Super Moto Hockenheim (Archivversion)

Bruder Leichtfuß

Weil Brüderchen Boris unpäßlich war, sprang Stéphane Chambon kurzerhand ein und holte den Sieg beim Auftakt zur Super Moto-Inter-DM in Hockenheim.

Die Stimmung in der Menschenmenge hatte ihren Siedepunkt erreicht. Urplötzlich schien die Zeit im Hockenheimer Motodrom um ein dreiviertel Jahr zurückgedreht. Zurück in den letzten Sommer, als die völlig begeisterten Fans den Kultrockern Rolling Stones mit einem Sprechchor-Stakkato einen Hit nach dem anderen von den Lippen rangen.Doch die Stars hießen diesmal nicht Mick Jagger oder Keith Richards, sondern Stéphane Chambon und Meik Appel. Statt mit E-Gitarre und Schlagzeug inszenierten die beiden ihre Auftritte ganz profan, aber mindestens genauso spektakulär auf ihren Super Moto-Rennern. Und dies zumindest in Hockenheim nicht zum ersten Mal. Bereits drei Jahre gastiert der Super Moto-Troß quasi im Doppelpack mit den weltbesten Superbikern im badischen Motorsportstadion. Von Beginn an mit Erfolg.Doch fieberten die Motorradsport-Freaks nicht nur den inzwischen obligatorischen, fast bühnenreifen Stunt-Shows der Asphalt/Schotter-Drifter nach den Trainings und Rennen entgegen. Auch der rein sportliche Auftritt der Super Moto-Cracks versprach einiges. Denn schließlich hatten die Motorradsport-Oberen zum Saisonwechsel aus dem Schmelztiegel des bislang etwa 100köpfigen Super Moto-Felds die knapp 30 besten Allrounder herausgefiltert, um einzig und allein diese um die neugeschaffene Internationale Deutsche Super Moto-Meisterschaft buhlen zu lassen. Just zur Ouvertüre in Hockheim sollte allerdings ausgerechnet die französische Motorradsport-Föderation, von der die hiesige Super Moto-Szenerie gewissermaßen ihren genetische Prägung erfuhr, ihrem germanischen Ableger übel mitspielen. Denn zeitgleich mit dem Hockenheimer Auftritt inszenierten die Gallier im grenznahen Metz einen Lauf zur eigenen nationalen Meisterschaft - und verbannten den Husqvarna-Deutschland-Vertragsfahrer Boris Chambon, ursprünglich als Doppelstarter in der französischen und deutschen Meisterschaft vorgesehen, auf heimisches Terrain.Glück nur, daß Brüderchen Stéphane, selbst fünffacher französischer Super Moto-Champion und mittlerweile Ducati-Superbiker mit einigen WM-Punkten, dem befremdeten deutschen Husky-Importeur, nicht zuletzt auch zur innerfamiliären Schadensbegrenzung, seine Dienste anbot. Mit Erfolg. Der 30jährige Winzling aus Avignon chauffierte nicht nur seine Duc in Superbike-Lauf eins auf Rang 14, sondern prügelte Minuten später auch die Husqvarna eindrucksvoll zum nie gefährdeten Start-Ziel-Sieg.Durchaus noch in Sichtweite von Herrn Chambon zeigte sich die bisherige deutsche Super Moto-Rangfolge durcheinandergewirbelt. Denn ganz ungewohnt beharkten sich hinter Monsieur Chambon nicht die Urgesteine der deutschen Super Moto-Szene, Beat Gautschi und Harald Ott, sondern zwei Newcomer, die bereits in dieser Saison die bisherige Hackordnung in der Super Moto-Riege auf den Kopf stellen könnten - Meik Appel und Achim Trinkner. Zumindest ersterer dürfte mittlerweile auch in weniger sportinteressierten Kreisen schon zum Begriff geworden sein. Oder besser zum Inbegriff fahrerischer Hochkultur. Wobei der 26jährige Kawasaki-Pilot aus Wolfsburg - unter anderem Weltrekordhalter im Vorderrad-Stoppie - inzwischen nicht nur im Showteil den Regeln gewöhnlichen menschlichen Balancegefühls zu entfliehen scheint, sondern sein Talent in Hockenheim auch zur rasanten Fortbewegung auf dem etwa 2000 Meter langen Super Moto-Parcours nutzte und sich mit Rang zwei das bislang beste Super Moto-Ergebnis seiner Karriere erstritt. Trotz allem aber nur zwei Sekunden vor der wirklichen Neuentdeckung dieser Saison, dem 23jährigen Achim Trinkner. Der jugendliche Schwabe - im Hauptberuf Honda-Händler - hatte bereits in diversen Vorbereitungsrennen glänzende Vorstellungen abgegeben und zirkelte seine Halbliter-Honda in seiner zweiten Super Moto-Saison sauber, konzentriert und fehlerlos auf Rang drei.Worüber sich der sympathische Neuling zunächst mal kräftig freuen sollte, denn das Drifter-Establishment rüstet nach der Schlappe von Hockenheim mit Sicherheit nach. Champion Harald Ott taugen die langsameren Strecken ohnehin eher als die High-Speed-Piste im Land des Spargels, und KTM-Neuzugang Beat Gautschi wird sich auf seiner Duke hoffentlich wenigstens in Zukunft der adligen Schützenhilfe seines Teamkollegen Klaus Kinigadner bedienen können, der sich nach einem rätselhaftem Elektrikdefekt in unfreiwilliger gräflicher Zurückhaltung übte und das Finale von den Zuschauerrängen aus beobachtete - trotz allem als einer der 25 000 begeisterten Fans.
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Super Moto Hockenheim: Bericht (Archivversion) - Ergebnisse

1. Stéphane Chambon (F) Husqvarna, 2. Meik Appel (Wolfsburg) Kawasaki, 3. Achim Trinkner (Löchgau) Honda, 4. Harald Ott (Heidenheim) Honda, 5. Beat Gautschi (CH) KTM Duke, 6. Toni Sedlacek (Sulzbach) KTM, 7. Andreu Gomez (E) Kawasaki, 8. Alfred Stephan (Berching) Kawasaki, 9. Matthias Kiok (Lörrach) Husaberg, 10. Dirk Spaniol (Hirzweiler) Suzuki.Die Ergebnisse entsprechen dem Stand der Super Moto-Inter-DM nach einer von sechs Veranstaltungen.

Super Moto Hockenheim: Bericht (Archivversion) - Zweitschlag

Nun, die erste Schlacht der neugeschaffenen Super Moto-Inter-DM ist geschlagen. Doch Scharmützel zwei folgt auf dem Fuß. Konkret: am 2. Juni auf dem städtischen Festplatz Theresienwiese in Heilbronn, keine tausend Meter vom Stadtkern entfernt. Daß es auf dem engen City-Kurs heiß hergehen wird, dafür werden nicht nur der verspätete DM-Einstieg von Boris Chambon und dem amtierenden französischen Meister Gilles Salvador sorgen, sondern auch ein weiterer hochkarätiger Motorradsportler - der zweifache Moto Cross-Weltmeister und Rallye-Crack Heinz Kinigadner. Standesgemäß auf einer Duke antretend, wird der Österreicher zudem von den Teilnehmern des ersten KTM Duke-Treffens im Rahmen des Heilbronner Super Moto angefeuert. Näheres übers Duke-Treffen ist bei KTM Deutschland, Herrn Sager, unter Telefon 0 96 28/92 11 21 zu erfahren. Genaueres übers Heilbronner Happening an sich weiß der MCC Frankenbach unter Telefon 0 71 31/4 65 28.

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