Superbike-DM in Zolder/B (Archivversion)

Leaving Las Vegas

Die Einsätze waren hoch beim Vabanquespiel auf der nicht mehr zeitgemäßen Traditionsstrecke Zolder. Selbst die Sieger Christer Lindholm und Andreas Meklau verließen das ansonsten gastfreundliche Belgien nicht ohne Verluste.

Sie spielten mit hohem Risiko, das wußten alle Fahrer bei der Superbike-DM im belgischen Zolder. »Der Streckenverlauf ist phantastisch«, erklärte der australische Altmeister Rob Phillis, seit kurzem im Schweizer Weber-Kawasaki-Team wieder aktiv, »aber überall sind die Sturzzonen viel zu klein, dazu noch von Mauern begrenzt. Da gibt es mit dem Nürburgring und Brünn die besten Strecken der Welt - und wir fahren hier. Aber ein Motorradfahrerleben gilt eben nur wenig.«Selbst die Piloten der offiziellen Importeurs-Teams, die ja als Mitglieder des »Pro Superbike«-Pools die Entscheidung, diese Veranstaltung von Brünn nach Zolder zu verlegen, zu verantworten hatten, fanden klare Worte zum Streckenzustand. »Es wird allmählich langweilig zu protestieren«, so der nachdenkliche DM-Favorit Christer Lindholm, »weil uns keiner mehr zuhört. Aber es ist kaum nachzuvollziehen, daß wir in Speyer fahren, auf dem Sachsenring und hier in Zolder, also auf unbrauchbaren Strecken, und dafür nicht auf dem Nürburgring und in Brünn.« Lindholm ließ sich dennoch nicht davon abhalten, mit seiner DNL-Ducati im Zeittraining mit 1.37,533 Minuten rund anderthalb Sekunden pro Runde schneller zu fahren als alle anderen.Lindholms Nachfolger im Yamaha Deutschland-Team, Udo Mark, der als Trainingsvierter hinter Honda-Solist Roger Kellenberger und DNL-Ducati-Gastfahrer Peter Linden aus Schweden noch in der ersten Reihe stand, hatte in Zolder »überall das Gefühl, in einer Bobbahn zu fahren«. Besser gar nicht drüber reden wollte Titelverteidiger Jochen Schmid: »Ich habe schon so oft Probleme angesprochen, aber es führte zu nichts.«Einzig der ewig junge Andreas Hofmann fand Gefallen an Zolder und wurde dafür schlecht belohnt. In der fünften Runde des ersten Rennens platze eingangs der Villeneuve-Schikane an der Ducati des viertplazierten Peter Linden der Motor. Der hauptberufliche Jet-Pilot konnte trotz verölten Hinterrads akrobatisch einen Sturz vermeiden, aber hinter ihm flogen in Formation die Suzuki-Reiter Hofmann und Michael Rudroff sowie Yamaha-Fahrer Herbert Kaufmann in das ausnahmsweise knapp ausreichende Kiesbett. Weil sich die Rennleitung nur zögerlich zum Abbruch durchrang, bekam das Unfalltrio eine Runde später noch Gesellschaft von Udo Mark.Rainer Jänisch hatte fast gleichzeitig, unabhängig von Lindens Ölverklappung, seine Suzuki GSX-R in die Fahrerlager-Schikane gelegt. Somit mußte man sich bei Suzuki Deutschland mit dem Gedanken anfreunden, daß man die 70000 Mark, die der Pro Superbike-Pool durch die Verlegung der Veranstaltung von Brünn nach Zolder an TV-Produktionskosten eingespart hatte, nun, wenn auch in anderer Weise, allein aufbringen durfte. Hofmanns Bike war Totalschaden, und auch die halboffizielle Rudroff-GSX-R sowie die nicht ganz inoffizielle Jänisch-Maschine waren zumindest für den Restart nicht mehr brauchbar.Die beste Show in den elf Runden nach dem Restart bot Andreas Meklau auf der Power Horse-Ducati. Der Österreicher hatte das Rennen schon nach einer Runde wegen einer gelängten Kette aufgegeben und mußte beim zweiten Anlauf aus der letzten Reihe starten, mit zwei Runden Rückstand. Meklau flog geradezu durchs Feld und ließ am Ende lediglich dem überlegenen Christer Lindholm sowie dem ebenso einsam auf Platzt zwei einherfahrenden Jochen Schmid den Vortritt. Fürs Podest reichte es wegen der fehlenden zwei Runden natürlich nicht. Rang drei ging an Udo Mark.Gleich, ob Podestrang oder nicht, Meklau wirkte in Zolder bissig wie schon lange nicht mehr und setzte im zweiten Rennen noch eins drauf. Zunächst verschoß Jochen Schmid das Pulver seiner Kawasaki, übrigens wieder die 1995er ZX-R 750, mit einem sensationellen Überholmanöver gegen Spitzenreiter Lindholm schon früh und reihte sich nach einer halben Führungsrunde wieder auf Rang zwei ein.Als Lindholm selbst dann in der elften von 14 Runden auf Ölresten des Linden-Crash vom ersten Rennen ausrutschte, zurück- und später mit einem Getreibeschaden ganz aus den Punkterängen fiel, schlug der Mann mit dem fliegenden Igel auf dem Helm zu. Meklau schnappte sich schon eine Runde später den wieder nur kurz führenden Schmid und siegte erstmals im Pro Superbike-Zirkus. Dritter wurde abermals Udo Mark vor UGT-Ducati-Fahrer Brian Morrison und Rob Phillis.Grund zum Ärger gab es aber leider nicht nur wegen der Streckensicherheit. So führte in Zolder ein Zuständigkeitsstreit um die Tickets für Offizielle, Teams, Industrie, Presse und Gäste zwischen dem Motorsportdachverband OMK und der Pro Superbike-Agentur Moto Motion zu grotesken Situationen. Dunlop-Renndienst-Leiter Reinhard Berier sowie OMK-Funktionär Rüdiger Mertes wurden von Moto Motion-Ordnern nicht in die Startaufstellung gelassen, obwohl sie gültige OMK-Ausweise trugen, aber keine Moto Motion-Tickets. Eine wenig gelungene Retourkutsche für die OMK-Idee, dem Veranstalterclub RG Wuppertal am Freitag vor dem Rennen die Anerkennung aller Moto Motion-Ausweise verbieten zu wollen. In diesem ganzen Theater etwas untergegangen ist, daß die Zeitnahme des Amateurssportverbands »MOTO aktiv« Ergebnislisten ausgab, auf dem hauptsächlich dummes Zeug stand. Atlanta läßt grüssen?
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Ergebnisse (Archivversion)

1. Lauf: 1. Christer Lindholm (S) Ducati, 14 Runden in 23.22,941 min, 2. Jochen Schmid, Kawasaki, 3. Udo Mark, Yamaha, 4. Brian Morrison (GB) Ducati, 5. Roger Kellenberger (CH) Honda, 6. Herbert Kaufmann, Yamaha, 7. Rob Phillis (AUS) Kawasaki, 8. Anton Gruschka, Yamaha, 9. Eric Mailard (CH), 10. Heinz Platacis, 11. Thomas Ochsenreiter, alle Kawasaki, 12. Fritz Einberger, Yamaha, 13. Martin Kratzer, Ducati, 14. Uwe Pollheide, Kawasaki, 15. Harry Fath, Ducati;2. Lauf: 1. Andreas Meklau (A) Ducati, 23.18,868 min, 2. Schmid, 3. Mark, 4. Morrison, 5. Phillis, 6. Kaufmann, 7. Michael Rudroff, 8. Rainer Jänisch, beide Suzuki, 9. Maillard, 10. Platacis, 11. Einberger, 12. Andreas Hofmann (CH) Suzuki, 13. Ochsenreiter, 14. Fath, 15. Lothar Kraus, Kawasaki;DM-Stand: 1. Lindholm 141 Punkte, 2. Schmid 136, 3. Morrison 119, 4. Bernhard Schick, Ducati, 110, 5. Kellenberger 109, 6. Mark 105, 7. Meklau 100, 8. Kaufmann 55, 9. Rudroff 54, 10. Hofmann und Gruschka, je 35.

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