Superbike-WM auf dem Eurospeedway Lausitz (Archivversion) Über den Wolken

Wechselhaft wie das Wetter am Rennwochenende auf dem Eurospeedway Lausitz ist derzeit auch die Stimmung in der Superbike-WM. Eine Konstante liegt nur in den Siegen von Überflieger Troy Bayliss.

Zwischen heiter und stürmisch-regnerisch sprang das Wetter an diesem Frühsommerwochenende in der selbst ernannten regenärmsten Region Deutschlands ständig hin und her. Bedingungen, die im übertragenen Sinne auch symptomatisch sind für die Lage der Superbike-WM insgesamt.Einzig Titelverteidiger Troy Bayliss war auf dem Eurospeedway Lausitz gleichmäßig guter Laune. Aus der Pole Position gewann der Australier die beiden Rennen nach einem Muster, dass Rennsportfans in diesem Jahr schon sehr häufig erlebt haben, neben Bayliss zum Beispiel auch von MotoGP-Dominator Valentino Rossi. In der ersten Rennhälfte beschränkt sich der Meister darauf, das Geschehen an der Spitze aus zentraler Position zu überwachen, um dann nach ungefähr zwei Dritteln der Distanz kalt und erbarmungslos zuzuschlagen, auf seine eigene und die Überlegenheit seines Materials vertrauend.So holte Bayliss in der Lausitz bereits die Saisonsiege zehn und elf. Die Konkurrenz, allen voran Vizeweltmeister Colin Edwards auf der Werks-Honda und Bayliss’ Ducati-Teamkollege Ruben Xaus, läuft trotz jeweils zweier Podestränge eher wie begossene Pudel durchs Fahrerlager.Unterschiedlich wie die Stimmungslage der Spitzenpiloten zeigt sich auch die Superbike-WM-Szene insgesamt. Denn in der nächsten Saison wird vieles anders sein, beileibe nicht nur wegen der vorgezogenen Erweiterung des Hubraumlimits für die Vierzylinder auf 1000 cm3. Die japanischen Big Bikes werden mit einem Luftmengenbegrenzer in Ansaugtrakt von zweimal 18,7 oder einmal 26,3 Millimeter Durchlass gegen die etablierte Superbike-Welt rennen, also weiterhin frei atmende 1000er-Twins, 900er-Triple oder 750er-Vierer. »Mit dieser Neuerung werden wir Suzuki und Yamaha mit ihren Werksteams in die Superbike-WM zurückholen«, freut sich Promoter Paolo Flammini, »und außerdem werden wir Erfahrungen gewinnen, wie sich die Air-Restriktoren auswirken und können dann ab 2004 ein wirklich gerechtes Reglement für eine große Vielfalt von Motorenkonzepten erarbeiten.«Der Belgier Francis Batta, Boss des Alstare-Corona-Suzuki-Teams und mit dieser Regel sehr zufrieden, wird 2003 Jahr wohl wieder zwei Suzuki-Werks-Superbiker auf GSX-R 1000 einsetzen, statt ständig zu betonen, dass die GSX-R 750 von Suzuki-Solist Gregorio Lavilla, in der Lausitz Achter im ersten Lauf, im zweiten gestürzt, eben keine Werksmaschine sei. Von Yamaha steht ein offizieller Comeback-Beschluss mit der R1 noch aus. »Aber ab 2004 haben sich eh alle führenden Hersteller verpflichtet, werkseitig in der Superbike-WM anzutreten«, zweifelt Flammini nicht.Nichts mit dem neuen Regelwerk zu tun haben dagegen die Pläne von Ducati und Kawasaki. Und sie sind für die Superbike-Szenerie nicht uneingeschränkt erfreulich. Ducati wird die Desmosedici-MotoGP-V4-Maschine in die bewährten Hände der überaus erfolgreichen, bisherigen Superbike-Teamstruktur geben. Dazu Davide Tardozzi, als Teamchef für die letzten vier Ducati-Superbike-WM-Titel zuständig: »Ich werde mit meinem kompletten Ducati-Infostrada-Team die MotoGP-Werksmannschaft bilden. Es wird aber auf jeden Fall weiterhin ein vollwertiges Ducati-Werksteam in der Superbike-WM geben.«Da dieses Team jedoch wesentlich auf die bestehende britische Edel-Privatcrew HMplant aufbauen wird, werden von den fünf Ducati-Top-Piloten 2002 nur noch zwei Werksfahrer übrigbleiben, die wohl Neil Hodgson und Ben Bostrom heißen. Auch die Farbe Grün gilt in der Superbike-WM als noch bedrohter denn im Bundestag. »Mein Team wird als offizielles Kawasaki-Team die MotoGP-WM bestreiten«, bestätigte der deutsche Ex-Rennfahrer Harald Eckl, »in der Supersport-WM wird Kawasaki France unter der Führung von Christophe Bourgeois die grünen Farben hochhalten. Ob die auch Superbike fahren, keine Ahnung. Eine für 2003 schon rennfertige Werks-ZX-9R gibt es nicht, das weiß ich.«Eckl, der mit seinem Testfahrer Akira Yanagawa bereits die letzten vier MotoGP-Läufe dieser Saison bestreiten will, tat aber in der Lausitz dennoch etwas für die Attraktivität der Superbike-WM, zumindest in Deutschland. Statt des verletzten Stammfahrers Hitoyasu Izutsu verpflichtete der Bayer den arbeitslosen 250er-GP-Fahrer Alex Hofmann. Und der 21-jährige schlug sich beim ersten Rennen auf einem Viertakter als 15. und 13. beachtlich. Je nach Heilungsfortschritt Izutsus wird Hofmann nach einem weiteren Gastauftritt auf der Red Bull-Yamaha 500 beim Barcelona-GP auch beim nächsten Superbike-WM-Rennen in Misano wieder auf der Werks-Kawasaki sitzen.Trotz der Abgänge von Ducati-Infostrada und Kawasaki-Racing-Team strahlt Flammini ungebrochen Optimismus aus und rechnet vor: »Ducati wird als Werks-Team bleiben, Suzuki bringt statt einem Fahrer wieder zwei, Yamaha kommt mit zwei zurück, bei Aprilia wird Haga einen Teamkollegen bekommen. Und dazu kommt noch das neue Foggy-Petronas-Team mit Troy Corser. Wir werden 2003 mehr Werksfahrer am Start haben als in diesem Jahr. Und außerdem denken wir mittelfristig sehr intensiv über ein neues Veranstaltungsformat nach, eventuell mit einem Tankstopp, allerdings mit großer Vorsicht. Denn unser derzeitiges Format mit zwei Rennen an einem Tag ist hervorragend. Und nach einer Änderung sollte es noch besser sein.«Im niederländischen Ten-Kate-Honda-Team schlug die freudige Stimmung nach dem Sieg von Fabien Forêt im Supersport-Rennen alsbald ins Gegenteil um. Der Franzose wurde disqualifiziert, weil die Hinterachse seiner Honda CBR 600 FS nicht regelkonform war. Ebenso aus der Wertung flogen die beiden Belgarda-Yamaha-Helden Jamie Whitham auf Rang sechs und Paolo Casoli auf Platz zehn. Ihre Maschinen sprangen nach dem Rennen nicht mehr an, was die seriennahen Supersport-Regeln aber vorschreiben. Die deutschen Yamaha-Supersportler Christian Kellner und Jörg Teuchert fanden sich am Ende auf den beachtlichen Rängen vier und sechs wieder, womit Kellner leidlich einverstanden war, während Teuchert einräumte, dass »heute das Motorrad besser war als ich selber«.Ob die Superbike-WM 2003 besser wird als die diesjährige? Nun, Signore Flammini zumindest ist sich da sicher.Honda CBR 600 FS nicht regelkonform warjh

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