Superbike-WM in Albacete/Spanien––––– (Archivversion) Oh, naß is’–––––

250 Kilometer südlich von Madrid rechneten die Superbiker mit allem, nur nicht mit Regen. Vierzylinder-Fahrer wie Honda-Star Colin Edwards (45) hatten damit mehr Probleme als die Ducati-Fraktion, angeführt von Pierfrancesco Chili (7) und Troy Corser (11).

Die Sensation schien perfekt beim ersten Rennen der Superbike-WM im spanischen Albacete. Der einheimische Ducati-Privatfahrer Gregorio Lavilla fuhr unter wolkenbruchartigen, später abschwächenden Regenfällen die Superbike-Welt auf ihren edlen Werks-Maschinen in Grund und Boden.Über acht Sekunden war der 26jährige deutsche Superbike-Vizemeister schon enteilt. Erst dann wachte Pierfrancesco Chili auf und merkte, »daß ich doch ein Chance hatte. Nach den ersten paar Runden hatte ich geglaubt, daß dies nicht mein Rennen sein würde.« Der Italiener auf seiner Werks-Ducati mußte sich erst selbst bei den Hörnern packen, damit er das Rennen nicht im Mittelfeld vertändelte.Auf seinem Weg nach vorn nahm der ewig junge Chili seinen Teamkollegen Troy Corser gleich mit, als er ihn in der neunten Runde von Platz drei verdrängte. Fast im Formationsflug schnappte sich das Ducati-Duo kurz darauf den zweitplazierten Honda-Werksfahrer Colin Edwards, womit die Jagd offen war auf den frechen Gregorio Lavilla an der Spitze.«Ich konnte zunächst mit meinem eigenen Rhythmus dem Feld davonfahren«, erklärte der Spanier, »als aber Chili und in der letzten Runde auch noch Corser angegriffen haben, wehrte ich mich nicht sehr. Das Sturzrisiko wäre zu groß gewesen«So landete Lavilla vor heimischer, wegen des schlechten Wetters aber spärlicher Kulisse von knapp 10000 Zuschauern auf Rang drei.Troy Corser hatte für den ersten Teil von Lavillas Fahrt nur Bewunderung übrig: »Am Anfang war es sehr schwierig, eine vernünftige Linie zu finden, weil sich die Strecke von Runde zu Runde stark veränderte.«Hinter dem Ducati-Trio rollten die Werks-Honda von Aaron Slight und Colin Edwards ins Ziel. »Bei so miesem Wetter und auf der engen Piste in Albacete hatten wir keine Chance gegen Ducati«, stellte Slight klar, »da müssen wir als beste Vierzylinder zufrieden sein.« Auch sein Kumpan Edwards zeigte gute Laune, obwohl er im Rennen von Platz zwei auf den fünften Rang zurückgefallen war: »Nicht schlecht für das erste Mal mit Honda und Michelin im Regen.«Dahinter schaffte es Yamaha-Werksfahrer Scott Russell in der letzten Runde noch, Neil Hodgson zu schnappen, der ihm am Start eigentlich längst entschwunden war. Denn Russell fiel von Startplatz zwei zunächst auf Rang zwölf ab, war aber im Ziel wieder vor Kawasaki-Mann Neil Hodgson, der von Startplatz drei zunächst in Führung geschossen war.Völlig farblos dagegen blieb WM-Tabellenführer Noriyuki Haga. Von der Pole Position fiel der Japaner auf Rang zehn durch, einen Platz hinter Carl Fogarty, der eine seiner gewohnt diskreten Regenvorstellungen bot.Um so dicker waren die Hälse dieser beiden Herren vor dem zweiten Rennen auf inzwischen trockener Fahrbahn. Aus der zweiten Reihe zwängte sich Fogarty blitzartig sogar an Superstarter Haga vorbei in Führung. Der zweifache Weltmeister mit seiner Werks-Ducati mußte sich zwar noch ein paar Runden der ungestümen Angriffe des jungen Japaners erwehren. Als dieser Widerstand erlahmte, »fühlte ich mich wie vor ein paar Jahren,« freute sich Fogarty, »als ich meine Rennen oft von einer sicheren Spitzenposition aus einteilen konnte.«Als Fogarty entschwunden war, schienen die Kräfte des magischen Noriyuki Haga zu schwinden. Von hinten näherten sich die zurückhaltend gestarteten Aaron Slight und Troy Corser, die Haga zu Saisonbeginn noch im Griff hatte, und fuhren unspektakulär, aber unmißverständlich am Japaner vorbei auf die Plätze zwei und drei. »Wieder bester Vierzylinder«, grinste Slight im Ziel und erzählte von erheblichen Schaltproblemen.Troy Corser fuhr hinter Slight ungestört als Dritter ins Ziel und war damit der Gewinner des unübersichtlichen Albacete-Wochenendes. 1998 noch ohne Sieg hat der Weltmeister von 1996 die WM-Tabellen-Führung übernommen.Verlierer waren zumindest im zweiten Rennen Lavilla, Edwards und Hodgson - alle drei lagen schon in der ersten Kurve im Kies. Beim Umlegen gerieten Neil Hodgson, sein Kawasaki-Teamkollege Akira Yanagawa und Lavilla aneinander, was Yanagawa nicht weiter behinderte, für Lavilla aber im Hinterteil der Hodgson-Kawasaki endete. Und Colin Edwards legte seine Honda RC 45 noch dazu.Hodgson raffte sich auf, und freute sich als 14. noch über zwei WM-Pünktlein sicher mehr als Yamaha-Alt-Star Scott Russell über seine sieben, die er mit dem neunten Platz in seinem 100. Superbike-WM-Rennen einfahren konnte. Denn ein neunter Rang gilt für den Ex-Weltmeister nicht als sensationell.

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