Superbike-WM auf dem A1-Ring/Österreich (Archivversion)

Sommertheater

Völlig gegensätzliche Auftritte stehen auf dem Spielplan der Superbike-WM im Spätsommer: die Titelentscheidung und der erwachende Transfermarkt.

Mit 30,5 Punkten Vorsprung kam Tabellenführer Troy Corser zu den Superbike-WM-Rennen auf dem österreichischen A1-Ring - aber nicht unbedingt mit freiem Kopf. »Natürlich hat der WM-Titelkampf Vorrang«, erklärte der Australier, »aber es geht auch schon um 1999.«Und da sieht es bei Corser wie bei seinen Ducati-Werksfahrer-Kollegen Pierfrancesco Chili und Carl Fogarty unübersichtlich aus. Die Bologneser wollen das Superbike-WM-Engagement reduzieren und nur noch ein Werks-Team ausstatten. Dabei setzt der neue Chef Federico Minoli eher auf das Ducati Performance-Team von Davide Tardozzi, 1998 mit Carl Fogarty als Fahrer, als auf Virginio Ferraris Traditionsmannschaft, wo Corser und Chili unter Vertrag stehen. »Ich hatte schon mehrere ergebnislose Meetings mit Herrn Minoli, auch zwei hier auf dem A1-Ring«, erklärte Ferrari. Nicht klarer wird die Situation um die Ducati-Werksteams, seit das Supersport 600-Meisterteam Corona-Alstare ausgerechnet Tardozzi-Fahrer Carl Fogarty mit massiven finanziellen Verlockungen bedrängt, 1999 auf ein Suzuki GSX-R 750-Superbike in Gelb-Blau zu steigen. Dies könnte bei Ducati zu dem teuflischen Plan führen, dem armen Virginio Ferrari seine beiden Fahrer wegzunehmen und Troy Corser wie auch Frankie Chili mit Teamchef Tardozzi zusammenzuspannen. Corser, mit Tardozzi 1996 Weltmeister, dazu recht offen: »Die Zusammenarbeit mit Ferrari ist komplizierter als mit Tardozzi.«Über das ganze Transfertheater schienen die Ducatisti in der Steiermark vor knapp 30000 Zuschauern ein bißchen ihre eigentliche Arbeit, das Rennen fahren und die WM, vergessen zu haben. Schon während der Trainingstage fand das Werksfahrer-Trio in Rot keinen vernünftigen Zugang zum A1-Ring. »Ich weiß auch nicht so genau«, rätselte zum Beispiel Chili, »das Motorrad funktioniert, und ich fühle mich gut darauf. Aber wir sind dennoch nicht schnell genug.«Ganz anders Honda-Werksfahrer Aaron Slight. »Ich habe damit gerechnet, daß wir auf dem A1-Ring stärker sind als Ducati«, spekulierte der Neuseeländer vor dem ersten Rennen. Nach dem gewohnt verschlafenen Start von der Pole Position setzte er sich glänzend gegen den ebenfalls schwach gestarteten Frankie Chili und den mit verendenden Reifen wehrlosen Carl Fogarty durch. Das zweiten Rennen sah einen völlig neuen Aaron Slight. Wie ein Dragster pfeilte er von der Startlinie und bestimmte das Rennen von Anfang an. Carl Fogarty mit neuer Reifenmischung und härterer Fahrwerksabstimmmung konnte zwar bis zum Ende massiv Druck machen. Zum Sieg über Slight aber reichte es nicht für den Ex-Weltmeister.Und Troy Corser, der Tabellenführer? »In beiden Rennen verlor mein Ducati-Motor an Leistung.« Nach zwei fünften Plätzen sind von den stattlichen 30,5 Punkten Vorsprung auf Slight gerade noch anderthalb übriggeblieben.Viel Unruhe also bei Ducati. Im Castrol-Honda-Werksteam um Aaron Slight dagegen ist alles perfekt, von den Rängen sieben und neun von Colin Edwards vielleicht mal abgesehen. Teamchef Neil Tuxworth jedenfalls betont: »Wir sind dem WM-Titel näher gekommen und werden unabhängig davon 1999 wohl mit Slight und Edwards weitermachen.«Neben der beginnenden Entscheidungsschlacht zwischen Ducati und Honda erregte auf dem A1-Ring vor allem Akira Yanagawa Aufsehen. Der Kawasaki-Werksfahrer war erstmals seit seinem furchtbaren Sturz im Juli in Laguna Seca wieder dabei und zeigte mit Startplatz zwei und zwei vierten Plätzen ein beeindruckendes Comeback. Für Teamchef Harald Eckl ist der Japaner für 1999 fix. Beim zweiten Fahrer im Kawasaki Racing Team könnte es zu einer Veränderung kommen. »Neil Hodgson weiß«, so Eckl, »daß Kawasaki Japan von ihm mehr erwartet hat. Er hat noch die Chance, mit Spitzenresultaten seinen Vertrag selber zu verlängern.« Was in der Steiermark mit den Rängen acht und zehn nicht gelang. Heißester Kandidat auf diesen Platz ist derzeit Gregorio Lavilla, dessen Hoffnung, mit seinem De Cecco-Team vom Ducati-Kunden zum Werksteam aufzusteigen, sich wohl zerschlagen hat. Ebenfalls Kawasaki-Gast auf dem A1-Ring war Ralf Waldmann. »Die Superbike-WM wäre für mich eine Notlösung«, erklärte Waldi, »die 500er WM hat Vorrang.« Teamchef Eckl dazu nur knapp: »Waldi will Geld verdienen. In seiner derzeitigen Situation kriegt er in keinem 500er Team mehr als bei uns.«Völlig unklar ist die Lage bei Yamaha, wo die Fahrer Noriyuki Haga und Scott Russell sehr diskret im Mittelfeld fuhren. Teamchef Davide Brivio etwas frustriert: »1999 ? Ich weiß ja nicht mal, ob Yamaha ein neues Superbike bringt. Aber davon hängt alles ab.« Brivio wäre gut beraten, wenn er Haga und Russell auf die INTERMOT nach München einladen würde. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie dort auf dem Yamaha-Stand eine Überraschung erleben.Suzuki dagegen vertraut auf Bewährtes. Die V2-TL 1000 R kommt 1999 nicht auf WM-Pisten, und wenn Fogarty tatsächlich in Corona-Alstare-Gelb/Blau an den Start gehen wird, rennen vielleicht sogar drei Werks-GSX-R 750 - und endlich auch als Einspritzer.
Anzeige

Ergebnisse (Archivversion)

1. Lauf: 1. Aaron Slight (NZ) Honda, 25 Runden in 38.03,873 min ( = 170,158 km/h, 2. Pierfrancesco Chili (I), 3. Carl Fogarty (GB), beide Ducati, 4. Akira Yanagawa (J) Kawasaki, 5. James Whitham (GB) Suzuki, 6. Troy Corser (AUS) Ducati, 7. Colin Edwards (USA) Honda, 8. Neil Hodgson (GB) Kawasaki, 9. Noriyuki Haga (J) Yamaha, 10. Peter Goddard (AUS) Suzuki, 11. Gregorio Lavilla (E) Ducati, 12. Scott Russell (USA) Yamaha, 13. Alessandro Gramigni (I), 14. Andreas Meklau (A), beide Ducati, 15. Igor Jerman (SLO) Kawasaki;2. Lauf: 1. Slight, 38.03,213 min ( = 170,208 km/h), 2. Fogarty, 3. Chili, 4. Yanagawa, 5. Corser, 6. Whitham, 7. Lavilla, 8. Goddard, 9. Edwards, 10. Hodgson, 11. Russell, 12. Haga, 13. Meklau, 14. Gramigni, 15. Jerman;Schnellste Runde: Corser in 1.30,276 min ( = 172,191 km/h);WM-Stand: 1. Corser 296,5 Punkte, 2. Slight 295, 3. Fogarty 277,5, 4, Chili 264,5, 5. Edwards 249,5, 6. Haga 217;Supersport 600: 1. Fabrizio Pirovano (I), 23/37.11,081 min ( = 160,250 km/h), 2. Stéphane Chambon (F), beide Suzuki, 3. Vittoriano Guareschi (I), 4. Massimo Meregalli (I), 5. Wilco Zeelenberg (NL), alle Yamaha, 6. Paolo Casoli (I), 7. Mauro Lucchiari (I), beide Ducati, 8. Christian Kellner (D), 9. Gianni Bussei (I), beide Suzuki, 10. Robert Ulm (A) Yamaha;Schnellste Runde: Cristiano Migliorati (I) Ducati in 1.35,833 min ( = 162,173 km/h);Stand: 1. Pirovano 151 (Meister), 2. Guareschi 124, 3., Chambon 121, 4. Casoli 92.

Parc fermé (Archivversion)

1. Lauf: 1. Aaron Slight (NZ) Honda, 25 Runden in 38.03,873 min ( = 170,158 km/h, 2. Pierfrancesco Chili (I), 3. Carl Fogarty (GB), beide Ducati, 4. Akira Yanagawa (J) Kawasaki, 5. James Whitham (GB) Suzuki, 6. Troy Corser (AUS) Ducati, 7. Colin Edwards (USA) Honda, 8. Neil Hodgson (GB) Kawasaki, 9. Noriyuki Haga (J) Yamaha, 10. Peter Goddard (AUS) Suzuki, 11. Gregorio Lavilla (E) Ducati, 12. Scott Russell (USA) Yamaha, 13. Alessandro Gramigni (I), 14. Andreas Meklau (A), beide Ducati, 15. Igor Jerman (SLO) Kawasaki;2. Lauf: 1. Slight, 38.03,213 min ( = 170,208 km/h), 2. Fogarty, 3. Chili, 4. Yanagawa, 5. Corser, 6. Whitham, 7. Lavilla, 8. Goddard, 9. Edwards, 10. Hodgson, 11. Russell, 12. Haga, 13. Meklau, 14. Gramigni, 15. Jerman;Schnellste Runde: Corser in 1.30,276 min ( = 172,191 km/h);WM-Stand: 1. Corser 296,5 Punkte, 2. Slight 295, 3. Fogarty 277,5, 4, Chili 264,5, 5. Edwards 249,5, 6. Haga 217;Supersport 600: 1. Fabrizio Pirovano (I), 23/37.11,081 min ( = 160,250 km/h), 2. Stéphane Chambon (F), beide Suzuki, 3. Vittoriano Guareschi (I), 4. Massimo Meregalli (I), 5. Wilco Zeelenberg (NL), alle Yamaha, 6. Paolo Casoli (I), 7. Mauro Lucchiari (I), beide Ducati, 8. Christian Kellner (D), 9. Gianni Bussei (I), beide Suzuki, 10. Robert Ulm (A) Yamaha;Schnellste Runde: Cristiano Migliorati (I) Ducati in 1.35,833 min ( = 162,173 km/h);Stand: 1. Pirovano 151 (Meister), 2. Guareschi 124, 3., Chambon 121, 4. Casoli 92.

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote