Superbike-WM (Archivversion) König ohne Krone?

Auch in Valencia war er zur Freude der Fans noch dabei: Yamaha-Werksfahrer Noriyuki Haga, vom internationalen Rennsportverband FIM wegen eines positiven Dopingtests für einen Monat gesperrt, nach der noch hängigen Berufung seines Teams aber unter Vorbehalt startberechtigt.
Den 25-jährigen Japaner selbst scheint das Gezerre am wenigsten zu stören. »Das Problem muss von der FIM entschieden werden«, war das Einzige, was dem wilden Reiter zu entlocken ist. Ob er die gestrichenen 45 WM-Punkte vom Saisonauftakt in Kyalami wieder bekommt und frei gesprochen wird und damit WM-Spitzenreiter wäre? Ob eine eventuell doch von der FIM wieder bestätigte einmonatige Sperre erst ab dem Tag der Bekanntgabe in Kraft tritt oder, wie vor der Berufung verkündet, rückwirkend ab 5. Juni 2000 und damit die Ergbenisse von Misano und Valencia auch gestrichen werden müssen? Am wenigsten damit beschäftigt sich, Sie ahnen es, Noriyuki Haga selber.
Er setzt sich einfach auf seine Werks-Yamaha und treibt sie so quer es eben geht um die Rennstrecken. Und stahl dabei in Valencia ganz nebenbei in Valencia einem Mann wie Troy Corser die Show. Der Ex-Weltmeister aus Australien war mit seiner Werks-Aprilia der unangetastete Herrscher in Spanien – Bestzeit in allen Trainings, Superpole-Position, überlegener Sieg im ersten Rennen, sein dritter in Folge nach dem Misano-Doppel eine Woche zuvor. Bis der gut gelaunte Troy einen kleinen Fehler beging, und für das zweite Rennen wegen der deutlich höheren Asphalt-Temperaturen – bei annähernd gleicher Lufttemperatur von 28 Grad hatte sich die Piste von 34 auf 52 Grad aufgeheizt – mit der Reifenmischung und der Abstimmung des hinteren Federbeines daneben griff.
Die neue Dominanz des Aprilia-Nummer eins-Fahrers verpuffte während des zweiten Rennens im durchdrehenden Hinterrad. Und Corser musste zuschauen, wie angeführt von den Kampfhähnen Haga und dem erneut entfesselten Ben Bostrom auf der NCR-Ducati auch noch Ducati-Werksfahrer Troy Bayliss sowie der am ganzen Wochenende von großen Fahrwerks- und Reifenproblemen geplagte WM-Tabellenführer Colin Edwards auf der Werks-Honda allmählich entschwanden.
An der Spitze glänzte zunächst Ben Bostrom, der erneut seinen Erzrivalen, den Lokalmatadoren Juan Bautista Borja auf der Werks-Ducati, die der Kalifornier ja abtreten musste, uralt aussehen hat lassen. Der ebenso hochmotivierte wie offensichtlich best gelaunte Bostrom war schon im ersten Rennen als Zweiter vor Haga um Lichtjahre vor Borja einhergefahren, als der Spanier nach einem Ausritt aufgegeben hatte.
Und im zweiten Rennen fightete der Kalifornier mit Haga um den Sieg, während Borja vor seinem Publikum - er stammt ja aus Valencia - nach einem weiteren Ausritt enttäuschter Achter wurde. Bostrom dagegen hatte alles im Griff, außer dieser einen Linkskurve. »Nur hier konnte ich ihn halbwegs erfolgversprechend angreifen«, erklärte Sieger Haga im Ziel seine Taktik.
Für die Superbike-Abteilung des Alpha-Technik-Teams gab es neben viel Arbeit – sowohl MOTORRAD-Testfahrer Markus Barth wie auch Jürgen Oelschläger stürzten im Training einmal – wenigstens einen Punkt für Barth im ersten Rennen. Oelschläger, im ersten mit Fahrwerksproblemen ausgeschieden, wurde im zweiten Rennen 20. vor Barth.

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