. Ganz im wirtschaftspolitischen Zeitgeist, der mit einer Klappe möglichst viele Fliegen schlagen möchte, stellten sich die alpenländischen Techniker hinter Zeichenbrett und Werkbank und schraubten bärenstarke Motoren zusammen - im Sommer für die Super Moto-Flitzer, im Winter für die Wüsten-Renner. In der Tat ließ sich die gemischte KTM-Abordnung mit dem französischen Evergreen Gilles Salvador und dem Österreicher Klaus Kinigadner auch nicht lumpen und trat dem Mann von der Schwäbischen Alb in sportlicher Hinsicht des öfteren auf die Füße.Woran sich die Maschine Klaus Kinigadners im Training zum Zweibrücker Showdown offensichtlich zu gut erinnern konnte. Bei einem Sturz schlug der Rahmen des orangefarbenen Renners seinem Herrn derart vehement auf den Fuß, daß gleich alle fünf Mittelfußknochen des Tirolerschen Gebeins zersplitterten. Den Fuß in der Türe zum DM-Titel hatte statt dessen Gilles Salvador. Mit besagten acht Punkten Rückstand auf Rivale Ott besaß der routinierte Gallier durchaus intakte Meisterschaftschancen - wenn der Deutsche bei zwei Laufsiegen Salvadors zumindest einmal nur Dritter werden würde.So blieb Salvador, dem mit 38 Jahren ältesten Fahrer des Felds, nichts anderes als die Flucht nach vorn übrig. Und dies im wörtlichen Sinne. Obwohl Ott auf der vom veranstaltenden MSC Nordsaar piekfein hergerichteten Piste den besten Start erwischte, ließ der Franzose aus dem grenznahen Belfort nichts anbrennen. Als gäbe es kein Morgen, quetschte der Evergreen den Viertakt-Single völlig querstehend in die Kehren und bei passender Gelegenheit an Ott vorbei. Doch die erwartete letzte Rettung von Landsmann Chambon blieb aus. Rundenlang hatte sich der 20jährige Franzose an Teamkollege Meik Appel aufgerieben, war endlich am immer mehr erstarkenden Wolfsburger vorbei, nur um erkennen zu müssen, daß die Lücke zum rasenden Führungsduett längst zu groß geworden war, um Herrn Ott noch vom zweiten Platz verdrängen zu können. Was Spannung und Gemüter vor dem zweiten Lauf zum Siedepunkt brachte. Doch wieder war es Ott, der seine 500er Zweitakt-Honda zuerst in die erste Rechtskurve trieb. Und diesmal sollte sich Salvador an dem ausgebufften Tierfreund - der 29jährige besitzt ein gezähmtes Wildschwein - die Zähne ausbeißen. Wie immer es der KTM-Treiber auch versuchte, der so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk agierende Ott wich nicht einen Millimeter von der Ideallinie ab. Nach knapp 18 Minuten war der Spuk vorbei. Ott holte sich mit dem Sieg seinen dritten DM-Titel in Folge. Was dem Mann aus Heidenheim Lust auf mehr macht - ganz im Gegensatz zum letzten Jahr übrigens, als Ott nach dem DM-Sieg seinen Rücktritt bekanntgab.

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