Super Moto-DM––––– (Archivversion) Rutsch-Fest

Wer rutscht, der flutscht? Boris Chambon (3) schon. Der Franzose feiert derzeit seine Tabellenführung in der Deutschlands oberster Drifter-Liga.

»Da draußen herrscht ja Krieg«, schnaubt Warren Edwards, als er sich im Heilbronner Fahrerlager schweißtriefend aus dem ungewohnten Lederkombi schält. Dabei ist der Brite - zumindest was motorradsportlichen Nahkampf angeht - durchaus einiges gewohnt. Schließlich balgt sich der 27jährige Londoner jeden Winter überaus erfolgreich durch Deutschlands Supercross-Getümmel. Einige Großtaten in diesem Metier bescherten Edwards denn auch die Wild card für einen Startplatz in der Super Moto-Inter-DM - und damit die schmerzliche Erfahrung, daß ein Zweikampf um Platz 20 noch viel, viel schlimmer sein kann als ein verpatzter Doppelsprung.Und doch ist Seiteneinsteiger Edwards ein unfreiwilliger Indikator für die rasante Entwicklung im Super Moto-Metier. Denn spätestens seit Beginn dieser Saison darf sich Deutschlands oberste Drifter-Liga als die bestbesetzte Super Moto-Meisterschaft Europas titulieren. Mit den Franzosen Boris Chambon und Gilles Salvador, dem Schweizer Beat Gautschi, dem Österreicher Klaus Kinigadner, dem Finnen Mika Sironen und dem Belgier Eric Jaquet machen gleich sechs Super Moto-Landesfürsten der hiesigen driftenden Ehrengarde das schwarz-rot-goldene Zepter streitig. Gleich ob beim DM-Auftakt auf der Kartpiste in Schaafheim, dem Flugplatz-Auftritt im sächsischen Großenhain oder dem City-Rennen in Heilbronn, noch nie mußte sich der sieggewohnte zweifache Regent Harald Ott seiner Haut so erwehren. Selbst der Doppelsieg in Großenhain mag die ungewohnte Schmach des neunten und dritten Platzes in Schaafheim und zwei vierter Ränge in Heilbronn kaum zu schönen. Zumal der seitherige Hofstaat Lunte gerochen hat. Allen voran: Boris Chambon. Seit der deutsche Husqvarna-Importeur, für den der 22jährige aus Avignon die Husky-Flagge hochhält, per radikaler Bonus-Abstufung der Gage das spielerische Gemüt des Südfranzosen um den notwendigen rennsportlichen Ernst erweiterte, läßt´s Klein-Boris gnadenlos krachen. Mit einem Sieg, drei zweiten und zwei sechsten Plätzen driftete der Gallier denn auch zur aktuellen Tabellenführung.Gefahr droht außerdem von der KTM-Riege mit Monsieur Salvador und den Herren Kinigadner und Gautschi. Mit dem Vorteil der neuen, bärenstarken Doppelnocken-Motoren (siehe Kasten) reitet das Trio Attacke um Attacke. Und wenn deren Starts demnächst so ausfallen wie die fahrerischen Auftritte, dürften die Tabellenplätze vier, fünf und sechs ohnehin nur noch als Basislager zum Gipfelsturm anzusehen sein - sofern etwaige Super Moto-Machtansprüche in Heidenheim nicht vorab negativ beschieden werden sollten. Denn in dem Städtchen auf der Schwäbischen Alb, etwa 50 Kilometer nördlich von Ulm gelegen, residiert neben Super Moto-Exzellenz Harald Ott auch die Entdeckung der aktuellen Saison, Jürgen Künzel. Der 23jährige, der - wie auch anders - über Nachbar Ott erst vor drei Jahren zum Super Moto-Sport gekommen ist, läßt´s in diesem Jahr fliegen wie ein Alter. Schon beim DM-Auftakt in Schaafheim feierte der Schwabe, der auf der letztjährigen Husky Chambons antritt, einen Laufsieg, um nach einem Durchhänger in Großenhain in Heilbronn mit dem Gesamtsieg wieder zuzuschlagen.Nur einer hadert derzeit mit seinem Schicksal: Meik Appel. Der Vizemeister des letzten Jahres und Stoppie-Held kommt nach einer winterlichen Schulteroperation und dem Wechsel von Kawasaki zu Husqvarna nur schleppend in die Gänge. Zu mehr als Tabellenplatz sieben reichte es auf dem noch immer ungewohnten Viertakter einfach nicht.Insofern muß der Wolfsburger achtgeben, daß die lauernden Vasallen nicht den Aufstand im Kleinen proben. Denn ob Underdog Achim Trinkner auf der 500er Honda, der dritte Franzose im DM-Bunde, Stéphane Duchène auf der 380er Zweitakt-KTM, der hochmotivierte Schweizer Dani Müller auf einer bildschönen 550er Zweitakt-Yamaha oder Newcomer Achim Lohse - lange gefackelt wird im Super Moto-Metier nicht. Denn sie alle wissen längst, daß da draußen Krieg herrscht.

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